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Rückblick auf 30 Jahre Aktiongemeinschaft „In St. Wendel tut sich was“

30 Jahre Aktiongemeinschaft „In St. Wendel tut sich was“ : Als es Ballons regnete und der Cola-Truck kam

In 30 Jahren hat die Aktionsgemeinschaft „In St. Wendel tut sich was“ so einiges initiiert. Im Gespräch mit dem Vorsitzenden Wolfgang Zeyer blickt die SZ zurück.

Unzählige Luftballons, die über den Köpfen der Kunden schweben, und der festlich beleuchtete Coca-Cola-Weihnachtstruck, der sich durch die Bahnhofstraße schlängelt – zwei Eindrücke, die Wolfgang Zeyer besonders in Erinnerung geblieben sind. Der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft „In St. Wendel tut sich was“ hat ein wenig im Archiv geblättert, die vergangenen 30 Jahre Revue passieren lassen. So lange gibt es bereits die Aktionsgemeinschaft (AG). Genauer gesagt, den Verein, der 1991 gegründet wurde. Zuvor bestand die Aktionsgemeinschaft bereits drei Jahre lang als Gesellschaft.

Wegen des runden Geburtstags gab es grünes Licht für das Moonlight-Shopping am kommenden Samstag, 11. September, 19 bis 24 Uhr. „Allerdings können nur die AG-Mitglieder teilnehmen. Das ist die Vorgabe des Ordnungsamtes“, erläutert Zeyer. Von den aktuell 110 Mitgliedern sind 35 bis 40 Einzelhändler. Ein Großteil derer macht mit. Um ein gewisses Ambiente zu schaffen, setzen die Geschäftsleute auf eine besondere Beleuchtung – auch mit Kerzen. Das war schon vor Corona Teil des Konzeptes. „Was allerdings wegfallen muss, sind besondere Highlights wie Stelzenläufer oder Modenschauen.“ Eben alles, was zu Menschenansammlungen führen könnte. Zeyer erinnert sich noch an die Anfänge dieser Veranstaltung.  Vor der Premiere im September 2007 seien viele skeptisch gewesen, glaubten nicht, dass die Leute zum Moonlight-Shopping nach St. Wendel kommen würden. Nach und nach wuchs die Beteiligung unter den Geschäftsleuten. Heute ist das Einkaufen im Mondschein fester Bestandteil im Eventkalender der AG, wenn nicht gerade Corona solchen Aktionen – wie 2020 geschehen – , einen Strich durch die Rechnung macht.

Von Beginn an setzte die Aktionsgemeinschaft auf verkaufsoffene Sonntage, die neben dem Shopping-Vergnügen auch mal besondere Programmpunkte boten. Wie der bereits angesprochene Weihnachtstruck, der am 28. November 2010 in St. Wendel Station machte.  Beim „Wunschzettelsonntag“ 2011 und 2012 wurde jeweils ein Netz mit 1000 Luftballons an einem Kran  aufgehängt und über dem Schlossplatz positioniert. Auf Signal öffnete sich das Netz und die Ballons, gefüllt mit Gutscheinen, schwebten zu den wartenden Menschen herab. Einige Jahre gab es auch Modenschauen in Verbindung mit einem verkaufsoffenen Sonntag. „Jochen Maas hat aus Altmetall Kostüme kreiert und diese dann vorgeführt“, erinnert sich Zeyer. Der Künstler hat auch die riesigen, silbernen Sterne entworfen, die zur Weihnachtszeit in der City leuchten. 2008 hat die Aktionsgemeinschaft diese angeschafft.

Ob Ostermarkt, Kirmes oder Lebens-Art-Markt – die St. Wendeler Kaufmannschaft beteiligt sich auch gerne mit Sonderöffnungszeiten an Veranstaltungen der Stadt. Ob sich in diesem Jahr wieder Karussells auf dem Kirmesplatz drehen werden, ist noch nicht bekannt, die Aktionsgemeinschaft wird aber auf jeden Fall am 24. Oktober zum verkaufsoffenen Sonntag laden. Außerdem werden die Geschäfte am Wahlsonntag, 26. September, von 13 bis 18 Uhr öffnen, getreu dem Motto „Von der Wahlurne zum Shopping in die Stadt“. Zusätzlich sollen sich die Pforten der Läden am ersten Adventssonntag, 28. November, öffnen.

Die Aktionsgemeinschaft hat sich auch schon mal mit einem Event aus der Stadt rausgewagt – wie 2006 und 2007 bei den „Herbstimpressionen“ im damaligen Bosaarium am Bostalsee. Dort wurden unter anderem Trends aus Mode und Haarstyling auf dem Laufsteg präsentiert. Seit 2001 veranstaltet die AG jährlich den Autosalon in der St. Wendeler City, bei dem die Händler ihre neusten Modelle präsentieren. Schon mehr als 20 Jahre gibt beziehungsweise gab es den Einkaufsgutschein der Aktionsgemeinschaft. Dieser wird jetzt von der Internet-Plattform „Keep local“ abgelöst. Dort können online Einkaufs-Gutscheine für die St. Wendeler Geschäfte erworben werden. Zeyer beruhigt aber: „Wer noch alte Gutscheine hat, kann diese noch einlösen.“

Corona-bedingt hat der Einzelhandel mit Verlusten zu kämpfen. „Hier helfen aktuell die Touristen“, sagt der AG-Vorsitzende. Sie kommen zum Einkaufen in die Stadt und nutzen auch das gastronomische Angebot. Schon seit einiger Zeit wirbt die Aktionsgemeinschaft mit einem Imagefilm, der bei Center-Parcs am Bostalsee läuft, gezielt für den Besuch in der Kreisstadt. „Es muss aber noch mehr getan werden“, betont Zeyer und sieht hier die Stadt in der Pflicht. Seiner Ansicht nach gibt es viele Möglichkeiten, die Menschen für einen Besuch in St. Wendel zu gewinnen. Stichwort: Tagestouristen. Zeyer findet, es müsste gezielt mit den Premiumwanderwegen geworben werden. „Es könnten Wochenend-Pakete mit Hotel und Gastronomie geschnürt werden“, so der Vorsitzende. Wohnmobile seien seit Corona noch stärker im Trend als schon zuvor. Hier könnten attraktive Stellplätze in der City geschaffen werden.

 Verkaufsoffener Sonntag 2011 in St. Wendel: Luftballons mit Gutscheinen wurden aus einem Netz , das an einem Kran hing, herabgelassen.
Verkaufsoffener Sonntag 2011 in St. Wendel: Luftballons mit Gutscheinen wurden aus einem Netz , das an einem Kran hing, herabgelassen. Foto: B&K/Bonenberger

Gemeinsam mit der Stadt plant die Gemeinschaft Aktionen, um neue Mitglieder zu gewinnen. Beim Start 1991 waren es 97, zehn Jahre später, 2001, konnte das 150. Mitglied begrüßt werden, aktuell sind es 110. Ziel war es mal, die Zahl 200 zu erreichen. „Im Geschäftsleben gibt es eine gewisse Fluktuation“, erklärt Zeyer. „Man muss nur durch die Stadt schlendern. Es gibt einige Leerstände.“ Ein Geschäft mit Haushaltswaren und Geschenken sowie weitere Textilläden würden der Innenstadt nach Ansicht Zeyers gut tun. Er hofft, dass die Menschen dem Online-Shoppen überdrüssig werden, da gerade seit Corona verstärkt im Netz eingekauft wurde. „Was es in St. Wendel gibt, gibt es nicht unbedingt im Internet“, wirbt Zeyer. 1998 übernahm der Rechtsanwalt den Vorsitz der Aktionsgemeinschaft. Zwischendrin legte er mal eine Pause ein, in dieser Zeit hatte Wilfried Houy das Amt inne. Zuvor waren Peter Schaadt und als Erster Anton Stier die Vorsitzenden. Nach fast 20 Jahren an der Spitze der Aktionsgemeinschaft sieht Zeyer den Moment für einen Wechsel gekommen. „Bei der nächsten Wahl trete ich nicht mehr an.“ Sein Wunsch: Ein Einzelhändler solle die Nachfolge antreten.