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St. Wendel stellt Radverkehrskonzept vor, Kritik vom ADFC

Routen sollen sicherer werden : Fahrradfreunde kritisieren Radwegkonzept für St. Wendel

Die Kreisstadt St. Wendel stellte im Saalbau ihr Radverkehrskonzept vor. Kritik kommt vom ADFC und von Bürgern.

7,7 Millionen Euro an Fördergeldern stehen den Kommunen im Saarland aktuell vom saarländischen Wirtschaftsministerium für Fahrradprojekte zur Verfügung. Abgerufen wurden solche Mittel bislang nur von der Kreisstadt St. Wendel und der Gemeinde Kirkel. Eine Informationsveranstaltung zum frisch erarbeiteten Radverkehrskonzept für Stadt und Stadtteile lockte etwa 35 Bürger in den Saalbau. Verantwortlich für die Erstellung des Zukunftsplanes zeichneten die Experten von VeloBüro Saar in Saarbrücken, deren leitender Planer Bernd Zollhöfer diesen nach einer Begrüßung  durch Bürgermeister Peter Klär (CDU) auch vor Ort präsentierte.

Zu Beginn seiner Ausführungen betonte Zollhöfer, dass man speziell auf den Alltagsradverkehr und hier auf den städtischen Radverkehr sowie die Verbindung zwischen den Ortschaften abziele, sei das St. Wendeler Land doch in dieser Hinsicht wie das gesamte Saarland „stark unterbelichtet“, wohingegen man im touristischen Bereich bereits gut aufgestellt sei. Der Planer offenbarte seinem Publikum Auszüge aus dem 67 Seiten umfassenden Konzept, das eine neu erarbeitete Netzkarte mit neun Haupt- und sieben Nebenrouten beinhaltet. Generell wolle man, so der Radverkehrsexperte, eine bessere Verkehrsführung an Knotenpunkten gewährleisten, um das Radfahren sicherer zu machen.

Als solche „neuralgischen Knotenpunkte“ benannte Zollhöfer unter anderem die Kreuzung Wendalinusstraße/Missionshausstraße. Während auf vielen Straßen lediglich Fahrrad-Piktogramme vorgesehen sind, die andere Verkehrsteilnehmer auf Radfahrer aufmerksam machen und zur Rücksicht ermahnen, sollen andernorts Fahrradschutzstreifen entstehen, die dem Radfahrer an Kreuzungen und Querungen Vorrang gegenüber dem restlichen Verkehr einräumen. Dies werde dann, erläuterte der Dozent, durch rote Markierungen gekennzeichnet. Darüber hinaus sieht das Konzept viele zusätzliche Abstellanlagen vor, unter anderem eine moderne E-Bike-Abstellstation mit Lade-Möglichkeit am Mia-Münster-Haus.

 Bernd Zollhöfer, der leitende Planer des VeloBüro Saar, präsentierte das Konzept im Saalbau.
Bernd Zollhöfer, der leitende Planer des VeloBüro Saar, präsentierte das Konzept im Saalbau. Foto: Jennifer Fell

Auch neue Radwege sollen entstehen, beispielsweise zwischen Oberlinxweiler und St. Wendel. Hier handele es sich, wie Bürgermeister Klär anmerkte, um ein Projekt, das Priorität genieße, warte man in Oberlinxweiler doch schon seit 15 Jahren auf eine derartige Anbindung. Tim Recktenwald vom Umweltamt der Kreisstadt führte aus, dass manche Hauptstraßen so eng seien, dass man dort keine Radwege integrieren könne, weshalb  Radfahrer dann einen kleinen Umweg in Kauf nehmen müsse. Davon abgesehen, handele es sich bei zahlreichen Straßen um Landesstraßen, die in den Kompetenzbereich des Landesamtes für Straßenbau fielen, weshalb man in solchen Fällen nur Vorschläge machen könne. Bernd Zollhöfer betonte in diesem Zusammenhang, dass das Öffnen von Einbahnstraßen für Radfahrer in Gegenrichtung zusätzliche Möglichkeiten biete. Als Radfahrer werde man dann von Autofahrern wahrgenommen und diese nähmen Rücksicht. Er ergänzte, dass es bei solchen freigegebenen Einbahnstraßen praktisch keine Unfälle gebe. Tim Recktenwald erwiderte, dass die Umsetzung solcher Maßnahmen recht kurzfristig möglich sei, entsprechende Vorschläge lägen der Stadtverwaltung bereits vor.

Die Bürger hatten während der Veranstaltung, die informieren, aber auch beteiligen sollte, die Gelegenheit, Kritik und Anregungen zu äußern, die Zollhöfer notierte. Der leitende Planer des VeloBüro Saar versprach, die Vorschläge zu prüfen und eventuell noch ins Konzept mit aufzunehmen. Eine Zuhörerin wünschte sich, dass man die Bevölkerung stärker durch die Medien über die geplanten Neuerungen informieren solle. Clemens Arntz, der sich bei der Ortsgruppe St. Wendel des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) engagiert, bedauerte, dass seine Gruppe das vollständige Konzept nicht vorher erhalten habe: „Dann hätten wir wirklich Stellung nehmen können, denn der Teufel steckt ja häufig im Detail“, sagte er. Und weiter: „Es ist schade, dass die Expertise der Alltagsradfahrer wenig genutzt wurde. Die Kommunikation zwischen der Stadt St. Wendel und dem ADFC ist noch verbesserungswürdig.“

Ähnlich äußerte sich Achim Später, der er Ansicht war, dass die zweistündige Veranstaltung nur die Grundzüge vermittelt habe, man sich aber einzelne Punkte noch genauer anschauen müsse. Auch Michael Müller, Sprecher der ADFC-Ortsgruppe, fand es zwar positiv, dass die Stadt etwas tut, war jedoch der Meinung, dass Potenzial zur Bürgerbeteiligung verschenkt worden und dass das Konzept insgesamt ohne Mut erstellt worden sei.

Bereits im Vorfeld hatten die Fahrradfreunde vom ADFC die Vorgehensweise der Kreisstadt St. Wendel bei der Erstellung des Zukunftsplanes kritisiert. Man warf der Verwaltung ein intransparentes Verfahren und einen unzureichenden Beteiligungsprozess vor. Erst nach mehrmaliger Aufforderung sei der ADFC in den Arbeitskreis, der die Konzepterstellung begleitet habe, aufgenommen worden. Die vom Mittelgeber, dem saarländischen Wirtschaftsministerium, vorgegebene Bürgerveranstaltung erfolge erst zum Projektende, was unüblich sei. Zudem bemängelte man die kurzfristige öffentliche Einladung, die vier Tage vor der Vorstellung des Konzepts stattfinde.

Peter Klär wies die Vorwürfe der Fahrradfreunde zurück: „Das Konzept wurde unter Beteiligung der Radfahrerlobby erstellt. Es ist ausgewogen, fahrradfreundlich und spiegelt alle geforderten Voraussetzungen wider“, konstatierte der Verwaltungschef. Wie ein Sprecher der Kreisstadt ergänzte, habe man verschiedene Partner und Interessengruppen in den Entstehungsprozess des Konzeptes eingebunden, das von einem eigens beauftragten und spezialisierten Fachbüro entwickelt worden sei. Neben Mitarbeitern der Abteilungen Stadtplanung, Tiefbau, Tourismus und Umwelt sowie des Landesamtes für Straßenbau seien auch Mitglieder der ADFC-Ortsgruppe bei drei von sechs Arbeitsgruppensitzungen anwesend gewesen und hätten Ideen einbringen können. Darüber hinaus hätten Verwaltungsmitarbeiter die Clubmitglieder auf dem Laufenden gehalten, indem sie an deren digitalen Monatstreffen teilgenommen oder per E-Mail Informationen weitergegeben hätten.