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So läuft das Training unter 2G-Plus bei Vereinen im Kreis St. Wendel

Corona im St. Wendeler Land : Testen nach der Arbeit ist das Problem

So laufen Training und Proben bei den Vereinen im St. Wendeler Land unter Einhaltung der 2G-Plus-Regel.

Mit der Einführung der 2G-Plus-Regel für den Sport im Innenbereich steht das Saarland wie im Vorjahr vor einem sportarmen Winter. Die Hallenfußball-Saison ist bereits eingefroren. Wie kommen die Vereine im Landkreis St. Wendel mit der Situation klar? Muss das Sportangebot heruntergefahren werden? Oder wird gar der Trainingsbetrieb eingestellt? Die SZ hat bei den Verantwortlichen nachgehört.

„Wir müssen vor der Lage sein“, dieser Appell wird oft und gerne von Politikern vor laufenden Fernsehkameras strapaziert. Noch ehe die saarländische Landesregierung die 2G-Plus-Regel eingeführt hat, war der Boxclub (BC) Schaumberg bereits vor der Lage. „Wir haben die Regel zuvor schon strenger ausgelegt“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Pascal Schmidt. Und das bedeutet, dass der BC keine Ausnahmen für Schüler macht. „Ein Schüler darf nur mit einem aktuellen negativen Schnelltest trainieren“, erklärt Schmidt. Mit einem Schultest kann der Schüler in Sotzweiler nicht an den Sandsack gehen. „Die Schüler werden zwei Mal pro Woche getestet. Wenn das zum Beispiel an einem Donnerstag ist, wäre er dann bis Montag vier Tage ohne Test, wenn der nächste wieder dienstags durchgeführt wird“, so Schmidt.

Und das sei dem Verein nicht sicher genug. „Wir betreiben Kontaktsport und Partnerübungen mit Schweiß an den Händen“, meint er. Überhaupt würden im Moment noch Testzentren fehlen. „Viele unserer Boxer haben dadurch nicht die Möglichkeit, nach der Arbeit auf die Schnelle einen Tagestest zu bekommen und dann zum Training zu kommen“, erklärt Schmidt, warum die Trainingsbeteiligung zurückgegangen ist.

 Noch schnell nach der Arbeit zur Teststation, und dann ins Training. Für Sportler im St. Wendeler Land bedeutet 2G-Plus Mehraufwand.
Noch schnell nach der Arbeit zur Teststation, und dann ins Training. Für Sportler im St. Wendeler Land bedeutet 2G-Plus Mehraufwand. Foto: dpa/Marijan Murat

Ein Lockdown sei die einfachste Geschichte, so stünden nun die Vereine in der Verantwortung. „Wir hoffen, dass wir gut durch die Coronakrise kommen und dass es im Sommer wieder besser ist“, blickt Schmidt voraus.

Unter den aktuellen Regeln schlagen die Volleyballerinnen aus Primstal weiterhin im Training in der Mehrzweckhalle auf. „Wir nehmen die momentanen Gegebenheiten in Kauf und sind auf die Sicherheit aus“, sagt Jennifer Mathieu-Koch, die Vorsitzende des Volleyballvereins 1981 Primstal. Schwierigkeit gebe es, um sich nach der Arbeit noch einen Test für das Training zu beschaffen. Mathieu-Koch hofft, dass die Volleyballerinnen beim Heimspieltag im Januar wieder schmettern können. „Den Spieltag am 20. November hat der Verband ja abgesagt“, berichtet sie.

Wie im Vorjahr, hat der Judo-Club (JC) Oberthal erneut sein Nikolausturnier, das älteste Judo-Turnier für Kinder im Saarland, in der Bliestalhalle streichen müssen. „Wir trainieren zurzeit in einer reduzierten Form. Das Kindertraining müssen wir ausfallen lassen“, bedauert der JC-Vorsitzende Bernd Linn. Bislang habe der Verein in der Pandemie kaum Mitglieder eingebüßt, bei den Jugendlichen gar welche dazugewinnen können. „Nach der langen Pause müssen wir im Frühjahr wieder für unsere Sportart werben, um neue Mitglieder zu gewinnen“, schaut Linn nach vorne.

Harald Becker, Vorsitzender des St. Wendeler Turnvereins (TV), gibt sich aufgrund der aktuellen Situation kämpferisch: „Wir sind Sportler und so gewohnt, sich Herausforderungen anzupassen“. In 18 verschiedenen Sparten bietet der  TV ein vielfältiges Sportangebot an. „Wir müssen jetzt insgesamt einen erheblichen Aufwand betreiben und ständig entstehen neue Fragen“, weiß Becker. Die mehr als 60 für den TV tätigen Übungsleiter haben ihren Impfstatus dem Verein zugesandt. „Trainiert werden kann nur mit einem aktuellen Test. Und dabei ist es immer eine Frage, wie der Einzelne seinen Tagesablauf organisiert“, stellt der Vorsitzende klar. Am 23. Dezember fallen mit Beginn der Weihnachtsferien die Schultests weg. „Dann sind wir sowieso auf die Stadt angewiesen, welche Hallenkapazitäten uns in den Ferien überhaupt zur Verfügung stehen“, meint Becker. Er geht nach aktuellem Stand davon aus, dass in den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr die Kinderveranstaltung „Spielzimmer“ in der Turnhalle der St. Wendeler Gemeinschaftsschule nicht über die Bühne gehen kann.

Jan Herder, Vorsitzender des Fußballvereins (FV) in Gonnesweiler, teilt mit, dass das Hallentraining für die E- und F-Jugendlichen abgesagt worden ist. „Auch das Kinderturnen können wir momentan nicht anbieten. Es ist verantwortungsvoll nicht umsetzbar“, betont Herder.

Der Fußballclub (FC) Walhausen hat das Hallentraining der Integrationsmannschaft bis auf Weiteres ausgesetzt. „In der Halle ist das mir zu heiß. Und der Aufwand wäre immens, weil sich die Begleitpersonen von rund 20 Kindern auch testen lassen müssten“, erläutert Trainer Uwe Klee, der zudem den sportlichen Bereich beim FC leitet. Im Sommer seien mehr als 30 Kinder zum Training des Integrationsteams geströmt. „Sobald wir wieder auf den Platz können, werden wir sofort starten. Bis dahin lassen wir die Vernunft walten“, sagt Klee.

Im Sommer hat die DJK Marpingen riesigen Zulauf im Kleinkinderbereich verzeichnen können. Rund 50 Kinder sind in der Super-Minigruppe und beim Eltern-Kind-Turnen dabei. „Wir haben noch eine Warteliste mit 20 Kindern“, berichtet DJK-Sportwart Manfred Wegmann. Wegen der 2G-Plus-Regel sei nun alles abgesagt worden.

„Wir haben uns schon am 19. November dafür entschieden, die 2G-Plus-Regel umzusetzen und uns vor der Probe testen lassen“, teilt Sven Gatzweiler, Vorsitzender des Musikvereins (MV) Steinberg-Deckenhardt, mit. Denn im gesamten Orchester sei jeder Musiker unheimlich froh, dass er proben dürfe. Gatzweiler bedauert dennoch, dass der MV das Jugendkonzert hat abblasen müssen.