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Saar-Astronaut Matthias Maurer offiziell für Flug beauftragt

Saar-Astronaut Matthias Maurer hat Flugticket zur ISS : „Eine Liebeserklärung an den Weltraum“

Zur offiziellen Beauftragung für seinen Flug hat der Esa-Astronaut Matthias Maurer auch den Namen und das Logo seiner ersten Mission bekanntgegeben.

Verfrühtes Weihnachtsgeschenk für Matthias Maurer: Vertreter der ISS-Partner aus den USA, Russland, Japan, Kanada und Europa haben den saarländischen Esa-Astronauten nun offiziell für seinen ersten Flug zur Internationalen Raumstation (ISS) beauftragt. Er wird voraussichtlich im Herbst 2021 abheben und sechs Monate lang im erdnahen Orbit leben, arbeiten und forschen. „Endlich bin ich an dem Punkt, auf den ich seit fast zwölf Jahren hingearbeitet habe. Das ist ein Meilenstein und eine ganz große Erleichterung“, sagt Maurer gegenüber der Saarbrücker Zeitung. Jetzt habe er ein konkretes Ziel und seinen Flug vor Augen.

Der 50-Jährige wird vom Kennedy Space Center in Florida (USA) ins All starten. Bislang waren dafür zwei Transportsysteme im Gespräch: die Starliner-Kapsel von Boeing und das Crew-Dragon-Raumschiff von SpaceX. Nun steht fest, dass Maurer als zweiter Europäer auf einem Drachen (auf Englisch: dragon) reiten wird. Neben ihm gehören auch die Nasa-Astronauten Raja Chari und Thomas H. Marshburn zur Crew-3. Bevor sie die abenteuerliche Reise antreten, ist noch der französische Esa-Astronaut Thomas Pesquet an der Reihe. Er fliegt 2021 als erster europäischer Passagier im sogenannten „Commercial Crew Program“ der amerikanischen Weltraumagentur zur ISS. Ob Maurer und Pesquet die deutsch-französische Freundschaft fern der Erde besiegeln und eine Weile zusammen auf der Station verbringen werden, ist noch ungewiss. Ganz im Gegensatz zum Motto der Mission.

Pünktlich zur offiziellen Beauftragung hat der Groniger auch deren Namen verraten: Cosmic Kiss (auf Deutsch: Kosmischer Kuss). Dahinter verberge sich „eine Liebeserklärung an den Weltraum“. „Der Name soll die besondere Verbindung zum Ausdruck bringen, welche die ISS zwischen den Erdbewohnern und dem Kosmos darstellt“, erläutert der Astronaut. Außerdem vermittele Cosmic Kiss, wie wichtig die internationale Zusammenarbeit bei der zukünftigen Erforschung des Mondes und des Mars’ sein wird. Der Name solle aber auch verdeutlichen, dass es notwendig ist, die Natur unseres Heimatplaneten zu respektieren, zu schützen und zu bewahren. „Ich freue mich darauf, auf dem Wissen meiner Vorgänger aufzubauen und meine eigenen Erfahrungen als ein Vertreter Europas im Weltraum zu teilen“, sagt Maurer.

 So sieht das Mission-Logo aus.  Foto: ESA
So sieht das Mission-Logo aus. Foto: ESA Foto: ESA

Passend zum Motto beinhaltet das Mission-Logo verschiedene Elemente des Kosmos. Auf schwarzem Hintergrund sind zum Beispiel die Erde, der Mond und der Sternhaufen der Plejaden zu erkennen. Zudem ist der Mars als kleiner roter Punkt in der Ferne eingezeichnet. Er ist einer von drei Hauptzielen, welche die Europäische Raumfahrtagentur (Esa) in den kommenden zehn Jahren erkunden möchte. Das zentrale Element des Logos ist jedoch die vereinfacht, mit roten Strichen dargestellte Raumstation. Sie liegt in der Mitte von Erde und Mond und ist durch den menschlichen Herzschlag mit den beiden Himmelskörpern verbunden.

Beim Designen habe sich Maurer zum einen von der Himmelsscheibe von Nebra inspirieren lassen – der ältesten bisher bekannten realistischen Himmelsdarstellung. Zum anderen von den „Voyager Golden Records“ und den „Pioneer Plaketten“ – beides Datenplatten mit Botschaften für Außerirdische, die einst an Raumsonden befestigt in die Weiten der Galaxien geschickt wurden. „Diese Artefakte zeigen die Faszination für den Weltraum, die sich über Jahrhunderte erstreckt“, erläutert Maurer. Die Menschen hätten schon immer in den Himmel geschaut, um den Ursprung des Lebens und des Universums zu ergründen.

Zurzeit bereitet sich der promovierte Materialwissenschaftler in den USA auf seinen Flug vor. In Houston (Texas) trainiert er unter anderem auch den Einsatz als Reserveastronaut für seinen Kollegen Pesquet. Dass nächstes Jahr gleich zwei europäische Raumfahrer abheben werden, freut Esa-Generaldirektor Jan Wörner ganz besonders. „Dadurch können wir noch mehr wissenschaftliche Arbeit und Forschung mit unseren internationalen Partnern durchführen. Es ist toll zu sehen, dass diese Zusammenarbeit auch 20 Jahre nachdem die erste Crew zur ISS aufgebrochen ist, noch immer andauert“, sagt er. Seiner Ansicht nach ist die Raumstation ein leuchtendes Symbol dafür, was erreicht werden kann, wenn Nationen aus der ganzen Welt zusammenhalten. „Die Arbeit, die wir auf der ISS erledigen, hilft uns, das Leben auf der Erde zu verbessern – und gleichzeitig unseren Weg zum Mond weiter zu ebnen“, ist der Generaldirektor überzeugt.

Schon im Jahr 2028 will die Nasa eine neue Raumstation namens Gateway im Mondorbit aufbauen. Die Esa wird dafür mehrere Module bauen und die Antriebseinheit der Orion-Kapsel entwickeln, welche Menschen zur Station transportieren soll. In einem entsprechenden Vertrag („Memorandum of Understanding“) ist unter anderem festgelegt, dass auch drei europäische Astronauten die Gelegenheit bekommen werden, zu dieser Station im Mondorbit zu reisen. „Wir brechen in eine spannende neue Ära der Weltraumforschung auf, in der Europa eine Schlüsselrolle spielen wird“, ist sich David Parker, Esa-Direktor für bemannte Raumfahrt, sicher.

Der Mond – ein Ziel, das auch Maurer fasziniert. Während er auf seinen Raumflug wartete, war er im Astronautenzentrum der Esa in Köln stationiert, wo er die Entwicklung der neuen Luna-Mondsimulations-Anlage leitete. Außerdem nahm er bereits am Pangaea-Programm teil. Dieses spezielle Geologie-Training bereitet Raumfahrer auf die Erforschung fremder Himmelskörper vor. „Da oben auf dem Mond zu stehen und sich den Erdaufgang anzusehen, muss ein unglaubliches Gefühl sein“, schwärmt der Saarländer von seinem Traumziel. Doch jetzt wird er sich zunächst einmal voll und ganz auf seine erste Mission zur Internationalen Raumstation konzentrieren.

www.esa.int