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Spendenaktion in der Gemeinde Oberthal: Elektrogeräte für Flutopfer

Spendenaktion in der Gemeinde Oberthal zugunsten der Flutopfer : Wenn ein Kühlschrank zu Tränen rührt

Timo Backes, Björn Gebauer und Michael Wilhelm sind ins Ahrtal gereist, um bei der Übergabe von 30 Elektrogeräten dabei zu sein. Diese wurden mit dem Erlös aus einer Spendenaktion für die Flutopfer im Ahrtal angeschafft. Viele berührende Eindrücke brachten sie mit nach Hause.

Ein kleines Mädchen betritt das Dorfgemeinschaftshaus in Gronig. Im Arm hält es einen Teddy. Es ist gekommen, um ihn abzugeben. „Andere Kinder brauchen den Teddy jetzt mehr als ich“, sagt die Kleine tapfer. Dieser Moment, der sich so im Juli, kurz nach der Flutkatastrophe im Ahrtal, zugetragen hat, ist Feuerwehrmann Michael Wilhelm im Gedächtnis geblieben.

„Wir waren voller Tatendrang, wollten unbedingt helfen“, blickt er zurück. Daher wurde kurzer Hand das Dorfgemeinschaftshaus zur Sammelstelle für Sachspenden umfunktioniert. Die Resonanz aus der Bevölkerung übertraf alle Erwartungen. Zwei Stunden nach Start der Aktion musste sie auch schon wieder beendet werden. Kistenweise stapelten sich die Spenden. Zwischenzeitlich, so erinnert sich Wilhelm, musste die Polizei eingreifen. „Es bildete sich eine Autoschlange bis nach Bliesen.“ Tage später trudelten Pakete von überall in Deutschland in Gronig ein. „Solch eine Tragweite hatten wir nicht erwartet.“

 Die Häuser sind noch gezeichnet vor der Flut. An vielen Fassaden ist abzulesen, wie hoch das Wasser stand.
Die Häuser sind noch gezeichnet vor der Flut. An vielen Fassaden ist abzulesen, wie hoch das Wasser stand. Foto: Timo Backes

Zu diesem Zeitpunkt waren auch die zentralen Anlaufstellen für Sachspenden bereits überlaufen. Was also tun? Über soziale Medien entstand der Kontakt zu dem Verein Oberzissen Hilft. Gemeinsam mit dessen Team wurde gezielt abgesprochen, was die Menschen in den Flutgebieten am meisten brauchten. Anfangs seien dies Stiefel, Schuhe und Schaufeln gewesen. „Die Kleidung, die kubikmeterweise bei uns eingegangen war, haben wir an bekannte Hilfsorganisationen und den Förderverein Kleine Hände in St. Wendel weitergegeben“, berichtet Wilhelm.

Noch während die Sachspenden eingingen, dachte der Güdesweiler Ortsvorsteher Timo Backes an das  Danach. Mit einem ersten Schwung an Unterstützung würde es nicht getan sein. Die Betroffenen brauchten auch in der Folge Hilfe. Daher richtete er ein Paypal-Sammelkonto ein und machte in einem sozialen Netzwerk darauf aufmerksam. „Kaum war der Post veröffentlicht, liefen die ersten Spenden ein“, sagt Backes. Am Ende summierten sich die Einzelbeträge auf 7865 Euro. „Eine schöne Summe“, findet Michael Wilhelm.

Und diese wurde in mehr als 30 Elektrogeräte wie Trockner und Waschmaschinen investiert. „Da der Kontakt zu dem Team von Oberzissen Hilft weiterhin besteht, haben wir uns bei dem Verein informiert, was konkret gebraucht wird“, erläutert Backes. Diese Wunschliste wurde im Großhandel geordert und nun war der Moment gekommen, um die Spenden zu übergeben. Neben Timo Backes und Michael Wilhelm fuhr auch der Groniger Ortsvorsteher Björn Gebauer mit in Richtung Ahrtal. Kein alltäglicher Vor-Ort-Termin. Den drei Männern ist bei den vielen, teils sehr emotionalen Eindrücken, vor allem auch das Gespräch mit einer jungen Frau in Erinnerung geblieben. Sie ist mit ihrer Familie zu ihren Eltern gezogen, lebe jetzt quasi wieder in ihrem Kinderzimmer. „Es sind Tränen geflossen, als sie erzählte. Das war schon sehr berührend“, schildert Gebauer. Sie bekam einen neuen Kühlschrank, für den sie sich herzlich bedankte. „Es ist ein erfüllendes Gefühl zu helfen“, sagt Feuerwehrmann Wilhelm.

Während der Fahrt in Richtung Bad Neuenahr-Ahrweiler spulten sich wieder die Bilder im Kopf ab, die Mitte Juli die Nachrichtenlage prägten: weggespülte Häuser, Straßen voller Schlamm und Geröll, Unmengen an Wasser. Timo Backes empfand die aktuelle Situation noch immer als beklemmend. Da sind auf der einen Seite Bereiche, in denen alles  wie immer wirkt, und ein paar Meter weiter erinnern Schlammspuren an den Gebäudefassaden an die Katastrophe. Im Erdgeschoss gleichen viele Häuser einem Rohbau.

Kaum war das Wasser zurückgegangen, starteten die Aufräumarbeiten in den betroffenen Gebieten. Das ist nun mehr als vier Monate her. „Langsam geht den Menschen die Kraft aus“, sagt Wilhelm. In Gesprächen mit Feuerwehrleuten ist Björn Gebauer bewusst geworden, dass viele körperlich und seelisch fertig sind. In der nächsten Zeit werden vor allem Fachkräfte gebraucht, sagt Wilhelm. Doch die fehlen, wie überall. Auch steigende Kosten für Baustoffe erschweren den Aufbau in den Unglücksregionen.

Das Trio aus der Gemeinde Oberthal ist froh um den guten Kontakt, der zu dem Verein Oberzissen Hilft entstanden ist. Sie wollen mit dem Team in Verbindung bleiben. Vielleicht, so Gebauer, können sie nochmal helfen. Allein für die Moral der Menschen in den Flutgebieten sei es wichtig, zu wissen, dass sie nicht alleine sind.

Beeindruckt von den Bildern vor Ort hofft auch Timo Backes, dass die Unterstützung für die Betroffenen nicht abbricht und noch viele Menschen helfen werden.