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1. FC Saarbrücken: Warum der Ton beim 1. FCS gerade rauer wird

Trainer Koschinat und die Dauer-Baustelle : Warum der Ton beim 1. FC Saarbrücken gerade rauer wird

Immerhin: Topstürmer Grimaldi kann im Spiel beim FSV Zwickau auflaufen. Doch FCS-Trainer Koschinat hat eine andere Baustelle, die zunehmend an den Nerven zu zerren scheint.

Der Ton wird rauer beim Fußball-Drittligisten 1. FC Saarbrücken. „Halt endlich mal die Fresse und konzentrier dich“, blaffte FCS-Trainer Uwe Koschinat Innenverteidiger Dennis Erdmann an – aus gut 40 Metern Entfernung quer über den Trainingsplatz: „Eine Halbzeit reicht nicht. Mach mal acht oder zehn gute Spiele. Dann hast du einen glücklichen Trainer.“

Wollte Koschinat im Abschlusstraining am Donnerstag vor der Partie beim FSV Zwickau (dieser Freitag, 19 Uhr) seinen Spieler kitzeln, oder geht ihm die ständige Baustelle in der Innenverteidigung auf die Nerven? Kapitän Manuel Zeitz konnte zuletzt nicht immer der stabilisierende Faktor sein, Pius Krätschmer fehlte häufig die notwendige Zweikampfhärte. Boné Uaferro ist nach seiner Achillessehnenoperation zwar auf dem Trainingsplatz zurück, bestreitet aber nur individuelle Läufe. Steven Zellner nimmt zumindest in Teilen am Mannschaftstraining teil. Vom Begriff „spielfähig“ sind beide noch weit entfernt. Nur Neuzugang Lukas Boeder spielte bisher zuverlässig und meist gut. So gesehen, braucht Koschinat einen Erdmann in Topform – und vielleicht ist es ein gutes Zeichen, dass der „Earthman“ nachdem er wochenlang auch im Training abgetaucht war, wieder den Mund aufmacht.

Der Bus nach Zwickau fuhr kurz nach 12 Uhr ohne Dominik Ernst ab, der Außenverteidiger hat einen grippalen Infekt, lag die Woche im Bett, ist aber negativ auf Corona getestet. Anders als Stürmer Minos Gouras, der noch eine erhöhte Viruslast aufweist und nicht zur Verfügung steht. Auch Torwart Marcel Johnen kommt erst 2022 zurück. Dafür war mit dem vereinslosen luxemburgischen Nationaltorwart Lucas Fox ein 21-jähriger Testspieler da. „Unser Torwarttrainer Michael Weirich hat immer die Augen auf“, erklärte Sportdirektor Jürgen Luginger, „wir wollen uns den Jungen mal anschauen.“

Die unangefochtene Nummer eins Daniel Batz (Patellasehnenreizung) und Defensivmann Rasim Bulic (Pferdekuss) werden aber ebenso spielen können wie Topstürmer Adriano Grimaldi (muskuläre Probleme). So wird Sebastian Jacob voraussichtlich zunächst auf der Bank Platz nehmen müssen. „Die Frage ist immer: Welche elf besten Spieler bringst du?“, sagte Koschinat, „man muss ja auch bedenken, dass Grimaldi vielleicht nicht die komplette Zeit spielen kann.“

Genau das hat den FCS in den vergangenen beiden Spielen ausgezeichnet. Die Siege in Lotte gegen den SC Verl (4:2) und zuhause gegen Viktoria Berlin (2:0) gehen zu hohem Maße auf das Konto der Einwechselspieler. Besonders Justin Steinkötter und Maurice Deville war es gelungen, sich als Joker für längere Einsatzzeiten zu empfehlen. Koschinat ist hin und hergerissen. Zum einen muss er Leistung honorieren, um den Konkurrenzkampf am Leben zu halten. Zum anderen gibt es Trainer und Mannschaft auch ein gutes Gefühl, zu wissen, dass man von der Bank aus eine Partie auch noch einmal kippen kann. „Es ist eine Veränderung zum letzten Jahr“, sagte Koschinat, „in der letzten Saison hat der FCS nahezu immer gewonnen, wenn er gut gespielt hat. Hat er nicht gut gespielt, hat er automatisch nicht gepunktet.“

Fleißig Zähler gesammelt hat zuletzt auch der FSV Zwickau. Die Schwäne sind seit neun Spielen ungeschlagen. Und das, obwohl bei den Sachsen die Pandemie besonders heftig zugeschlagen hat – die Inzidenz in Zwickau liegt über 1000, die Partie wird ohne Zuschauer ausgetragen. Beim 2:2 bei Türkgücü München am Montag musste der FSV auf den positiv getesteten Trainer Joe Enochs verzichten. „Joe und ich haben am gleichen Tag Geburtstag“, sagte Koschinat, „ich würde mich sehr freuen, wenn ich ihn im Stadion sehen würde.“