1. Saarland
  2. St. Wendel

Pflegestützpunkt St. Wendel ist Teil im Hospiz- und Palliativnetzwerk

Rund um das Thema Pflege : Die richtige Hilfe zum rechten Zeitpunkt

Wie der Pflegestützpunkt im Landkreis St. Wendel, Teil des Hospiz- und Palliativnetzwerks, bei allen Fragen rund um das Thema Pflege berät und hilft.

Im Landkreis St. Wendel ging es im März 2008 los. Als Bundes-Modellprojekt wurde ein sogenannter Pflegestützpunkt mit dem Auftrag ins Leben gerufen, den Menschen im St. Wendeler Land mit kompetenter Beratung und Hilfe rund um das Thema Pflege zur Seite zu stehen. Seit 1. Januar 2009 ist aus dem Modell die Erfüllung eines gesetzlichen Auftrags geworden. „Alle Menschen, die in der gesetzlichen Pflegeversicherung versichert sind, haben seither einen Rechtsanspruch auf die sogenannte Pflegeberatung“, berichtet Thomas Krampe, der beim Pflegestützpunkt des Landkreises überwiegend für das Wohl der Menschen in der Kreisstadt zuständig ist.

Insgesamt fünf Pflegeberater beschäftigt der Stützpunkt, die den Landkreis in Bezirke ein- und diese wiederum unter sich aufgeteilt haben. Die Berater kommen aus unterschiedlichen Berufsgruppen: drei kommen aus der Gesundheits- und Krankenpflege, zwei aus der Sozialarbeit. „Wir beraten uns wenn notwendig im Team. Wenn es zum Beispiel um Dekubitus-Versorgung geht – ich bin Sozialarbeiterin, ich kann mir da überhaupt kein Urteil anmaßen. Aber ich habe dann Menschen an meiner Seite, die helfen können.“ „Durch die unterschiedlichen Professionen sind wir da gut aufgestellt“, erklärt Pflege-Beraterin Judith Lermen.

„Wir sind die Anlaufstelle für Pflegebedürftige und deren Angehörige, wenn es um das Thema Pflege geht. Dazu zählen die Pflege selbst, Pflegehilfsmittel, Leistungen der Pflegeversicherung. Wir erklären, wo es welche Hilfsangebote gibt und wer bei der Antragstellung hilft“, berichtet Krampe. Der Pflegestützpunkt informiere über aktuelle Versorgungsangebote in der Region, beispielsweise Mahlzeitendienste, Fahrdienste, ehrenamtliche Besuchsdienste und dergleichen mehr. „Darüber hinaus kümmern wir uns auch um das Thema Schwerbehindertenrecht.“ Dazu zähle beispielsweise das Beantragen der Anerkennung einer Schwerbehinderung, erklärt Krampe. „Das sind quasi unsere Grundaufgaben.“

Der Kontakt zum Pflegestützpunkt kann über verschiedene Kanäle aufgenommen werden. „In der Regel laufen alle Kanäle bei unserer Verwaltungsangestellten Liane Angel zusammen, die die Fälle an den richtigen Ansprechpartner für den jeweiligen Bezirk weitergibt.“ Den Pflegestützpunkt kontaktieren die Betroffenen oftmals selbst, manchmal sind es aber auch Angehörige oder Nachbarn. „Aber auch das Gesundheitsamt oder die Polizei oder die Betreuungsbehörde wendet sich mit besonderen Fällen an uns. Wir nehmen dann den Kontakt zu den Betroffenen auf, führen ein Erstgespräch und versuchen festzustellen, um was es in dem jeweiligen Fall geht: Gibt es einen Hilfebedarf, liegt Pflegebedürftigkeit vor, sind Leistungen bei der Pflegeversicherung zu beantragen und all solche Dinge“, berichtet Krampe.

Der Pflegestützpunkt ist darüber hinaus Teil des Hospiz- und Palliativnetzwerks im Landkreis St. Wendel. „Wenngleich das insgesamt betrachtet bei uns eher eine kleine Gruppe ist, die eine palliative Versorgung benötigt (. . .). Das können Patienten mit Multipler Sklerose sein, Menschen mit der Lungenkrankheit COPD in einem fortgeschrittenen Stadium, Menschen mit ALS (Eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems, Anm. der Red), mit Krebs oder anderen schweren Krankheiten“, berichtet Stützpunkt-Mitarbeiterin Sabine Fuchs.

„Wir erleben die Menschen oft in einem relativ frühen Stadium ihrer Erkrankung und in den verschiedenen Phasen, da sie sich immer wieder an den Pflegestützpunkt wenden, wenn Versorgungsfragen auftreten oder Hilfeleistungen neu geplant werden müssen – also immer dann, wenn sich der Hilfebedarf konkret verändert.“ Fuchs spricht von einem besonderen Vertrauensverhältnis, das sich so über Jahre aufbaue und es „in einer finalen Phase“ einfacher mache, die jeweils notwendigen Schritte einzuleiten. „Die Angehörigen oder auch die Pflegebedürftigen selbst wissen, dass sie jederzeit anrufen können.“

Es gibt aber auch Fälle, wo bei einem Menschen, der zuvor keinen Kontakt zum Pflegestützpunkt hatte, ganz kurzfristig und überraschend eine schwere Krankheit im finalen Stadium diagnostiziert wird. „Und wenn so jemand dann aus der Klinik entlassen wird, muss sehr, sehr schnell ein Hausbesuch gemacht werden, um die medizinische und die pflegerische Versorgung zu planen, Hilfsmittel müssen organisiert werden. Und vor allem muss die ganze Pflege ja auch noch finanziert werden“, berichtet Fuchs. Dafür müssen sehr zeitnah Anträge gestellt werden. „Auch eine Finanzierung der Pflege übers Sozialamt muss unter Umständen beantragt werden, wenn die Leistungen der Pflegeversicherung nicht ausreichen“, ergänzt Krampe. „Dann arbeiten wir sehr eng mit dem Sozialamt zusammen.“

Enger Kontakt untereinander sei es auch, was das Hospiz- und Palliativnetzwerk auszeichne. Dieser helfe, die jeweilige Überleitung von einem Netzwerk-Partner zum anderen gemeinsam gut hinzukriegen. „Wir können als Pflegestützpunkt gemeinsam mit der Hospizhilfe oder der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) jeden weiter begleiten. Wir hatten alle auch schon Patienten, die wir noch begleitet haben, als sie bereits im stationären Hospiz waren“, berichtet Fuchs. Dann ging es zuvorderst aber nicht mehr darum, Dinge für den Betroffenen oder seine Angehörigen zu regeln, „sondern um das Menschsein“, wie Stützpunkt-Mitarbeiterin Lermen unterstreicht, „dass man den Menschen, den man lange begleitet hat, in der Endphase nicht alleine lassen möchte“.

„Im ambulanten Bereich steht ja bei uns allen das Ziel an oberster Stelle, dass die Menschen, die diesen Wunsch haben, so lange wie möglich in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung bleiben können. Dabei hilft das SAPV-Team, das auf die Symptom- und Schmerzbehandlung spezialisiert ist, und darüber hinaus die ambulante hospizliche Begleitung“, sagt Krampe.

Das alles umkrempelnde Coronavirus hat auch beim Pflegestützpunkt die Arbeit verändert. So konnten längere Zeit überhaupt keine Außensprechstunden angeboten werden – inzwischen gibt es diese wieder regelmäßig. Überhaupt wurde in der Corona-Hochphase fast ausschließlich telefonisch beraten, Hausbesuche, normalerweise das tägliche Brot, waren eher die Ausnahme. Doch nun gehe es endlich wieder raus zu den Menschen, damit diese, wie es in einem Flyer heißt, die richtige Hilfe zum rechten Zeitpunkt kompetent und verlässlich erhalten. Und damit sie möglichst lange in der eigenen Wohnung gut versorgt leben können – besonders in der letzten Phase ihres irdischen Daseins.