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Der Stadtrat von St. Wendel beantwortet am Donnerstag die Schul-Frage

Stadtrat entscheidet : Wo werden künftig die St. Wendeler Grundschul-Kinder unterrichtet?

Vier Varianten stehen zur Auswahl – nur eine wird gewinnen. Nach gut zwei Jahren soll nun die Entscheidung fallen: Wohin geht es mit der Nikolaus-Obertreis-Schule?

Es ist eine Frage von immenser Tragweite und die Antwort darauf die vielleicht wichtigste Entscheidung der laufenden Legislaturperiode: Wo werden künftig die St. Wendeler Grundschüler unterrichtet? An diesem Donnerstagabend werden sich die Mitglieder des St. Wendeler Stadtrates festlegen – in einer öffentlichen Präsenzsitzung ab 17 Uhr in der städtischen Sporthalle.

Außer Frage steht, dass in Sachen Grundschul-Standort etwas geschehen muss. Das aktuell genutzte Gebäude-Ensemble der Nikolaus-Obertreis-Schule (NOS) in der St. Wendeler Inenstadt (Julius-Bettinger-Straße) ist marode und der Investitionsbedarf erheblich, wollte man den Standort ertüchtigen. Dennoch ist das eine von vier Möglichkeiten, über die die Mitglieder des Gremiums befinden müssen. Die weiteren Optionen sind: Neubau der Grundschule an einem noch zu bestimmenden Standort. Sanierung und Erweiterung der St. Annenschule, die nach dem Wegzug der Wingertschule nach Neunkirchen aktuell leersteht. Vierte Variante: Die St. Wendeler Grundschule mit ihren derzeit 330 Schülern zieht auf den „Heiligen Berg“, in das – nach dem Aus für das Arnold-Janssen-Gymnasium (AJG) im vergangenen Jahr ebenfalls leerstehende – Missionshaus.

Die vier Standort-Alternativen wurden von einem Gutachter untersucht, beschlossen hatte diese Vorgehensweise der Stadtrat im März 2019. Im Frühsommer des vergangenen Jahres lagen die Untersuchungsergebnisse vor. Daraus entwickelte die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Saar eine Machbarkeitsstudie, die die Möglichkeiten und Kosten eines jeden Standorts auflistete.

Die ermittelten Kosten reichen von 20,783 Millionen Euro, um das ehemalige AJG herzurichten, bis zu 27,879 Millionen für den vollständigen Neubau der NOS. Der Investitionsbedarf, um die St. Annenschule entsprechend zu ertüchtigen, wird mit 25,067 Millionen Euro taxiert, die Sanierung am Standort mit 27,175 Euro.

Jeder Standort hat seine Vor- und Nachteile. Die werden je nach Parteizugehörigkeit unterschiedlich gewichtet. Unstrittig ist: Sollte die Wahl auf den jetzigen Standort fallen, könnte das Gelände im Herzen der Stadt nicht vermarktet und der Erlös nicht in die Finanzierung des Grundschulprojekts einfließen. Deshalb dürfte diese Variante die geringste Chance haben, verwirklicht zu werden.

Nicht auf einen Standort festgelegt hat sich die Schulkonferenz, die bei einem solchen Unterfangen gehört werden muss. Eltern und Lehrer-Kollegium legen allerdings Wert auf eine gute Verkehrsanbindung. Wichtig sei ein sicherer, räumlich abgeschlossener Schulhof sowie genügend Unterrichts- beziehungsweise Förderräume. Die Eltern wünschen sich unter anderem eine digital gut ausgestattete Schule in Zentrumsnähe. Die Lehrer legen beispielsweise Wert auf bauliche Aspekte und wollen keine Mitbenutzer im Gebäude und auf dem Schulhof.

Im Vorfeld bereits klar positioniert haben sich die Sozialdemokraten. Die größte Oppositionspartei im Stadtrat ist gegen das Missionshaus. Diesen Standort, das behaupten zumindest die Sozialdemokraten, würden Bürgermeister Peter Klär und der Beigeordnete Alexander Zeyer (beide CDU) bevorzugen. Das sei kein Geheimnis, ließ die SPD in einer entsprechenden Mitteilung Ende Januar wissen. Eine Darstellung, der Zeyer widersprach. In der selben Erklärung unterstellten die Sozialdemokraten jedenfalls Bürgermeister Klär und der CDU-Mehrheitsfraktion im Rat, nicht alle Zahlen zum Standort Missionshaus herauszurücken. Marc André Müller, schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, erklärte, dass die Zahlen „schöngerechnet und irreführend“ seien. Müller stellte zudem die langfristige Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Nachhaltigkeit infrage und warnte: „Hier könnten immense Mehrkosten entstehen, die heute noch nicht abzuschätzen sind.“ Daher düfte die SPD auch am Donnerstag für einen Neubau plädieren oder alternativ dafür, die St. Annenschule in Alsfassen zu ertüchtigen.

„Wir haben uns nach sorgfältiger Abwägung für die ehemalige St. Annenschule als neuen Standort ausgesprochen“, erklärt derweil Tilman Schön, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Er beklagt, dass sich die CDU in den beiden Ausschussitzungen zum Thema, die der Stadtratssitzung vorangingen, jeglicher Debatte verweigert habe. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sören Bund-Becker wertet dies als Affront: „Erst in der entscheidenden Sitzung Position und Argumente vorzubringen, ist eine Frechheit und weckt den Eindruck, dass die Öffentlichkeit bewusst bis zur Entscheidung von der Meinungsfindung ausgeschlossen werden soll. Es steht zu befürchten, dass die CDU das Missionshaus gegen alle – auch internen – Widerstände durchbringen will.“ Tilman Schön, selbst Lehrer an zwei saarländischen Grundschulen, sagt: „Das Gebäude und Gelände am Missionshaus ist für eine Grundschule nicht geeignet, zu groß, zu weitläufig, schlechte Raumaufteilung und weit von der Stadt entfernt.“ Moderne Grundschulkonzepte und eine zeitgemäße pädagogische Ausrichtung benötigten ganz andere Raumkonzepte, um Schüler zu fördern und ihrer Entwicklung gerecht zu werden. „Die ehemalige St. Annenschule hingegen ist vom Gebäudezuschnitt, dem Standort und den Entwicklungsmöglichkeiten ideal.“

Die Fraktion die Linke im Stadtrat ist für einen Neubau, „barrierefrei und auf dem modernsten Stand für Klassenräume“, wie deren Sprecher Joachim Zerfaß erklärt. Auch könnte der neue Standort ein Vorreiter sein als Schule, mit Trennwänden zwischen den Tischen gewappnet für künftige Pandemien und digital top ausgestattet. „Dadurch entstehen zwar Mehrkosten zu fast allen anderen möglichen Standorten, aber wie sich die Kosten der Unterhaltung in Zukunft entgegen dem Neubau entwickeln werden, ist ungewiss.“ Alternativ könne man sich die Nutzung der St. Annenschule vorstellen. „Allerdings ist die Verkehrssituation nicht optimal, mit der engen Zufahrt und der Parksituation.“ Das ehemalige AJG sei eine sehr gute Schule für angehenden Abbiturienten gewesen. „Für Grundschüler entspricht das nach unserer Auffassung (. . .) nicht mehr den Anforderungen an eine moderne Grundschule.“

Die CDU-Mehrheitsfraktion wollte auch gegenüber der SZ vorab nicht kommunizieren, wo der Zug hinfahren soll. Nach einem zweijährigen Diskussions- und Abwägungsprozess werde man während der Sitzung das Ergebnis mitteilen „und die Verwaltung der Stadt St. Wendel beauftragen, das weitere Verfahren und die weiteren Umsetzungsschritte in die Wege zu leiten“, heißt es auf SZ-Nachfrage.

Darüber hinaus erklärt Peter Schunath, Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion: „Am  Donnerstag werden wir nach zwei Jahren intensiver Überlegungen und Diskussionen unseren Vorschlag dem gesamten Stadtrat und vor allem den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt mitteilen und somit den Weg der NOS in eine bessere Zukunft zum Wohle unserer Kinder freimachen. Wir haben zwei Jahre intensiv gearbeitet und sowohl mit Vertretern der Schule, der Elternschaft sowie durch Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern versucht, einen Weg zu finden, von dem wir denken, dass er der Beste für die Zukunft der Schule sein wird.“