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Billard-Legende Dick Jaspers spielt Bundesliga für St. Wendel

Billard : Mehr Weltklasse am Tisch geht nicht

Der Weltranglisten-Erste, amtierende Weltmeister und Weltrekord-Halter Dick Jaspers spielt in der neuen Saison für Bundesligist BC St. Wendel.

In St. Wendel kennt sich Dick Jaspers aus. Im Spiellokal „Billard für alle“ blickt der Weltklasse-Spieler zur Wand und entdeckt ein Bild mit seiner Krönung zum Dreiband-Europameister im Saalbau aus dem Jahr 2010. „Es war eine tolle Atmosphäre und für mich fantastisch, hier gewonnen zu haben“, erinnert sich der Niederländer. Vor Freude strahlend über das Wiedersehen geht Peter Pazen, Vorsitzender des BC St. Wendel, auf den 56 Jahre alten Ausnahmeakteur im Billardsport zu. „Dick, du hast dich überhaupt nicht verändert“, begrüßt ihn Pazen. Allerdings sportlich verändert hat sich Jaspers schon. Ab September wird der Weltranglisten-Erste für den BC St. Wendel in der Billard-Bundesliga spielen (wir berichteten).

„Für uns und die gesamte Billard-Szene im Saarland ist das eine Sensation“, sagt BC-Manager Rainer Selgrath über die Neuverpflichtung. „Von St. Wendel hat es vor einigen Jahren schon einmal Interesse gegeben“, berichtet Jaspers. Der 56-Jährige ist viermaliger Weltmeister im Dreiband-Billard, noch dazu der amtierende. Er ist Weltrekord-Halter. Und er ist mit Abstand Weltranglisten-Erster. Kurzum: Er ist ein Weltstar seiner Sportart.

Einen Tag vor seiner Stippvisite in die Kreisstadt ist die Quarantäne des Billard-Profis abgelaufen, nachdem er ein World-Grand-Prix-Turnier in Korea erfolgreich beendet und 74 000 Euro Preisgeld abgeräumt hat. „Mit 22 Partien war es das bislang längste Turnier, das ich je gespielt habe“, berichtet Jaspers. Neben den Turnieren sei es für ihn auch wichtig, einen Verein gefunden zu haben, um weiterhin in der Bundesliga spielen zu können. Zehn Jahre ist Jaspers für den 1. BC Magdeburg angetreten, zur corona-bedingt abgebrochenen Spielrunde 2020/2021 war er zum BC Stuttgart gewechselt. „Mit Ehrgeiz und Leidenschaft für den Sport überhaupt ist Billard zu meinem Beruf geworden“, erklärt Jaspers. Und als Profi müsse er Geld mit der Sportart verdienen, die trotzdem immer sein Hobby bleiben werde.

Am Billard-Tisch im Café seiner Oma in Sint Willebrord nahe der niederländischen Stadt Breda hat er das Spiel mit Queue und Kugeln gelernt. Als Zwölfjähriger spielte Jaspers für sein Heimatland beim Ländervergleich mit Belgien und Deutschland in Bexbach. „Wir sind mit dem Bus drei Stunden zu spät angekommen“, erzählt er schmunzelnd. Bis 1980 hat er als Jugendlicher in der „Freien Partie“ gespielt, ab 1983 begann er mit dem Dreiband – und die Erfolge stellen sich ein. In seiner Rückschau fallen lediglich 2012 und 2013 etwas aus dem Rahmen. „Da ist es nicht so gut gelaufen, in all den anderen Jahren habe ich meine Erfolge gehabt“, stellt Jaspers fest.

Die nötige Disziplin, konsequent zu trainieren, habe er von seinem Vater geerbt. „Ich muss nicht täglich trainieren, ich muss auch meine Ruhetage nehmen. Dabei bin ich ja auch mein eigener Trainer und Manager“, gewährt er einen Einblick in das Ein-Mann-Billard-Unternehmen Jaspers. Mehr als 30 Jahre sei er nun in der Sportart unterwegs. Seit 1986 als Profi. Er muss sein Engagement zwischen Meisterschaften, weltweiten Turnieren sowie Auftritten mit einem Team selektieren. „Die Corona-Zeit ist auch für mich eine spezielle Zeit, die ich akzeptieren muss“, sagt Jaspers. Jetzt werde er sich auf die Bundesliga-Saison konzentrieren. „Es geht ja auch darum, meine Qualität in St. Wendel zu zeigen. Und das stimuliert mich“, betont der Profi.

Aktuell sei vorgesehen, so BC-Manager Selgrath, dass der niederländische Top-Akteur an drei oder vier Spiel-Wochenenden für den Dreiband-Bundesligisten BC St. Wendel im Einsatz sein werde. Der startet am 25. und 26. September mit den Heimpartien gegen Xanten und Bottrop in die Saison.