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Saar-Astronaut Matthias Maurer zu Besuch in Gronig

Matthias Maurer in Gronig : Saar-Astronaut zu Besuch in der Heimat

Drei Tage verbringt Matthias Maurer in Gronig, um sich mit Familie und Freunden zu treffen. Bei seiner Stippvisite erhält er auch ein besonderes Abschiedsgeschenk.

Zeit ist kostbar. Vor allem im Leben eines Astronauten. Je näher der Start rückt, desto voller wird der Terminkalender. Amerika, Russland, Deutschland – ständig trainiert Matthias Maurer in einem anderen Land, um sich auf seinen Flug in den Weltraum vorzubereiten. „Die Leute fragen mich oft, ob mir das alles nicht manchmal zu stressig ist“, sagt er und beantwortet die Frage gleich mit: „Klar, es ist anstrengend, so viel unterwegs zu sein. Aber es macht auch super viel Spaß.“

Während er redet, wandert sein Blick über das St. Wendeler Land. Im Vordergrund ist Gronig zu sehen, in der Ferne die Kreisstadt. „Die Aussicht von hier oben ist einfach toll“, schwärmt der 51-Jährige. Der Momberg sei einer seiner Lieblingsplätze im Saarland. „Immer, wenn ich zu Besuch bin, komme ich hierher.“ Kein Wunder also, dass es Maurer auch am Samstagmorgen auf den 499 Meter hohen Berg am Ortsrand verschlägt. Solche Ausflüge in die Heimat sind selten. Der proppenvolle Stundenplan bietet dafür kaum Raum. Das letzte Mal ist der Astronaut der Europäischen Weltraumagentur (ESA) vor sieben Monaten hier oben gewesen. „Das ist schon eine Weile her. Seitdem ist einiges passiert“, stellt er fest.

So ist Maurer beispielsweise offiziell für seine Mission zur Internationalen Raumstation (ISS) beauftragt worden. Außerdem hat er weitere Trainingseinheiten absolviert. In Los Angeles (USA) lernte er etwa, ein Crew-Dragon-Raumschiff zu bedienen, mit dem er im Herbst ins All aufbrechen wird. In Houston (USA) übte er, was zu tun ist, wenn in 400 Kilometern Höhe ein technischer oder medizinischer Notfall eintritt. Und im Sternenstädtchen nahe Moskau probte der Himmelsstürmer für einen möglichen Außenbordeinsatz. „Ich bin derzeit weltweit der einzige Astronaut, der sowohl für den russischen als auch den amerikanischen Raumanzug zertifiziert ist“, berichtet Maurer stolz.

Seit gut einer Woche ist er nun wieder in Deutschland. Auch hier ist sein Tagesablauf komplett durchgetaktet. Bereits kurz nach der Ankunft im Europäischen Astronautenzentrum in Köln erwarteten ihn Dreharbeiten mit einem Fernsehsender. Zudem musste Maurer als Versuchskaninchen bei einem Ernährungsexperiment herhalten, das er auch im Weltraum durchführen soll. „Mir wurden vor und nach dem Essen Blutproben entnommen, um herauszufinden, wie der menschliche Körper auf Zucker reagiert und was wir daraus für den medizinischen Fortschritt auf der Erde lernen können“, erklärt er.

Am Freitag durfte er sich endlich auf den Heimweg machen. Über einen kleinen Umweg fuhr er von der Rheinmetropole ins Saarland. Lediglich drei Tage bleiben ihm, um Freunde und Familie zu treffen, sich auszuruhen und zu entspannen. Letzteres kann Maurer auf dem Momberg besonders gut. „Hier tanke ich meine Energie auf“, sagt er. Der Ort weckt bei ihm viele Erinnerungen. Seine Kindheit und Jugend hat Maurer im Landkreis St. Wendel verbracht. Er wuchs in Gronig auf, ging in der Kreisstadt zur Schule, absolvierte seinen Zivildienst in Tholey und studierte in Saarbrücken. In seiner Freizeit kickte er im örtlichen Fußballverein, trainierte im Judo-Club und hob als Segelflieger vom Flugplatz in Marpingen ab. Um sich so richtig auszupowern, joggte er regelmäßig auf den Momberg. „Das mache ich heute immer noch gerne“, erzählt er.

Der Gipfel sei ein Platz, der ihn inspiriere und zum Träumen bringe. „Wenn es dunkel ist, sieht man hier oben ganz viele Sterne“, berichtet der Raumfahrer. Er habe früher oft dagestanden, in den Himmel geschaut und sich gefragt, ob es da draußen noch weiteres Leben gibt. „Die Frage nach dem Ursprung des Universums bewegt die Menschen seit jeher“, ist sich Maurer sicher. Ein Beweis dafür sei die Himmelsscheibe von Nebra, die älteste bisher bekannte Himmelsdarstellung. Sie habe ihn auch beim Designen seines Missionslogos inspiriert. Das Artefakt zeige die Faszination für den Weltraum, die sich über Jahrhunderte erstrecke.

Diese Faszination will Maurer auch an die Menschen in seiner Heimat weitergeben. Er möchte sie für die Raumfahrt begeistern, sie an seiner Cosmic-Kiss-Mission teilhaben lassen. Aus diesem Grund rief er im März die saarländischen Sportvereine auf, mit ihm abzuheben (wir berichteten). 255 Clubs beteiligten sich und stellten ihre Wappen zur Verfügung. Diese wurden auf ein Trikot gedruckt, das mit Maurer zur ISS fliegen wird. Da Innenminister Klaus Bouillon (CDU) Schirmherr der Aktion ist, lässt er es sich nicht nehmen, das besondere Abschiedsgeschenk persönlich zu überreichen.

Vom Momberg geht es dazu in den Sitzungssaal des Oberthaler Rathauses. Dort nehmen Minister Bouillon, Bürgermeister Stephan Rausch (CDU) und Landrat Udo Recktenwald (CDU) den Raumfahrer in Empfang. „Wir haben die ganze Zeit gehofft, dass wir Dich vor dem Start noch einmal in Oberthal begrüßen dürfen. Wir freuen uns, dass es tatsächlich geklappt hat“, sagt Rausch. Für die kleine Gemeinde sei Maurers Mission eine ganz große Sache. „Für uns ist das sehr spannend. Wir können uns gar nicht vorstellen, was noch alles auf uns zukommen wird“, gibt der Bürgermeister zu. Er sieht den Einsatz des Gronigers auf der Raumstation als Image-Chance. Dem pflichtet auch Landrat Recktenwald bei: „Matthias Maurer ist ein toller Botschafter des St. Wendeler Landes.“ Das gelte es zu nutzen, um beispielsweise Touristen in die Region zu locken, aber auch um Kinder für die Wissenschaft zu begeistern.

Dieses Ziel hat sich auch der Astronaut gesetzt. „Ich will Schüler dazu bringen, dass sie sich für die technischen Fächer interessieren und diese später im Studium aufgreifen“, erklärt er. Gleichzeitig möchte er aber auch die Entscheidungsträger im Land dazu bewegen, mehr Gewichtung auf das Thema Weltraum zu legen. Das Saarland sei in den Bereichen Medizin und Informatik bereits sehr gut aufgestellt. Jetzt wäre es an der Zeit, auch das Thema Raumfahrt an die Universität zu bringen. „Ich hoffe, dass hier junge Unternehmen entstehen, die Technik liefern und Experimente herstellen können, die Astronauten eines Tages auf der ISS erforschen“, beschreibt Maurer.

Nach der kurzen Gesprächsrunde händigt Minister Bouillon dem Himmelsstürmer schließlich – stellvertretend für alle Vereine – das Trikot aus. „Ich glaube, wir können nicht beurteilen, wie viel Leistungsfähigkeit in Ihnen steckt. Was Sie alles wissen und können müssen – körperlich und geistig. Dafür meine Hochachtung. Ich denke, das ganze Saarland ist stolz darauf, dass Sie in den Weltraum fliegen“, sagt der Politiker. „Ich finde es klasse, dass so viele Menschen mitgemacht haben“, entgegnet der Astronaut. Er möchte das Kleidungsstück fernab der Erde tragen, um so ein Zeichen für soziales Engagement, Fairplay und Integration zu setzen. Sport sei nicht nur wichtig für die Gesundheit, sondern auch für die Gemeinschaft. „Um unsere Visionen zu verwirklichen, müssen wir zusammenarbeiten. Das gilt in der Raumfahrt und im Verein“, erklärt er.

 Der Momberg ist einer von Matthias Maurers Lieblingsplätzen. Der Ort haben ihn schon immer inspiriert und zum Träumen gebracht.
Der Momberg ist einer von Matthias Maurers Lieblingsplätzen. Der Ort haben ihn schon immer inspiriert und zum Träumen gebracht. Foto: Sarah Konrad
 Empfang vorm Rathaus in Oberthal: Das erste Mal seit sieben Monaten schaut ESA-Astronaut Matthias Maurer (links) in seiner Heimat vorbei.
Empfang vorm Rathaus in Oberthal: Das erste Mal seit sieben Monaten schaut ESA-Astronaut Matthias Maurer (links) in seiner Heimat vorbei. Foto: Sarah Konrad
 Matthias Maurer vor der Donatuskapelle in Gronig. Drei Tage verbringt der ESA-Astronaut im Saarland, um Freunde und Familie zu besuchen.
Matthias Maurer vor der Donatuskapelle in Gronig. Drei Tage verbringt der ESA-Astronaut im Saarland, um Freunde und Familie zu besuchen. Foto: Sarah Konrad

Wegen seines vollen Terminkalenders hat Maurer momentan keine Zeit, in einem Sportclub zu trainieren. Stattdessen hält er sich mit Laufen, Schwimmen und Krafttraining in Form. Fit zu sein, ist in seinem Job ein Muss. Außerdem brauche er die Bewegung als Ausgleich, um nach einem anstrengenden Arbeitstag den Kopf frei zu bekommen. Neben dem Sport helfen ihm dabei aber auch seine Freunde und Familie. Mit ihnen möchte der Astronaut während seines Heimatbesuches daher jede Minute genießen. „Wir werden heute Abend zusammen schwenken“, erzählt er. Bereits am Montag fahre er dann wieder zurück nach Köln, am Donnerstag fliege er in die USA. Zeit ist eben kostbar. Vor allem im Leben eines Astronauten.