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BC St Wendel ist Tabellenführer in der Billard-Bundesliga

Billard-Bundesliga : Und plötzlich an der Spitze der Bundesliga

Es war spannender als jeder Krimi: Die Billard-Spieler des BC St. Wendel besiegten am Wochenende die Top-Teams aus Magdeburg und Berlin – und sind nun erstmals in der Vereinsgeschichte Tabellenführer der Dreiband-Bundesliga.

Atemlose Stille im St. Wendeler Spiellokal „Billard für alle“. Die Nerven der Queue-Künstler am Tisch und die der Betrachter sind zum Zerreißen gespannt. 2:2 lautet der Zwischenstand in der hochklassigen Begegnung in der Dreiband-Bundesliga zwischen dem BC St. Wendel und dem BC International Berlin. Und es laufen zwei unfassbar dramatische Partien: Der Franzose Jérôme Barbeillon machte gerade einen Sieben-Punkte-Rückstand auf den Berliner Nikos Polychronopoulos wett. Nebenan am Tisch führt St. Wendels Topstar Dick Jaspers gegen Martin Horn, der immer dichter an den Niederländer heranrückt.

Zurück zu Barbeillon. Der vergibt zunächst vier Matchbälle, ehe er den 50. Punkt erzielt. Aber der Grieche Polychronopoulos schafft im Nachstoß auch den 50. Punkt – und damit ein Remis. Aktuell steht der Krimi zwischen St. Wendel und dem Hauptstadt-Club damit 3:3.

Rüber zum Herzschlagfinale mit Jaspers: Dem 55-jährigen Weltranglisten-Ersten gelingt eine Serie von neun Punkten. Und so setzt er sich mit 45:41 leicht von seinem Gegner ab. In der 26 Aufnahme erzielte Jaspers den 50. Punkt. Hinsetzen und abwarten heißt es nun. 44 Zähler hat Kontrahent Horn auf dem Konto, als er zum Nachstoß an den Tisch schreitet. Und der Berliner holt Punkt um Punkt bis zum 49:50 auf. Beim Nachstoß Nummer sechs aber verfehlt Horns Spielball hauchdünn sein Ziel. Jubel im Spiellokal, die BC-Akteure feierten einen hauchdünnen 5:3-Heimsieg und die Verteidigung der Tabellenführung in der Bundesliga.

„Wir haben das Maximale erreicht – und das ist ganz toll für die Mannschaft. Aber ich muss auch sagen, dass Martin großartig gespielt hat und einen Punkt verdient gehabt hätte“, sagt Jaspers. Auch Barbeillon zeigt sich sichtlich erleichtert. „Es war ein fantastisches Wochenende für mich“, freute sich der Franzose. Und BC-Manager Rainer Selgrath kann den Erfolg noch gar nicht richtig fassen. „Was ich hier an Nerven lasse, ein Millimeter hier, ein Millimeter da – das ist doch kaum noch auszuhalten“, meint er.

Tags zuvor hatten die BC-Akteure den bislang unbesiegten Tabellenführer 1. BC Magdeburg sensationell mit 6:2 geschlagen und sich damit auf den Thron der Elite-Spielklasse gehievt. Daniel Schwerdtfeger fegte zum Auftakt den Magdeburger Ersatzmann Uwe Werner mit 50:17 regelrecht vom Tisch. „Es gibt Spiele, da läuft es einfach“, sagte Schwerdtfeger nach der Partie. Dagegen lief das Spiel des an Knieproblemen laborierenden Lutz Schwab gegen den Magdeburger Markus Schönhoff bis zum Zwischenstand von 43:43 völlig ausgeglichen. „Das Problem war: Ich konnte die Knieprobleme nicht ausblenden – und darunter leidet dann die Konzentration“, erläuterte Schwab, der nach 46 Aufnahmen mit 43:50 den Kürzeren zog. Barbeillon legte einen überzeugenden Auftritt beim 50:34-Erfolg über Ömer Karakut hin – damit führte das Team mit 4:2. Nun lag alles an Jaspers, der von 2011 bis 2020 für Gegner Magdeburg im Einsatz war. Und er spielte auf absolutem Weltklasse-Niveau, lag nach sieben Aufnahmen mit 37:8 gegen seinen ehemaligen Mannschaftskameraden Dion Nelin vorne – und gewann die Partie mit 50:27.

„Dass wir in der Bundesliga einmal auf Platz eins stehen, ist eigentlich kaum zu glauben“, sagte Selgrath verwundert. Nach sechs absolvierten Spieltagen hat der BC St. Wendel 13 Zähler auf dem Konto – und führt die Tabelle vor dem BCC Witten und dem 1. BC Magdeburg (jeweils zwölf Zähler) an. Dahinter folgen das Billard-Center Weywiesen und der BC International Berlin (jeweils neun Punkte).

Am Samstag, 18. Dezember, steigt in St. Wendel das Saar-Derby gegen den BC Elversberg, der aktuell mit neun Punkten den sechsten Tabellenplatz belegt.