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Demo gegen Erweiterung vom Steinbruch Oberlinxweiler

Demo in Oberlinxweiler : Gegner laufen Sturm gegen Steinbruch in St. Wendel

Die Bürgerinitiative hat gegen eine Erweiterung des Oberlinxweiler Steinbruchs demonstriert und die fehlende Kommunikation des Betreibers moniert. Daraufhin hört die SZ nach und erfährt von der Saar-Umweltbehörde, dass es fürs kommende Jahr bereits Pläne gibt.

Am Weltbodentag hat die Bürgerinitiative (BI) „Wir gegen die Erweiterung des Steinbruchs St. Wendel“ zu einer Demonstration am Steinbruch in Oberlinxweiler aufgerufen. Mehr als 30 Teilnehmer haben ein Zeichen für die Bedeutung der natürlichen Ressource Boden sowie für den Bodenschutz und gegen den möglichen Ausbau des Steinbruchs setzen wollen. Auf einer 9,3 Hektar großen Erweiterungsfläche hat der Betreiber, die Südwestdeutsche Hartsteinwerke, eine Zweigniederlassung der Basalt-Actien-Gesellschaft (BAG) mit Sitz in Kirn, im Oberlinxweiler Steinbruch Kernbohrungen machen lassen (wir berichteten). Grund für die Erweiterung ist, dass die genehmigten Dioritvorräte (Kuselit) des 22 Hektar großen Steinbruchgeländes aktuell noch eine Gewinnung für maximal vier Jahre sicherstellen.

BI-Sprecherin Uta Sullenberger befürchtet: „Bei einer Erweiterung des Steinbruchs wird der Bergkamm abgetragen und der Wald gerodet, darin leben 20 Tierarten, die unter Naturschutz stehen“. Die geplanten Maßnahmen der BAG müssten ihrer Meinung nach alle hinterfragt werden. „Es ergibt momentan ein diffuses Bild, was hier aktuell passiert, weil auch die Anwohner keine Informationen bekommen“, kritisiert Sullenberger die mangelnde Kommunikation der Betreiberseite.

Der Oberlinxweiler Naturschutzbeauftragte Stefan Gerhard ist überzeugt, dass bei einem Ausbau des Steinbruchgeländes im Umfeld der Lebensraum für die Tiere verloren gehe. „Es gibt auch Quellen im Wald und da habe ich schon etwas Angst, dass die dann keinen Bestand mehr haben. Wasser ist die Grundlage für alles“, betont der Naturschutzbeauftragte Gerhard.

BI-Sprecher Markus Klein hat im Mai auf Anfrage beim Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) die Information erhalten, dass noch kein Antrag auf Genehmigung einer weiteren Erschließung des Geländes vorliege. „Alle fünf Jahre gibt es mal was Neues. Wir werden wohl nicht um eine Klage gegen die Erweiterung des Steinbruchs herumkommen“, kündigt Sullenberger an.

Sören Bund-Becker ordnet die aktuelle Situation realistischer ein: „Wogegen sollen wir denn klagen? Es gibt keinen Antrag auf eine Genehmigung“, stellt er fest.

Doch was sagt der Steinbruchbetreiber und die Genehmigungsbehörde zum aktuellen Stand? Die SZ hat nachgefragt.

„Die Lagerstättenuntersuchungen sind zwischenzeitlich abgeschlossen. Diese hatten sich deutlich verzögert, da nach Auswertung einer ersten Kernbohrung eine zweite Kernbohrung notwendig geworden war. Zurzeit laufen Untersuchungen, ob vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse ein Genehmigungsverfahren überhaupt erfolgreich durchgeführt werden kann“, teilt die BAG schriftlich mit.

Konkreter äußert sich das LUA auf SZ-Anfrage zum Erweiterungsvorhaben des Steinbruchs: „Ein Genehmigungsantrag ist für das erste Quartal 2022 geplant, wobei hier noch das Zielabweichungsverfahren beim Innenministerium vorgeschaltet sein muss. Am 29. November 2021 hat ein Scoping-Termin (Bereichsermittlung, Anmerkung der Redaktion) mit Vertretern der Basalt AG und des LUA stattgefunden, bei dem der Untersuchungsrahmen für die einzureichenden Gutachten abgesteckt wurde“, informiert die Umweltbehörde schriftlich.

Der Verwaltung der Kreisstadt St. Wendel liegen zurzeit keine Anträge auf Erweiterung des Steinbruchs in Richtung Seienhof vor. „Dass wir bisher noch nicht in einer Bürgerversammlung informieren konnten, ist der pandemischen Situation geschuldet. Wir stehen weiterhin zu unserer Zusage aus der ersten Infoveranstaltung, bei einer weiteren öffentlichen Veranstaltung zu informieren, wenn die Situation es zulässt“, versichert Peter Dickmeis, der technische Leiter der BAG, in dem Schreiben.

Dazu sagt BI-Sprecherin Sullenberger: „Ich war mir immer sicher, dass da irgendetwas läuft, wovon wir nichts mitbekommen.“ Damit gemeint sind in erster Linie die Anwohner im steinbruchnahen Wohngebiet Hirschberg. „Mit einer Erweiterung des Steinbruchs geht uns Wohnqualität und der Erholungswert verloren, und zudem befindet sich das Marienkrankenhaus im nahen Umfeld“, gibt die Sprecherin zu bedenken.

 Das Genehmigungsverfahren für die Erweiterung des Steinbruchs in Oberlinxweiler ist für das erste Quartal im kommenden Jahr geplant.
Das Genehmigungsverfahren für die Erweiterung des Steinbruchs in Oberlinxweiler ist für das erste Quartal im kommenden Jahr geplant. Foto: Frank Faber

Parallel hat die Bürgerinitiative im April eine Online-Petition gegen die Erweiterung des Steinbruchs ins Netz gestellt. 432 Unterstützer (12. Dezember 2021) haben bislang das Gesuch unterzeichnet, die Unterschriftensammlung läuft noch drei Monate.