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Gabriel "Gaga" Clemens bei WM im Darts: Weihnachten im Hotel droht

Saarländer bereitet sich auf Darts-WM vor : Gaga „droht“ das nächste Weihnachten im Hotel

Machbare Auftaktaufgabe, strenge Corona-Vorschriften: Der Saarländer Gabriel Clemens reist als bester Deutscher zur Darts-WM nach London. Wir haben ihn vorab getroffen und mit ihm über das Turnier geredet.

Es wirkt ein bisschen skurril, wenn Gabriel Clemens in seinem Trainingszentrum in Reisbach am Tisch sitzt und vom Angeln erzählt. Der knapp zwei Meter große „German Giant“, der beste Dartsspieler Deutschlands, sitzt entspannt auf einem Stuhl. Und es hat den Anschein, als wäre die Saison längst vorbei und er im Urlaub. Dabei geht sie erst richtig los.

An diesem Mittwoch beginnt im Londoner Alexandra Palace die Darts-Weltmeisterschaft – der Höhepunkt der Saison, mit voller Halle und aktuell explodierenden Zahlen der Corona-Omikron Variante in England. „Was soll ich mich jetzt schon verrückt machen. Ich bin doch erst nächste Woche dran“, sagt Gabriel Clemens mit stoischer Ruhe. Aber da muss es doch langsam mal kribbeln. Deutschland will langsam aber sicher einen Titel im Darts-Sport. Am besten schon den Weltmeistertitel bei dieser WM.

„Ach, ein Titel wird schon irgendwann kommen. Auf der anderen Seite würde es mich aber auch nicht stören, wenn meine Entwicklung in den nächsten zehn Jahren so weitergeht und ich keinen Titel gewinne“, sagt „Gaga“, wie er in der Darts-Szene genannt wird. Seine Entwicklung ist seit seinem Karrierestart im Jahr 2018 im Alter von 34 Jahren nicht typisch für Darts-Spieler. Viele gewinnen überraschend Turniere, schießen in der Weltrangliste nach oben und sind fast genauso schnell wieder verschwunden.

Gabriel Clemens klettert in der Weltrangliste Jahr für Jahr nach oben. Vor der WM im vergangenen Jahr war Gaga auf Platz 31 der Weltrangliste, und in diesem Jahr ist er auf Platz 25. In dieser Saison konnte sich der Saarländer zum zweiten Mal in Folge für alle Major-Turnier auf der Profi-Tour qualifizieren. Allerdings konnten viele kleinere Turniere coronabedingt nicht gespielt werden.

War ein Vorteil für Gaga, dass fast immer nur die Großen der Szene bei den großen Turnieren unter sich waren? „Nein, war es nicht. Aufgrund meiner Position in der Weltrangliste wäre ich für alle Turniere direkt qualifiziert gewesen. Ich hätte noch deutlich mehr Punkte machen können“, sagt Clemens und legt nach: „Im Sommer war ich über einen Zeitraum von zweieinhalb Monaten entweder in Quarantäne oder in einer Spielblase bei Turnieren. Ich durfte in der Zeit noch nicht mal einkaufen gehen. Ich bin froh, wenn das alles noch mal normal läuft“.

Trainieren konnte der Saarwellinger trotzdem. Der Bürgermeister seines Heimatortes erlaubte es ihm, in der Quarantäne-Zeit ins Trainingszentrum zu fahren. „Das war eine tolle Geste. Ich bin dort ja ohnehin alleine und habe keine Kontakte.“

Die nächste Quarantäne steht für Gabriel Clemens und seine Freundin Lisa ab kommendem Montag an. Dann startet die WM-Reise nach London. Am Flughafen müssen sie einen PCR-Test machen, danach ins Hotel und auf das Ergebnis warten. Läuft alles nach Plan, spielt der an Position 25 gesetzte Saarländer am 23. Dezember in der zweiten Runde entweder gegen den Waliser Lewy Williams oder den Japaner Toyokazu Shibata. „Gegen Lewy habe ich schon gespielt und gewonnen, aber den Japaner kenne ich überhaupt nicht. Er soll ein guter Elektronik-Darts-Spieler sein“, sagt Gaga.

Auf die leichte Schulter wird der Favorit das Zweitrunden-Spiel im „Ally Pally“ nicht nehmen. „Die Zeiten sind vorbei, in denen du einfach mal so gegen einen gewinnst. Wenn du heute nicht dein Topspiel ans Board bringst, verlierst du gegen die Nummer 100 der Welt schneller als du gucken kannst“, sagt der 38-Jährige.

Sollte er verlieren, reist er am 24. Dezember wieder zurück ins Saarland. Bei einem Sieg würde er Weihnachten in London feiern und am 27. Dezember aller Voraussicht nach gegen die Nummer acht der Welt, Jonny Clayton, spielen. Bereits im vergangenen Jahr mussten Gaga und seine Freundin wegen des Lockdowns die Feiertage in London verbringen. „Das war verrückt. Wir durften nicht aus dem Hotel. Alle Spieler, die noch im Turnier waren, mussten sich an Heiligabend Essen bestellen. In diesem Jahr sind wenigstens die Restaurants auf, und wir dürfen raus“, erzählt Clemens.

17 500 Euro hat Clemens für die zweite Runde schon sicher. Gewinnt er, erhält er 29 200 Euro. Der Weltmeister bekommt nach dem Finale am 3. Januar 585 000 Euro. Im vergangenen Jahr schlug Clemens Weltmeister Peter Wright und vergab im Achtelfinale gegen den Polen Krzystof Ratajski sieben Matchdarts. Und in diesem Jahr? „Ich bin selber mal gespannt, was passiert“, sagt Gaga, grinst und zuckt wieder lässig mit den Schultern.