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In St. Wendel hat sich eine Gruppe "Cleanup" gegründet

Aktionen in St. Wendel : Cleanup-Gruppe sammelt 300 Kilo Müll

Ehrenamtliche aus St. Wendel beseitigen Abfall im Umfeld der Windräder. Und das war nur der Anfang, die Gruppe hat noch mehr vor.

Ausgerüstet mit Handschuhen, Greifzangen, Müllsäcken und Warnwesten kommt Familie Gabriel aus Hoof an diesem Nachmittag am Panoramablick an den Windrädern an. Unterstützt werden Claudia, Oliver, Friederike, Jeremia und Jonas Gabriel bei ihrer Müllsammelaktion an der L 309 zwischen Leitersweiler und Oberkirchen von Lara Seibert, der Freundin von Jeremia, und Nico Gerhart, einem guten Freund des jüngsten Familienmitglieds Jonas.

Begonnen hat das Sammeln von Müll und Unrat bei regelmäßigen Spaziergängen: „Ich hatte immer einen Müllbeutel dabei, wenn ich auf Feld und Flur unterwegs war und habe aufgesammelt, was ich unterwegs so gefunden habe. Andere Familienmitglieder haben es genauso gemacht. Irgendwann wurde es dann so viel, dass es den normalen Müll über Gebühr belastet hätte, weshalb ich mich ans Umweltamt der Stadt St. Wendel gewandt und um Rat gefragt habe. Der Mitarbeiter Tim Recktenwald meldete uns beim Wertstoffhof an, sodass wir alles gebührenfrei abgeben konnten“, erzählt die 22-jährige Friederike Gabriel, die nach einer Ausbildung zur Chemielaborantin nun in Bingen Umweltschutz studiert und in Mainz bei der Jugend des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) aktiv ist.

Das Thema habe sie nicht mehr losgelassen, erzählt sie weiter, daher habe sie ein bisschen gegoogelt und sei dabei auf Projekte wie die Umweltpaten gestoßen, die sich für eine saubere Umwelt einsetzen. Leider seien diese aber im Saarland nicht aktiv. Auch hier stand Tim Recktenwald vom Umweltamt der Stadt St. Wendel mit Rat und Tat zur Seite: „Herr Recktenwald machte mich auf ‚Cleanup Saarland’ aufmerksam. Diese Information griff ich gerne auf und setzte mich mit Arno Meyer und Nicole Glücklich, den Gründern der Initiative, in Verbindung“, erläutert die Studentin. Arno Meyer habe vor drei Jahren „Illingen engagiert gegen Müll“ ins Leben gerufen. Nachdem er im Herbst 2019 mit Nicole Glücklich eine Gleichgesinnte kennengelernt habe, habe diese die Idee zur Internetplattform „Cleanup Saarland“ eingebracht. Inzwischen besteht das Netzwerk saarlandweit aus 17 regionalen Gruppen, die sich nicht nur der Müllsammlung, sondern beispielsweise auch der Vermeidung von Abfall und der Wiederverwendung von Kleidung und elektrischen Geräten verschrieben haben.

Seit März gehört das von Friederike Gabriel initiierte „Cleanup St. Wendel“ mit dazu: „Mittlerweile hat unsere Gruppe zwölf Mitglieder, die aus St. Wendel, Hoof, Eitzweiler, Werschweiler und Steinbach kommen. Aber durch die Plattform ‚Cleanup Saarland’ sind wir im Internet recht präsent, weshalb wir stetig wachsen“, sagt die 22-Jährige. Auch ihre Familie zieht voll mit und engagiert sich in der neu entstandenen Vereinigung. Nach Friederike Gabriels Erfahrung ist dies nicht ungewöhnlich: „Auf den Fotos der anderen regionalen Cleanups sieht man häufig ganze Familien beim Müllsammeln. Wenn die Eltern mitmachen, wird auch der Nachwuchs schon früh an die Materie herangeführt und für das Thema sensibilisiert.“

In Zeiten der Pandemie habe das zudem den positiven Nebeneffekt, dass man mit mehreren Leuten sammeln dürfe, da man dem gleichen Haushalt angehöre. Denn sonst könne man sich momentan nur bei Online-Treffen oder über Whatsapp-Gruppen austauschen und lediglich in sehr kleinen Verbänden vor Ort tätig werden. Die Aktion bei den Windrädern ist die nunmehr vierte von „Cleanup St. Wendel“, zuvor hat man schon die Feldwege rund um Hoof und den Bereich um die Glascontainer am Globus Getränkemarkt von Unrat befreit.

Friederikes Mutter Claudia Gabriel berichtet von der dritten Müllsammlung der Gruppe zwischen Urweiler und Leitersweiler: „Während mein Mann Oliver an der L 309 gesammelt hat, war ich im nahe gelegenen Waldstück unterwegs und habe dabei einen 120-Liter-Müllbeutel und eine große Einkaufstasche ausschließlich mit Glasabfällen gefüllt. Es ist erschreckend und traurig zu sehen, wie manche Menschen mit der Umwelt umgehen.“

In ihrer Familie wird der Schutz der Natur großgeschrieben. Claudia Gabriels 20-jähriger Sohn Jeremia und seine Freundin, die 17-jährige Lara aus Eitzweiler, die „Fridays for Future“-Ortsgruppe St. Wendel und auch der zehnjährige Jonas helfen gerne mit, an diesem Tag unterstützt von seinem ebenfalls zehn Jahre alten Freund Nico.

Wie Friederike Gabriel berichtet, arbeiten alle ehrenamtlich, man stelle das benötigte Material wie Abfallsäcke und Handschuhe selbst, lediglich die Müllgreifer, die verwendet würden, seien eine Spende des saarländischen Umweltministeriums gewesen. Bei den bisherigen Begehungen förderte die Gruppe 300 Kilogramm Abfall zutage, darunter ein Waschbecken und einen Kühlschrank.

Auch am heutigen Tag hat sich die Sammelaktion durchaus gelohnt, denn es sind 65 Kilo Müll zusammengekommen, die nun an einer Stelle konzentriert werden. Von dort werden Mitarbeiter der Kreisstadt St. Wendel die Müllsäcke in den nächsten Tagen abtransportieren, nachdem Friederike Gabriel den Standort durchgegeben hat.

Wer mitmachen möchte, wendet sich an Friederike Gabriel, Mail: sankt-wendel@cleanup.saarland.

 Auch die Jüngsten sind schon mit Eifer dabei: Jonas Gabriel (links) und Nico Gerhart beim Müllsammeln.
Auch die Jüngsten sind schon mit Eifer dabei: Jonas Gabriel (links) und Nico Gerhart beim Müllsammeln. Foto: Jennifer Fell
 Die 22-jährige Studentin Friederike Gabriel hat „Cleanup St. Wendel“ gegründet.
Die 22-jährige Studentin Friederike Gabriel hat „Cleanup St. Wendel“ gegründet. Foto: Jennifer Fell

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