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Billard-Bundesliga: BC St Wendel empfängt BC Elversberg zum Saar-Derby

Billard : „Dick macht, was sich sonst keiner traut“

Wenn der BC St. Wendel diesen Samstag in der 1. Bundesliga den BC Elversberg zum Derby an die Billardtische bittet, ist die ehemals etablierte Hackordnung vertauscht. Nicht der siebenfache deutsche Meister aus Elversberg ist Favorit.

Mitgefiebert und die Daumen gedrückt hat Daniel Schwerdtfeger am vergangenen Wochenende, als sein St. Wendeler Mannschaftskamerad Dick Jaspers in Ägypten zum fünften Mal Weltmeister in der Billard-Disziplin Dreiband geworden ist. Dank Youtube-Kanal war Schwerdtfeger hautnah dabei.

  Daniel Schwerdtfeger ist Teamkollege von Jaspers. Er lernte den Ausnahmekönner bereits vor gut zehn Jahren kennen – und bewundert dessen Können.
Daniel Schwerdtfeger ist Teamkollege von Jaspers. Er lernte den Ausnahmekönner bereits vor gut zehn Jahren kennen – und bewundert dessen Können. Foto: B&K/Bonenberger / B&K

Nun steht für beide ein weiterer Höhepunkt an. An diesem Samstag ab 14 Uhr treffen Schwerdtfeger und Jaspers mit dem BC St. Wendel im Saar-Derby der Bundesliga auf den siebenmaligen deutschen Meister BC Elversberg. Mit 13 Punkten ist der BC St. Wendel derzeit Tabellenführer der Dreiband-Bundesliga. „Daran hätte ich vor der Saison nicht zu glauben gewagt“, meint Schwerdtfeger. Doch mit dem an Nummer eins spielenden niederländischen Neuzugang und Topstar Jaspers sorgen die Billardspieler aus der Kreisstadt bislang für Furore in der Eliteliga. „Was Dick unter Druck abliefert, ist einfach unglaublich“, schwärmt Schwerdtfeger.

Aber wo liegt der Unterschied zwischen dem weltbesten Dreiband-Queuekünstler Jaspers und dem Bundesliga-Spieler aus dem Saarland? „Er hat viel mehr Erfahrung. Dick hat auch für die schwierigen Situationen immer eine Lösung. Er spielt dann auch spektakuläre Bälle, die sich sonst niemand zu spielen traut“, hat Schwerdtfeger festgestellt.

Ein weiterer, aber entscheidender Unterschied sei, dass er, Schwerdtfeger, seine Sportart als Amateur ausübe und der Profi Jaspers damit sein Geld verdient. „Ich arbeite jeden Tag bis 18 Uhr, erst anschließend kann ich dann trainieren“, erläutert der Fachangestellte in einer Rechtsanwaltskanzlei.

Dennoch spielt auch Schwerdtfeger schon lange. Den kleinen Daniel hat sein Papa, seinerzeit Vorsitzender der Billardfreunde St. Arnual, damals mit ins Spiellokal genommen. „Ich bin auf dem Billardtisch rumgekrabbelt und habe mit der Queuespitze gegen den Ball gestoßen“, erinnert er sich. In der Disziplin Pool spielte er später in der Bundesliga und nahm an der Junioren-Weltmeisterschaft teil. Vor mehr als zehn Jahren erfuhr er dann von einem Karambol-Lehrgang, den Weltmeister Jaspers im St. Wendeler Billard-Bistro-Bogart’s anbot. „Ich habe mich angemeldet, und es war sehr interessant. Wir haben viel über die Stöße diskutiert und philosophiert. Seine Lösungen waren dann effektiver“, erinnert er sich.

Mit Jaspers ist nun auch mehr Professionalität beim BC St. Wendel eingekehrt. Am Freitagnachmittag hat sich das Queue-Quartett im Spiellokal „Billard für alle“ zum gemeinschaftlichen Abschlusstraining vor dem Derby gegen den Liga-Sechsten Elversberg (neun Punkte) getroffen. „Es ist das wichtigste Spiel des Jahres“, hebt Schwerdtfeger den Stellenwert der Partie hervor. Vor zwei Jahren hatten die St. Wendeler das Derby mit 5:3 für sich entschieden und Schwerdtfeger seinen Kontrahenten Volker Marx mit 40:27 besiegt. „Es ist unheimlich wichtig, dass Lutz Schwab und ich unsere Spiele gewinnen, damit üben wir vor den beiden anschließenden Partien großen Druck auf den Gegner aus“, weiß der 39-Jährige. Er wird erneut auf Marx treffen; Lutz Schwab, einst selbst beim BC Elversberg aktiv, setzt sich mit seinem Freund Klaus-Bernhard Bosel auseinander. Jérôme Barbeillon bekommt es mit Murat Naci Coklu zu tun, der mit 47:50 im WM-Endspiel Jaspers unterlegen war. Der Niederländer spielt gegen den Spanier und WM-Viertelfinalisten Ruben Legazpi.