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Hochwasser: Notfallseelsorger aus St. Wendel waren in Ahrweiler

Notfallseelsorger aus St. Wendel schildern Eindrücke : Zwischen Zerstörung und beeindruckender Hilfsbereitschaft

Die Notfallseelsorger Tanja und Peter Munkes aus Urweiler berichten von ihrem zweitägigen Einsatz in Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Teile von Mobiliar, Schutt und Geröll stapeln sich dort, wo einst Straßen waren. Häuser sind plötzlich verschwunden. An den Fassaden derer, die noch stehen, markieren Schlammflecken den Stand des Hochwassers. Diese Bilder aus den betroffenen Katastrophengebieten erreichen die Menschen seit einigen Tagen. Sie schockieren und berühren. Doch wer unmittelbar vor Ort ist, dem bleibt noch weit mehr im Gedächtnis. „Das eine sind die Bilder, die wir aus dem Fernsehen kennen. Aber vor Ort spielen auch andere Eindrücke eine Rolle“, sagt Tanja Munkes. Beispielsweise die Gerüche. „Es riecht stark nach Öl“, beschreibt die 52-Jährige aus Urweiler. Aber am Nachhaltigsten seien die Erinnerungen an den Blick in die Gesichter jener Menschen, die alles verloren haben.

Zusammen mit ihrem Mann Peter Munkes hat sich die 52-Jährige am vergangenen Samstag auf den Weg nach Bad Neuenahr-Ahrweiler gemacht. Die beiden sind Notfallseelsorger. Seit 20 Jahren stehen sie Menschen und Mitgliedern von Hilfsorganisationen in  Ausnahmesituationen zur Seite.

Tanja Munkes erinnert sich noch an ihren ersten Gedanken nach der Ankunft: „So muss Krieg aussehen.“ Gemeinsam gingen die Notfallseelsorger durch die Straßen. Sie wollten da sein, Menschen die Gelegenheit geben zu reden, wenn ihnen danach war. Viele kamen auf die Ehrenamtler aus dem Landkreis St. Wendel zu. „Wo fängt man da an?, habe ich einen Mann beim Blick auf die Massen an Schutt und Schlamm gefragt“, erinnert sich Peter Munkes an eine Begegnung. „Keine Ahnung. Man fängt einfach an“, habe er geantwortet. Auch mit Hilfskräften saßen die beiden Notfallseelsorger zusammen.

Von der Polizei wurden sie zu einem Haus gebeten. Darin hatten Helfer einen als vermisst gemeldeten Mann gefunden. Er lebte nicht mehr und seine Frau sollte ihn identifizieren. Auch solch tragische Situationen gibt es immer wieder in den Katastrophengebieten. „Nach unserer Rückkehr haben wir einen Anruf von einem Helfer erhalten, der sich auf seinen Einsatz vorbereitete. Er hat mich gefragt: Wie können wir Menschen würdevoll bergen?“, erzählt Munkes. Diese Überlegungen im Vorfeld haben ihn beeindruckt.

Gleiches gilt für die Menschen in den Unglücksregionen. „Wir kamen, um zu helfen und haben wiederum Hilfe von jenen erfahren, die selbst nichts mehr haben“, sagt Munkes. Gleich nach ihrer Ankunft, sie hatten gerade den Wagen geparkt und wollten sich zu Fuß auf den Weg machen, begegneten sie einem Mann auf einem Fahrrad. Seine Kleidung war größtenteils mit Schlamm bedeckt. Er hielt an, sie kamen ins Gespräch. Dann fragte er: Haben sie ein Bett für die Nacht? Die beiden Notfallseelsorger schüttelten den Kopf. Sie hatten sich darauf vorbereitet, notfalls im Auto zu übernachten. Doch dieser fremde Mann bot ihnen sein Ferienhaus an. Es gebe zwar kein Wasser und keinen Strom, aber sonst sei es intakt. „Er sagte uns: Sie können es haben, solange sie es brauchen“, erinnert sich Tanja Munkes. Als sie am Abend auf der Terrasse des Ferienhauses saßen, rief plötzlich der Nachbar von nebenan rüber. Er habe noch drei Bier und könnte damit vorbeikommen.

Die Hilfsbereitschaft der Menschen und Wiedersehens-Szenen sind die schönen Eindrücke, die das Ehepaar Munkes mit nach Hause genommen hat. „Wir haben miterlebt, wie sich Menschen, die evakuiert worden waren und sich zwischenzeitlich an verschiedenen Orten aufhielten, wiedergefunden haben“, erzählt Peter Munkes.

Als die beiden nach zwei Tagen im Katastrophengebiet zurückkamen, wurden sie von ihren erwachsenen Kindern zuhause empfangen. „Ich brauche diesen Halt, um andere halten zu können“, sagt Peter Munkes.