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Museum St. Wendel: Ausstellung zeigt Leo Kornbrusts Zeichnungen

Museum St. Wendel zeigt Austellung mit Zeichnungen : Eine andere Seite von Leo Kornbrust kennenlernen

Viele verbinden den Namen des kürzlich verstorbenen Bildhauers mit seinen Skulpturen. Jetzt ist im Museum St. Wendel eine Auswahl seiner Zeichnungen zu sehen. Darunter auch die letzte Arbeit vor seinem Tod.

Ein zartes Klirren und Klopfen ist zu hören. Der Ton kommt aus einem Fernseher, der an der Wand im Flur angebracht ist. Junge Menschen sind zu sehen, die auf einer Wiese sitzen und mit kleinen Steinen Töne erzeugen, während im Hintergrund ein Bildhauer mit Hammer und Meißel an seiner Skulptur arbeitet. Die Klänge fügen sich ineinander, werden zu „Steinmusik“. Clemens Kremer, Dozent an der Musikhochschule, gibt den Takt vor. Dabei folgt er einer Partitur, die gleich nebenan präsentiert wird. Die Filmszenen, die über den Bildschirm flimmern, entstanden im Jahr 1971 während des Internationalen Bildhauersymposions St. Wendel.

 Eine kleine Zeitreise erwartet die Besucher im Flur. Dort erinnern Fotografien und Filmaufnahmen an die Zeit des Internationalen Bilderhauersymposions 1971 in St. Wendel.
Eine kleine Zeitreise erwartet die Besucher im Flur. Dort erinnern Fotografien und Filmaufnahmen an die Zeit des Internationalen Bilderhauersymposions 1971 in St. Wendel. Foto: Evelyn Schneider

Die Erinnerungen an damals sind heute Teil einer Ausstellung im St. Wendeler Museum, die seit vergangenem Freitag zu sehen ist. Dazu gehört auch eine Auswahl von Fotografien, die Monika von Boch in jenem Sommer 1971 aufgenommen hatte. Sie dokumentieren Arbeit und Lebensgefühl vor genau 50 Jahren. Das Jubiläum des Symposions wird in der Ausstellung gewürdigt, vor allem aber dessen Initiator: der kürzlich verstorbenen Leo Kornbrust. Statt Skulpturen haben jedoch Zeichnungen des Künstlers Einzug ins Museum gehalten.

„Das ist seine letzte Zeichnung“, sagt Museumsleiterin Friederike Steitz und deutet auf ein DIN-A4-Papier. Es trägt das Datum 22. Juni 2021. Kornbrust starb knapp einen Monat später im Alter von 91 Jahren. Alle Blätter sind mit Datum versehen. „Manchmal steht noch eine Bemerkung dabei ... wie in diesem Fall ... Heiligabend“, sagt Steitz und deutet auf eine weitere Arbeit des Künstlers. Aus acht Aktenordnern galt es, Zeichnungen auszuwählen. 2013 hatte ein Schlaganfall den Schaffensprozess des Bildhauers unterbrochen. Seine rechte Hand war infolgedessen in Mitleidenschaft gezogen. In einem SZ-Gespräch 2014 beschrieb Kornbrust, dass er keine Kontrolle über die Hand habe. Eine Arbeit mit Datum 17.10.19 trägt den Vermerk „wieder angefangen zu zeichnen.“

Vom Flur aus geht es in einen großen Raum, der sich zum nächsten hin öffnet. An den Wänden hängen Werke aus verschiedenen Jahren. Sie sollen dem Besucher einen Einblick in die Schaffenswelt Kornbrusts geben. „Insgesamt sind es die Zeichnungen eines Bildhauers“, sagt Steitz. Wobei es sich nicht um reine Skizzen für Skulpturen handele.  Kornbrust hat parallel zur plastischen Arbeit immer auch eigenständige Zeichnungen sowie Serien geschaffen. Bei der Anordnung der Bilder ist das Museumsteam nicht chronologisch vorgegangen, sondern eher thematisch.

Einen großen Fundus gibt es an Tuschezeichnungen, berichtet Steitz. Deren Position in der Schau sei ihr sofort klar gewesen. Sie wurden gegenüber voneinander aufgehängt – mit der größtmöglichen Entfernung. Diese Werkgruppe entstand in den 90er-Jahren. Sie zeigt Linien, die mit dem Pinsel aufgetragen wurden. Steitz geht davon aus, dass das Papier dabei auf dem Boden lag.

 Zeichnung von Leo Kornbrust. Foto: Museum St. Wendel
Zeichnung von Leo Kornbrust. Foto: Museum St. Wendel Foto: Museum St. Wendel

Von 1959 stammt eine Rötelzeichnung. „Die heftige Strichführung modelliert eine Figur heraus“, erläutert Steitz. Der Kopf ist dabei kaum dargestellt. Kornbrust habe zunehmend Interesse an Körperpartien gehabt. Er dachte plastisch. 1963 machte der Künstler einen Schritt zur Abstraktion. Nun wird der Körper durch zartere Linien erkennbar. In diesem Stil sind vier Zeichnungen ausgestellt, die Frauenkörper zeigen. Auf einer davon ist der Kopf samt Blick melancholisch nach unten geneigt. Eine Zeichnung, die es der Museumsleiterin angetan hat. „Bei dieser Werkgruppe war es schwierig für mich, eine Auswahl zu treffen, denn sie gefallen mir alle gut“, gesteht Steitz.

Farbigkeit spielt im Großteil des Komplexes Zeichnung bei Kornbrust keine Rolle. Eine Ausnahme bilden Arbeiten von 1962, bei denen der St. Wendeler zu Kugelschreibern in verschiedenen Farben griff. Steitz ordnet diese als spontane Formideen ein. Wegen ihrer kräftigen Farben fallen drei Zeichnungen mit Ölkreide (1968) sofort ins Auge. In Blau, Grün und Gelb leuchten sie dem Betrachter entgegen. Er habe experimentiert, welche Farbe welche Wirkung in Bezug auf Raum und Volumen hat, erläutert die Kunsthistorikerin.

Sie glaubt, dass der Reiz dieser Ausstellung die Tatsache ausmacht, dass ein Querschnitt durch eine große Zeitspanne geboten wird. „Die Besucher werden mit einer anderen Seite Kornbrusts konfrontiert. Lernen diese kennen.“ Dazu besteht bis zum 31. Oktober Gelegenheit.

Das Museum ist wie folgt geöffnet: Dienstag, Mittwoch und Freitag, je 10 bis 16.30 Uhr, Donnerstag, 10 bis 18 Uhr, Samstag 14 bis 16.30 Uhr sowie an Sonn-und Feiertagen je 14 bis 18 Uhr. Montags ist geschlossen. Der Eintritt ist kostenfrei.

www.museum-wnd.de