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Vorgestellt: Grünen-Kommunalpolitiker Tilman Schön aus St. Wendel

St. Wendeler Stadtratsmitglied Tilman Schön im Porträt : Politik für eine klimafreundliche und faire Stadt

In einer Serie stellt die SZ junge Kommunalpolitiker in der Region vor. Der 34-jährige Tilman Schön ist für die Grünen im St. Wendeler Stadtrat. Im SZ-Gespräch verrät er, warum er sich anfangs eher auf Demos statt in einem Gremium gesehen hat und wo er Entwicklungspotenzial für die Kreisstadt sieht.

Für die Natur und seine Umwelt hat sich der St. Wendeler Tilman Schön nach eigenen Angaben schon immer interessiert. Als Jugendlicher lernt er Disziplin und das Kämpfen in den Judoclubs in Oberthal und Grügelborn. Auch als Laiendarsteller ist er beim Oberthaler Theaterverein in die ein oder andere Rolle geschlüpft. Mit politischem Engagement in einer Nachwuchsabteilung einer Partei hat er da noch nichts zu tun. Aber im Alter von 22 Jahren schaltet er von passiv auf tatkräftig um. „Das kam aus mir selbst heraus, ich wollte mich aktiv beteiligen“, blickt er zurück. Bei Greenpeace als Aktivist aufzurütteln, Druck und Mut zu machen, um die Umwelt zu retten, kann er sich vorstellen. Genauso kommt seine Denkweise dem politischen Parteiprogramm der Grünen am nächsten. Schließlich wird Schön Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen, später sitzt er im Landesvorstand und reist zu den Versammlungen der Bundesdelegierten.

„Am Anfang habe ich mir das so nicht vorgestellt. Ich habe gedacht, ich könnte dann als Aktivist an Demonstrationen teilnehmen“, sagt er und muss sich zunächst im Ortsverband mit einem weniger actionreichen Alltag in der Kommunalpolitik begnügen. Passend zu seiner ehrenamtlichen Beteiligung studiert er Umwelt-und Betriebswirtschaftslehre am Umwelt-Campus Birkenfeld. So richtig ist Schön bei den Grünen noch gar nicht angekommen, da wird er von Kristin Günther, der damaligen Kreisvorsitzenden im Landkreis St. Wendel, überrascht. „Du gehst direkt auf den ersten Listenplatz für den Stadtrat“, hat Günther delegiert. Seinerzeit gilt noch die später im Saarland abgeschaffte Fünf-Prozent-Hürde bei Kommunalwahlen. „Es ist nie meine Intention gewesen, in den Stadtrat reinzukommen oder Berufspolitiker zu werden“, sagt Schön. Doch es kam anders. Denn Schön sitzt nach wie vor im Stadtrat und engagiert sich. „Damals wie heute will ich was für die Umwelt und die nachfolgenden Generationen tun“, lautet der Plan des 34-Jährigen.

Beruflich legt er nach und absolviert in Landau den Studiengang Förderschullehrer auf Lehramt. Sein Engagement im Stadtrat hat allerdings zunächst was von einem Solisten, der auf sich allein gestellt ist. Während einer Legislaturperiode bildet der Grüne eine ökologische und ökonomische Fraktion mit der FDP. In der folgenden kooperiert er mit den Linken. „Mittlerweile haben wir den Luxus, dass wir eine eigene Fraktion im Stadtrat bilden können“, freut sich Schön, dass er Ehefrau Anjuli und Sören Bund-Becker an seiner Seite hat. Es sei überaus angenehm, sich jetzt mit der eigenen Partei austauschen zu können. „In St. Wendel machen wir Politik für die Menschen, für eine nachhaltigere Stadtentwicklung, eine kinderfreundliche Umgebung und eine klimafreundliche, soziale und faire Stadt“, nennt Schön die Ziele der Fraktion. Diese hat den Stadtpark im Blick und würde gerne die Fläche zum „Alla-Hopp-Spielplatz“ als Anziehungspunkt umzugestalten und dabei alle Bäume zu erhalten. „Mehr als eine Grünfläche mit einem Rundweg stellt der Stadtpark momentan nicht dar“, findet der zweifache Familienvater.

Aus seiner Sicht sei ganz wichtig die Entwicklung des Umzugs der Nikolaus-Obertreis-Schule nach Alsfassen in die ehemalige Annen-Schule. „Ich hoffe, dass dies prozessbegleitend umgesetzt wird und das dann hinterher auf dem verlassenen Schulgelände keine großen Wohnblöcke für weitere Luxuswohnungen in der Stadt hingestellt werden“, fordert der Förderschullehrer am Neunkircher Förderzentrum. Die geplante Umgestaltung der St. Wendeler Bahnhofstraße habe eine Tragweite für Generationen, die mit dem Projekt bedient werden müsse. „Und wo sind eigentlich die Radwege?“, fragt er sich. Die Qualität des Radweges in der Mommstraße halte sich in Grenzen. „Optisch fällt der als Radweg nicht genügend auf. Er ist zwar da, aber der Anschluss zu einem anderen Radweg fehlt“, bemängelt er.

Mittlerweile steckt Schön in einem neuen Abschnitt seiner Lebensplanung. Deswegen hat er aus Zeitgründen bei den Vorstandswahlen im Juni nicht mehr als Ortsverbandsvorsitzender kandidiert und den Posten des Fraktionsvorsitzenden hat Bund-Becker von ihm übernommen. „In den gesamten Sommerferien bin ich Vollzeit-Bauherr und Familienvater“, sagt Schön und will neben den Umbauarbeiten so viel Zeit wie möglich mit seiner Frau und den beiden Kindern verbringen.