1. Sport
  2. Saar-Sport

Saarländischer Turnerbund will Turn-Zentrum zum 31. Juli auflösen

Sportgymnastinnen stehen vor dem Aus : Saarländischer Turnerbund will Turn-Zentrum auflösen

Der Saarländische Turnerbund will das Turn-Zentrum zum 31. Juli auflösen. Die Eltern der jungen Athletinnen wehren sich vehement.

Die Rhythmische Sportgymnastik (RSG) im Saarland steht vor dem Aus. Der Saarländische Turnerbund (STB) möchte die Trainingshochburg an der Sportschule in Saarbrücken, das sogenannte „Turn-Zentrum“, zum 31. Juli dieses Jahres auflösen. Das würde das Ende des Landeskader-Trainings bedeuten – und wohl auch das Ende der saarländischen Bundesligamannschaft, der RSG Saar, die von den Vereinen TV St. Wendel, Frauensport Saarbrücken, TV Brebach und TV Fechingen gebildet wird.

Die Eltern der Athletinnen schlagen Alarm, seit sie in der vergangenen Woche von der Entscheidung überrumpelt wurden. Die Athletinnen seien zurzeit mitten in den Vorbereitungen für die Deutschen Meisterschaften, die in dieser Woche in Dortmund stattfinden. Außerdem sind einige der Athletinnen auf Eliteschulen des Sports, und ihre Noten in der Rhythmischen Sportgymnastik gehen in die Abitur-Note ein.

Der STB hat den Eltern in einem Schreiben, das der Saarbrücker Zeitung vorliegt, ein Angebot unterbreitet, dass das Landestraining ein Jahr fortgesetzt werden könne, wenn die Eltern den doppelten Monatspreis bezahlen würden. Ein Angebot, das die Eltern so nicht akzeptieren werden – genau wie die Argumentation des STB, wieso das DTB-Turn-Zentrum aufgelöst werden soll. In der schriftlichen Erklärung des STB heißt es, dass die Rhythmische Sportgymnastik im Olympiazyklus 2021 bis 2024 nicht mehr zur Förderstufe 3 gehört, sondern nur noch zur Förderstufe 2. Die Gründe: Der STB und der Deutsche Turner-Bund (DTB) seien international immer weniger konkurrenzfähig, die Anzahl der RSG-treibenden Vereine im Saarland sei weiter gesunken (nur noch drei Vereine), alle Gymnastinnen des Turn-Zentrums kommen bis auf eine Ausnahme aus einem einzigen Verein sowie die fehlende Zusammenarbeit der RSG treibenden Vereine im Saarland.

 Xenia Mauer gehört zu den talentiertesten saarländischen Sportgymnastinnen.
Xenia Mauer gehört zu den talentiertesten saarländischen Sportgymnastinnen. Foto: RSG

Die Eltern wehren sich. Der STB sei selbst für den Sturz der Sportgymnastik von Förderstufe 3 in Förderstufe 2 verantwortlich, weil er Anfang des Jahres entschieden habe, das Prädikat nicht mehr beim DTB zu beantragen. Dadurch habe der STB die RSG selbst in die Stufe 2 abgestuft. In einer Reaktion auf das Schreiben des STB heißt es weiter: „Der STB hatte als DTB-Turn-Zentrum die Aufgabe, elf- bis 14-jährige Gymnastinnen für die Bundesleistungszentren und die Nationalmannschaft vorzubereiten. Das wurde auch immer erfüllt, indem sich saarländische Gymnastinnen regelmäßig am Bundesstützpunkt in Schmiden vorgestellt haben. Zuletzt trainierte dort Xenia Mauer insgesamt eineinhalb Jahre mit der Juniorenmannschaft.“ Auch an der Anzahl der RSG treibenden Vereine habe sich nie groß etwas geändert. „Die Anzahl der RSG treibenden Vereine war nie nennenswert höher. Auch war es nie ein Problem, als vor etwa 30 bis 40 Jahren alle saarländischen Gymnastinnnen für den TV Rehlingen gestartet sind“, erklären die Eltern weiter.

Eltern, die einen Großteil der finanziellen Unterstützung selbst tragen. Außer dem Landestraining, das vom STB finanziert wird, tragen die Eltern die Kosten für Trainings-, Wettkampffahrten, Übernachtungskosten, Trikots oder Geräte. Insgesamt mehrere Tausend Euro im Jahr, heißt es. Was die Zusammenarbeit der drei RSG treibenden Vereine angeht, könne derzeit gar keine Zusammenarbeit im Altersbereich der zehn Gymnastinnen stattfinden, da die anderen beiden Vereine keine Gymnastinnen in dieser Alters- und Leistungsklasse haben.

Das Gesamtfazit der Eltern fällt deftig aus. „Die Argumente des STB sind vorgeschoben, weil die RSG – warum auch immer – nicht mehr gewollt ist.“ Am Mittwochabend in einer Woche findet eine Videokonferenz zwischen Eltern und STB statt.

Ungewiss ist auch die Zukunft von RSG-Landestrainerin Karin Schalda-Junk. Geht es nach dem STB, verliert Karin Schalda-Junk am 1. Juli ihre Stelle. Die Landestrainerin ist auch Sportlehrerin der RSG-Mädels am Gymnasium am Rotenbühl in Saarbrücken. Ob das Training der Mädchen dort weitergehen kann, ist ebenfalls ungewiss. Offenbar scheint der STB mögliche Einsparungen durch eine geplante RSG-Auflösung schon verplant zu haben. Für den 1. Juli sucht der Verband jedenfalls eine zusätzliche, hauptamtliche Trainerin für das Gerätturnen weiblich und hat für diesen Bereich noch weitere Stellen ausgeschrieben.