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Öffentlche Schlammschlacht in den Führungsgremien des LSVS

Kostenpflichtiger Inhalt: Öffentlicher Streit im eigenen Verbandsmagazin : Historische Schlammschlacht im LSVS

Die Führungspersonen im Landessportverband greifen sich im eigenen Verbands-Magazin gegenseitig in bisher nicht gekannter Form an.

Die zarte Hoffnung, dass beim Landessportverband für das Saarland (LSVS) nach gut zweieinhalb Jahren Turbulenzen rund um den Finanzskandal Ruhe einkehrt, ist spätestens seit Dienstagnachmittag dahin. Da erschien die neue Ausgabe des Verbandsmagazins „SaarSport“, zu finden auf der Internetseite des Verbandes www.lsvs.de. Und was dort auf den ersten Seiten zu lesen ist, ist eine öffentlich ausgetragene Schlammschlacht, die es in dieser Form in der Geschichte des saarländischen Sports noch nicht gegeben hat.

Im Mittelpunkt stehen LSVS-Präsident Adrian Zöhler, der ehemalige LSVS-Sanierer Michael Blank (aktuell sogenannter „Chief Restructuring Officer“, kurz CRO), LSVS-Aufsichtsrats-Vorsitzender Heinz König und Bodo Wilhelmi, zurückgetretenes Aufsichtsratsmitglied, aber immer noch im Präsidium des LSVS. Die Protagonisten greifen sich in Interviews in dem Verbands-Organ gegenseitig in schärfster Form an, bezichtigen sich der Lüge und machen sich gegenseitig für Verfehlungen verantwortlich. Damit hat der LSVS-Skandal trotz der zwischenzeitlichen finanziellen Konsolidierung einen neuen Höhepunkt erreicht, dessen Tragweite noch nicht abzuschätzen ist.

Ausgangspunkt des nun offen ausgetragenen Streits ist die Besetzung der beiden neuen hauptamtlichen Vorstandsposten, die den LSVS künftig führen sollen. Um diese beiden Personen zu finden, wurde Ende Januar erstmals ein LSVS-Aufsichtsrat gewählt, der aktuell einzig und allein dafür zuständig ist. Schon die Wahl der neun Aufsichtsrats-Mitglieder sorgte bei dem ein oder anderen im LSVS-Präsidium für Verstimmung, wurden doch überraschend Heinz König und seine Vertreterin Margit Jungmann an die Spitze gewählt. LSVS-Vize Wilhelmi war dabei König klar unterlegen – eine Niederlage, die schmerzte.

Die Dissonanzen und unterschiedlichen Vorstellungen im LSVS-Aufsichtsrat, in den neben Wilhelmi noch Zöhler, Frank Liedke, Sabine Glück und Margret Klein-Raber vom alten Präsidium gewählt wurden, traten in den folgenden Wochen und Monaten während der Vorbereitung des Auswahlverfahrens für die beiden Vorstände immer mehr zutage. Zwar wurden „alle Beschlüsse des Aufsichtsrats in dieser Sache einstimmig gefällt“ (König). Doch nachdem die Bewerber-Runden abgeschlossen waren und laut König „zwei hervorragende Leute gefunden“ wurden, gab es einen Einspruch gegen das Verfahren – mit gravierenden Folgen.

Karin Becker, aktuell Hauptgeschäftsführerin des LSVS, hatte sich für die Stelle des Vorstandsposten Sport beworben, wurde aber nicht zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Der Grund: Der Aufsichtsrat legte sich beim Kriterium „mehrjährige Führungserfahrung“ auf fünf Jahre fest. Dies erfüllte Becker nicht und wollte mit Hilfe eines Anwalts einstweiligen Rechtsschutz bei Gericht beantragen. Laut CRO Blank hätten Aufsichtsrat und Präsidium auf sein Anraten hin beschlossen, einen externen Anwalt für Arbeitsrecht einzuschalten. Das Innen- und Sportministerium des Saarlandes als Rechtsaufsicht habe dann die „Notbremse“ gezogen und das Verfahren gestoppt.

Mittlerweile haben weitere Vorstellungsgespräche stattgefunden – auch mit Karin Becker. Während die allerdings laut Aussage von LSVS-Präsident Zöhler im neuen „SaarSport“-Magazin mittlerweile eine Absage erhalten hat, konnte ein neuer Bewerber nach SZ-Informationen zumindest die Hälfte des Aufsichtsrats überzeugen. Das führt nun zu einer lähmenden Patt-Situation, denn seit dem Rücktritt von Bodo Wilhelmi besteht der Aufsichtsrat nur noch aus acht Personen, sodass auch eine 4:4-Abstimmung möglich ist.

Nach den Aussagen im aktuellen „SaarSport“-Magazin scheint es kaum vorstellbar, dass sich die handelnden Personen überhaupt noch einmal annähern können. Die Berufung der beiden neuen Vorstände droht zu einer wochen-, ja vielleicht sogar monatelangen Hängepartie zu werden. Eine Hängepartie, für die keiner verantwortlich sein will. „Die Verzögerung des Bewerber-Prozesses hat ausschließlich der Aufsichtsratsvorsitzende zu vertreten“, sagt CRO Blank und wirft Heinz König zudem die „Verletzung des Grundsatzes der Transparenz“ vor. König habe „nicht von sich aus mitgeteilt, dass er einen Bewerber aus gemeinsamer Arbeit kennt, obwohl er zuvor alle anderen Gremienmitarbeiter streng nach einer persönlichen Betroffenheit, sprich Befangenheit, befragt hatte“. Diese „Unredlichkeit“ (Blank) habe auch zum Rücktritt von Bodo Wilhelmi geführt.

Offen ist, wie die in der Öffentlichkeit noch nicht bekannten Wunschkandidaten für die Vorstandsposten die zugespitzte Ausgangslage bewerten. Es geht um Kündigungsfristen, aber auch um die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.