1. Saarland
  2. St. Wendel

Saar-Friseure kämpfen mit Corona-Nachwehen – und äußern Befürchtung für Herbst

Saarland : Saar-Friseure kämpfen mit Corona-Nachwehen – und äußern Befürchtung für Oktober

Die Auslastung wie in den Zeiten vor der Pandemie sei noch nicht erreicht. Warum sich Menschen mit dem Friseurbesuch zurückhalten – dafür gibt es nach Ansicht der Salonbetreiber verschiedene Gründe.

Im Juni hat Werner Lieb, einer der geschäftsführenden Gesellschafter des Coiffeur-Team Lieb, das mehrere Friseursalons an den Standorten in St. Wendel, Winterbach, Neunkirchen, St. Ingbert und Saarbrücken betreibt, die sofortige Abschaffung der Testpflicht für Friseurbesuche gefordert. In einem Schreiben an die Landesregierung hat Lieb deutlich gemacht, dass die Kundenzahlen durch die Testpflicht merklich gesunken sind.

Denn längst, so Lieb, seien nicht alle Kunden bereit, sich vor einem Friseurbesuch testen zu lassen. Das Ausbleiben der Kundschaft habe zu schweren Umsatzverlusten geführt. Damals ist er von 20 Prozent Rückgängen ausgegangen, die mit den Corona-Hilfen nicht ausgeglichen werden können. Wie sieht es nun nach dem Wegfall der Testpflicht bei den Friseurbetrieben aus? Die SZ hat nachgefragt.

„Ohne Test läuft es besser, wir haben dadurch deutlich mehr Kundenbedienungen“, berichtet Benjamin Lieb, Geschäftsführer beim Coiffeur-Team Lieb. Doch gleich ergänzt er, dass die Kundenfrequenz noch nicht auf Vor-Corona-Niveau sei. „Es fallen ja immer noch viele Festlichkeiten und Veranstaltungen aus. So ziehen die Kunden länger ihre Termine. Waren es zuvor etwa vier Wochen, sind es nun sechs Wochen bis zum nächsten Friseurtermin“, sagt Lieb. Aktuell spricht er von einem leichten Aufwärtstrend. „Wir haben coronabedingt keinen Mitarbeiter entlassen müssen. Aber an den erlittenen Einbußen werden wir noch ein paar Jahre bezahlen müssen“, stöhnt Lieb.

Doch wer weder geimpft noch genesen ist, muss sich weiterhin testen lassen, und ab Oktober müssen die Tests bezahlt werden. „Das könnte dann auch für uns ein Problem darstellen. Wenn die Tests bezahlt werden sollen, dann werden sich die Leute dreimal überlegen, zum Friseur zu gehen“, blickt er voraus. Lieb hofft, dass keine Testpflicht mehr das Geschäft bremst und sich auf der anderen Seite so viele Menschen wie möglich impfen lassen. Auch der Marpinger Salon von Petra und Joachim Leist verzeichnet nach dem Wegfall der Testpflicht einen Aufwärtstrend. „Seit zwei Monaten läuft es besser“, vermeldet Petra Leist. Allerdings habe es Einbußen im Herrensalon gegeben.

„Die Männer haben sich nicht so gerne testen lassen wie die Frauen“, sagt Friseurin Leist. Den Marpinger Salon besuchen viele Geimpften, weiß sie. „Wir haben keine Kunden verloren, sie sind uns treu geblieben“, freut sich Leist. Wegen der Urlaubszeit ordnet den Urexweiler Friseur die momentane Kundenfrequenz als „mäßig“ ein. „Wenn es so weiterläuft, bin ich zufrieden“, meint René Voborsky, der in St. Wendel einen Barber Shop und einen Damensalon betreibt.

Er findet, dass durch das Zusammenspiel von Einzelhandel, Gastronomie, den Dienstleistern und Veranstaltungen wieder ein gutes Stück Normalität in die Kreisstadt zurückgekehrt ist. „Dadurch kommen doch mehr Menschen in die Stadt und verbinden zum Beispiel einen Besuch beim Barber mit dem anschließenden Aufenthalt in der Außengastronomie und das ist doch schön“, freut sich Voborsky. Aber nicht unbesorgt blickt er auf die nun wieder steigenden Inzidenzzahlen. „Ich gehe mal davon aus, dass eventuell neue Einschränkungen kommen könnten, aber einen Lockdown wird es nicht mehr geben“, blickt Voborsky nach vorne.

Doch in dem Kuseler Salon des Familienunternehmens gelten seit Montag, 23. August, dagegen schon wieder andere Regeln. Im benachbarten Rheinland-Pfalz gilt die Testpflicht für Menschen, die nicht geimpft oder genesen sind, wenn die Inzidenz den Wert von 35 übersteigt. Wer seit Montag ins Restaurant, zu Kulturveranstaltungen oder zum Friseur gehen will, braucht einen negativen Corona-Test. Das gilt auch für Besuche in Krankenhäusern oder in Alten- und Pflegeheimen.