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Bogenschießen auf dem Tholeyer Schaumberg oder Biberburg Berchweiler

Serie Abenteuer in der Region : Wie mich Pfeil und Bogen Geduld lehrten

Einmal wie Robin Hood mit Pfeil und Bogen durch die Wälder streifen – das geht auf den Parcours der DK-Bow-Factory in Berschweiler und in Tholey. Worauf es beim Bogenschießen ankommt und ob sich der Besuch sich lohnt, haben wir ausprobiert.

Der Bogen ruht leicht in meiner linken Hand, als ich im Köcher nach einem Pfeil greife und diesen zwischen die beiden Metallpunkte in der Sehne einklicke. Mit gestrecktem Arm hebe ich den Bogen langsam an und beginne, den Pfeil nach hinten zu ziehen. Immer weiter ziehe ich ihn mit Zeige-, Ring- und Mittelfinger auf, bis er meine rechte Wange berührt. Ich visiere das Ziel ein letztes Mal an. Und lasse los.

Geräuschlos zischt der Pfeil nach vorne, saust blitzschnell durch die Luft und schlägt in die Zielscheibe ein. Ungläubig schaue ich hin. „Ich hab’ getroffen“, freue ich mich, lasse aber sogleich die Mundwinkel hängen. Trostlos steckt mein Pfeil im letzten Außenring, ist ein gutes Stück von der Mitte entfernt. „Oh nein“, jammere ich. Madeline Kunz vom 3D-Bogensport-Parcours am Tholeyer Schaumberg widerspricht mir sofort: „Nein, denk’ so was nicht!“, höre ich sie neben mir sagen. Erst vor wenigen Minuten hat mir die 30-Jährige erklärt, wie ich richtig mit dem Bogen umgehen muss. „Du hast getroffen! Freu’ dich!“, meint sie aufmunternd.

Stimmt. Mich packt der Ehrgeiz, ich will es gleich nochmal probieren. Die Bogensportleiterin wiederholt ihre Anweisungen: „Stell dich seitlich zur Zielscheibe und mach dich gerade.“ Ich folge ihren Worten und positioniere meine Beine leicht auseinander, um meinen Stand zu festigen. „Jetzt kannst du den Pfeil einspannen“, sagt Kunz. Ich rekapituliere die einzelnen Schritte, peile mit dem Pfeil das Ziel an und löse die Spannung. Diesmal treffe ich fast die Mitte. „Juhu“, juble ich und merke allmählich, wie mich der Spaß packt.

Spaß – um den geht es auf dem 3D-Bogensport-Parcours am Tholeyer Schaumberg. Den hat der Bogenbauer und Inhaber der DK-Bow-Factory in Remmesweiler, David Kossmann, vor drei Jahren mit seinem Team aufgebaut, erzählt Madeleine Kunz. Die 30-Jährige gehört ebenfalls zum Team, ist Bogensportleiterin und Trainerin. Ihre Liebe zum Bogensport entdeckte sie vor sieben Jahren bei einem Urlaub in der Türkei. „Es hat Spaß gemacht und ich bin hängen geblieben“, sagt Kunz, die seit sechs Jahren regelmäßig zum Bogenschießen geht und amtierende Saarlandmeisterin im 3D-Bogenschießen, im Feldbogenschießen und in der Halle ist.

Kunz lässt mich auf der Übungswiese neben der Tholeyer Jugendherberge einige Pfeile abfeuern, ehe es für uns auf den eigentlichen Parcours geht. Dieser führt auf vier Kilometern durch den Wald hoch auf den Schaumberg. Die Schatten spendenden Bäume sind an heißen Sommertagen eine willkommene Abkühlung.

Was den Parcours ausmacht, sehen die Bogenschützen schon an der ersten der 33 Stationen: Statt auf Zielscheiben zielen die Bogenschützen auf detailgetreue 3D-Tierattrappen aus Schaumstoff, die entlang des Weges in kleinen Szenen arrangiert sind. Mehr als 130 Tiere, darunter Rehe, Wildschweine und Wölfe, aber auch Dinosaurier, Krokodile und eine riesige Vogelspinne gibt es zu entdecken – nicht nur für Bogenschützen.

„Auch viele Familien kommen hierher zum Wandern“, erläutert Kunz. Die Bereiche, in denen mit Pfeil und Bogen hantiert wird, liegen etwas abseits des Weges, um die Sicherheit zu gewährleisten. Gerade Kinder würden durch die Wanderung auf dem Parcours überhaupt erst lernen, wie die Bewohner des Waldes aussehen. „Ich hatte schon Kinder aus Saarbrücken hier, die nicht wissen, wie ein Waschbär aussieht“, sagt Kunz. Daher planen Kossmann und sein Team derzeit, an jede Station einen QR-Code anzubringen. Wer diese dann mit seinem Handy scanne, erfahre mehr über die Tierwelt im Wald.

Gerade dieses Wandern durch die Natur liebt Kunz an ihrem Sport, auch mir gefällt es, mit dem Bogen durch den Wald zu streifen. „Ich gehe auch nie alleine schießen, sondern immer in der Gruppe.“ Für sie ist Bogenschießen „der Einklang zwischen Spannung und Entspannung“. „Ich lerne am besten mit meinem Bogen“, sagt Kunz. Was sie damit meint, realisiere ich erst ein paar Stationen weiter.

Ich nehme den Hirsch ins Visier. Eine bestimmte Stelle fixiere ich nicht. Die einzelnen Schritte vorm Schießen wie die gerade Haltung und gestreckte Arme habe ich inzwischen verinnerlicht. Meine ich. Trotzdem gelingt es mir nicht, den Pfeil gerade zu halten. Immer wieder kippt er vom Bogen weg und zur Seite. Ich merke, wie sich meine Geduld verabschiedet, sich Frust breit macht. Ich fange an, mich zu ärgern. Über mich. Und meine Unfähigkeit.

Madeleine Kunz ermahnt mich zur Ruhe und zur Geduld: „Du lernst gerade eine neue Sportart.“ Ich nicke. Recht hat sie. Die 30-Jährige greift wieder ihre Worte von vorhin auf. „Der Bogen zeigt mir sehr viel über mich selbst“, sagt sie. „Wie gehe ich mit mir um? Bin ich freundlich zu mir? Oder kritisiere ich mich für einen schlechten Schuss?“ Ich nicke verstehend. Die Trainerin betont: „Ein schlechter Schuss entwertet dich nicht.“

Dass ich das aber denke, bemerkt Kunz, die auch als Psychologin tätig ist, mittlerweile auch bei anderen Schützen auf dem Parcours. Stichwort Leistungsgesellschaft. „Ich habe schon Fünfjährige erlebt, die wütend den Bogen ins Gras werfen, weil sie nicht direkt die Mitte treffen.“ Vielen ginge es ähnlich – darunter sollte jedoch nicht das Selbstwertgefühl leiden. Oder der Spaß. Denn: „Verlieren ist unser größter Gewinn. Wir sollten weniger denken, sondern einfach machen.“

Also schüttle ich die stressigen Arbeitsstunden von mir, mache meinen Kopf frei und fokussiere erneut. Mit dem neuen Tipp von Kunz, den Bogen vorm Schießen leicht zu neigen, ziele ich erneut – und treffe.

Wenn ich eines auf dem Bogensport-Parcours gelernt habe: Zum Bogenschießen gehört viel Konzentration. Und man kann es schnell lernen, sollte sich aber nicht verrückt machen, wenn ein Pfeil mal daneben geht. Der Spaß sollte im Vordergrund stehen. Und den hatte ich auf jeden Fall.

Alle Teile der neuen Serie Abenteuer in der Region unter: www.saarbruecker-zeitung.de/sz-serien/sommerserie/

Alle Teile der neuen Serie Abenteuer in der Region unter: www.saarbruecker-zeitung.de/sz-serien/sommerserie/

Hier geht es zur Bilderstrecke: Spielend leicht Bogenschießen lernen auf dem Tholeyer Schaumberg