1. Saarland

Tobias Hans überrumpelte sie: Tierärzte im Saarland bereit für Corona-Impfungen

Wer impft künftig gegen Corona? : Überrascht von Hans-Vorstoß bei „Anne Will“: Tierärzte im Saarland bereit für Corona-Impfungen

Wer darf und wer soll impfen? Apotheken und Tierärzte sollen künftig mitmachen – zumindest, wenn es nach Tobias Hans geht. Viel ist aber noch unklar.

Dass er und seine Kolleginnen und Kollegen gebraucht werden, hat Dr. Arnold Ludes durch Zufall erfahren. In einer Talkshow am Sonntagabend hat der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) vorgeschlagen, dass auch Apotheker, Zahn- und Tierärzte gegen Corona impfen sollen. In anderen Bundesländern werde diese Debatte bereits geführt, sagt der Präsident der Tierärztekammer des Saarlandes. Und dort gebe es aus der Ärzteschaft Vorbehalte dagegen, dass auch Tierärzte Menschen impfen dürfen. „Wir im Saarland sind noch nicht gefragt worden, ob wir helfen wollen“, sagt Ludes. Der Vorstoß im Fernsehen kam also etwas überraschend.

Dennoch: „Wenn Not am Mann ist, stehen Tierärzte natürlich zu Verfügung. Aber wir brauchen Rechtssicherheit für die Kolleginnen und Kollegen, die da sicher helfen werden“, sagt Arnold Ludes. Es seien in erster Linie Haftungsfragen, die geklärt werden müssten. Die Absicherung der Tierärzte beziehe sich nämlich eben nur auf Tiere, nicht auf die Behandlung von Menschen.

Höheres Tempo für dritte Impfung benötigt

Der Sozialverband VdK hat die Tierärzte nicht auf der Liste. Mit Blick auf „das stockende Tempo bei den Auffrischungsimpfungen“, wie es in einer Pressemitteilung des VdK heißt, fordert der Sozialverband, „alle Arzt-Praxen sowie Apotheken und Zahnärzte in die Impfaktion mit einzubeziehen und vulnerable Gruppen bevorzugt zu impfen“.

„Bis zum Jahresende haben laut Gesundheitsministerium 420 000 Menschen Anspruch auf eine Auffrischung. Vergangene Woche wurden laut Kassenärztlicher Vereinigung 18 800 Menschen durch 524 Arztpraxen und 14 mobile Impfteams nachgeimpft. Wenn wir im jetzigen Tempo weitermachen, brauchen wir bis Ende Februar – also gut 22 Wochen. Damit wir bis zum Jahresende durch sind, sind aber 10 000 Impfungen pro Tag nötig“, sagt VdK-Expertin Birgit Mohns-Welsch. Wie bei der ersten Impfaktion müssten besonders gefährdete Menschen bei den Auffrischungen priorisiert werden: „Das gilt insbesondere für bettlägerige schwerkranke Menschen, die zu Hause gepflegt werden“, fordert sie.

Apotheker im Saarland sind bereit für Corona-Impfungen

Auf die Apotheker könne man zählen, versichert Carsten Wohlfeil, der Geschäftsführer der Apothekerkammer des Saarlandes. Zumindest auf die 60 saarländischen Apotheken, die seit zwei Jahren in einem Modellversuch Grippeschutzimpfungen anbieten. „Wenn die Politik sagt, dass die Apotheken impfen sollen, wäre es ein Leichtes für diese 60 Apotheken, auch gegen Corona zu impfen“, sagt Wohlfeil.

Die rechtlichen Rahmenbedingen müssen natürlich geklärt werden, mahnt er. Mit der Haftung werde es keine Probleme geben. Die Apotheken, die gegen Grippe impfen, mussten diese neue Tätigkeit ihrer Betriebshaftpflicht anzeigen, erklärt er. Die Versicherung sei dadurch nicht teurer geworden, weil kein größeres Risiko angenommen wurde. Wohlfeil geht davon aus, dass das bei der Corona-Impfung nicht anders sein wird.

Wie sinnvoll es ist, das Impfen auf mehr Personal zu verteilen, entscheide sich auch an der Frage, wie viel zum Beispiel Apotheker und Tierärzte impfen pro Tag, gibt Tierarzt Dr. Arnold Ludes zu bedenken. Wenn eine Einheit Impfstoff geöffnet ist, müsse die auch schnell verimpft werden. Wenn etwa bei Tierärzten zu wenig geimpft würde, bestehe die Gefahr, dass nicht schnell genug verimpfte Dosen verfallen. Das sei dann auch nicht sinnvoll, sagt Ludes.