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St. Wendel: Aktivisten bringen Müll zu McDonalds zurück

Aktion in St. Wendel : Umwelt-Aktivisten bringen McDonald's-Müll zur Filiale zurück

Aktivisten von Clean-up Saarland sammelten in St. Wendel Verpackungen ein und gaben sie ihrem Verursacher zurück. Im Zuge der Aktion konfrontierten sie auch Mitarbeiter der dortigen McDonalds-Filiale deren Verpackungen einen Großteil des eingesammelten Mülls ausmachen.

Fieses Wetter, es ist kalt. Unaufhörlich prasseln Regentropfen nieder. Personen, auffällig mit gelben Schutzwesten gekennzeichnet, marschieren mit Müllbeuteln und Greifzangen entlang der Tholeyer-und August-Balthasar-Straße in St. Wendel und sammeln weggeworfenen Müll, der von McDonalds stammt. Die Aktion „Geschirr-Rückgabe“ läuft zur gleichen Zeit zudem in St. Ingbert und Merzig. Dabei sind die Umwelt-Aktivisten von Clean-up-Saarland unterwegs und lesen quasi Geburtstagsgeschenke aus dem Gestrüpp, den Hecken und dem Straßengraben auf. Warum denn gerade an dem verregneten Samstag? Vor 50 Jahren hat McDonalds sein erstes Schnellrestaurant in Deutschland eröffnet, und mit dem gesammelten Müll wollen die Aktivisten der St. Wendeler Filiale zum Geburtstag gratulieren. Den hat die Cleanup-Saarland als Zeitpunkt für ein Umdenken gewählt, damit nach deren Angaben Kosten und Schäden nicht länger auf die Gesellschaft abgewälzt werden.

Präsente für McDonalds gibt es reichlich. „In der kurzen Zeit ist ganz schön was zusammengekommen“, findet Claudia Biehler. Unverkennbar ist das aufgeraffte Verpackungsmaterial dem Schnellrestaurant zuzuordnen, von dem es allerdings nicht selbst in der Natur entsorgt worden ist. „Das stimmt, aber wir wollen McDonalds den Müll zurückgeben, weil er dort seinen Ursprung hat“, sagt die Aktivistin Christine Schu. Bei einer Müllsammlung, bei dem Müll auch dem Hersteller zugeordnet werden konnte, sei McDonalds mit 9,35 Prozent des Plastikmülls auf Platz zwei gelandet. Des Weiteren bezweifelt Schu, dass die Schnellrestaurantkette mit dem großen M im Saarland ein würdiger Teilnehmer für den vom Umweltministerium initiierten Umweltpakt Saar sei. „Man sollte mal überdenken, ob es ein guter Partner für einen Umweltpakt ist, der laut der Deutschen Umwelthilfe pro Jahr mehr als 50 000 Tonnen Einwegverpackungen verbraucht“, meint Schu.

 Die Cleanup-Aktivisten bringen McDonalds zum 50. Geburtstag den Müll vorbei.
Die Cleanup-Aktivisten bringen McDonalds zum 50. Geburtstag den Müll vorbei. Foto: Frank Faber

Aus Sicht der lokalen Clean-up-Netzwerke verschwenden die Einwegverpackungen nicht nur eine riesige Ressourcenmenge, sondern vergifteten zusätzlich Böden und Gewässer. „Und immer gehen die Kosten bei der Entsorgung zulasten der Allgemeinheit und nie in Richtung der Unternehmen“, beschwert sich Aktivistin Schu.

Ihre Mitstreiterin Biehler wirft einen Blick auf die Uhr. Mittlerweile sind alle Aktivisten auf dem Parkplatz an der August-Balthasar-Straße eingetroffen. In fünf Minuten soll das Geburtstagsständchen beginnen. Und Abmarsch mit den Müllsäcken. Als sich die Clean-up-Aktivisten vor dem Schnellrestaurant bemerkbar machen, werden sie von einem Mitarbeiter freundlich empfangen. Kurz darauf kommt die Schichtleiterin hinzu. Die Gratulationsrede ist schriftlich vorbereitet. „Wir von Cleanup-Saarland haben McDonalds viel zu verdanken. Würden wir nicht jeden Tag die Unmengen an McDonalds-Müll im Straßengraben sehen, dann würde es uns vielleicht gar nicht geben, stattdessen sammeln wir jeden Tag den Müll auf und versuchen den Schaden für die Umwelt gering zu halten. Wir denken jeden Tag an euch!“, steht auf dem Zettel.

Mit der Schichtleiterin diskutieren die Aktivisten darüber, dass die Schnellrestaurantkette statt dem Einweg- ein Mehrwegsystem aufbauen soll. „Die Schichtleiterin hat sich unsere Argumente angehört und dazu gemeint, dass ein Mehrwegsystem in der Corona-Pandemie nicht möglich ist“, berichtet Schu hinterher von einem sachlich geführten Austausch. Laut Deutscher Umwelthilfe könnten mit einem Mehrwegsystem 800 000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.

Die Säcke mit dem Müll nimmt McDonalds bereitwillig entgegen. Die Umweltinitiative informiert zusätzlich auf ihrer Internetseite, dass die Stadt Tübingen zum 1. Januar 2022 eine Verpackungssteuer einführen will, wogegen McDonalds eine Klage eingereicht hat. Vom Land und von den Kommunen im Saarland wünschen sich die Cleanup-Aktivisten, dass sie „dem Vorbild von Tübingen folgen und ebenfalls eine Steuer auf Einwegverpackungen erheben“.

www.cleanup.saarland