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Saarland Hurricanes: Quarterback Josh Goldin fühlt sich im Saarland wohl

American Football im Saarland : „Ich will den German Bowl gewinnen“ – Quarterback Goldin lässt die Hurricanes wirbeln

Der Quarterback aus Denver hat den Aufsteiger bis ins Playoff-Viertelfinale geführt. Jetzt geht’s gegen die Cologne Crocodiles.

Vier Jahre lang spielte Footballer Josh Goldin in seinem College-Team in den Vereinigten Staaten quasi keine Rolle. Der 23-jährige Quarterback entschied sich daraufhin für einen radikalen Schritt, flog über den großen Teich und schloss sich im Frühjahr 2021 dem Bundesliga-Aufsteiger Saarland Hurricanes an. Das Ergebnis: Als unumstrittener Chef auf dem Spielfeld führte Goldin sein Team in die Playoffs. An diesem Sonntag (15 Uhr) empfangen sie im Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft im Saarbrücker Ludwigsparkstadion die Cologne Crocodiles.

„Mein Ziel mit den Hurricanes? Ich will den German Bowl gewinnen“, antwortet Goldin so gelassen und selbstverständlich, dass man es nicht nur als Sportler-Getöse abtun möchte. Als Aufsteiger mit einem so jungen Team den German Bowl, also die deutsche Meisterschaft, zu gewinnen, wäre nichts weniger als eine Sensation. Und dennoch: Goldin ist von sich und seinem Team fest überzeugt. „Ich darf hier mit einer starken Offensive zusammenspielen, und wir haben mit Cheftrainer Christos Lambropoulus und Offensivtrainer Paul Zahlen für einen Quarterback großartige Trainer“, sagt der US-Amerikaner, der sich darüber hinaus voll mit dem Verein und auch der Region identifiziert: „Ich mag das Saarland sehr. Vor allem die familiäre Atmosphäre. Hier kennt jeder jeden, und die Kultur und die Menschen hier sind definitiv freundlicher und wärmer als in anderen Teilen Deutschlands“, hat er schnell festgestellt.

Auch die ausgeprägte Vereinsstruktur, die es in den USA so nicht gibt, hat es ihm angetan. „Es gibt viele Ehrenamtliche, was ich sehr mag. Es dreht sich nicht immer nur um das Geschäft, es geht vielmehr um die Menschen, die sich rund um das Team einbringen“, sagt Goldin, der sich selbst als Nachwuchstrainer engagiert. Dass in der hiesigen Football-Szene trotzdem eine große Professionalität herrscht, hat ihn überrascht. „Ich finde es echt stark, dass die Hurricanes eine eigene Jugendabteilung und sogar eine Frauenmannschaft haben“, sagt er und ergänzt: „Es ist cool, ein Teil davon zu sein, das Spiel hier populärer zu machen.“

Goldin stammt aus Denver im US-Bundesstaat Colorado, wo er im Alter von sechs Jahren mit dem Footballspielen anfing. Später hatte er sich auch in anderen Sportarten wie Basketball versucht, aber stellte schnell fest: „Football ist einfach das Spiel, das ich liebe.“ Genauso schnell war klar, welche Position für ihn infrage kommt: die des Quarterbacks, also des Spielmachers.

Goldin liebt die mentale Herausforderung dieser zentralen Rolle auf dem Feld, übernimmt gerne Verantwortung und geht voran. Als Anführer will er seine Mitspieler wie sich selbst dazu bringen, weiter hart an sich zu arbeiten. Für ihn selbst bedeutet dies, sich immer neue Tricks auszudenken und umzusetzen, um physisch oder technisch überlegene Gegenspieler zu überlisten.

In den Vereinigten Staaten bekam er zuletzt nicht oft Gelegenheit dazu. Beim D1 College der Colorado Buffaloes musste er sich hinter Steven Montez, inzwischen NFL-Star bei den Detroit Lions, mit der Rolle des Ersatzmannes abfinden. Der für die Personalplanung zuständige Canes-Sportvorstand Paul Motzki hat ihn schließlich ins Saarland gelotst. „Wir sind sportlich gesehen ein Risiko eingegangen. Josh hatte in den vergangenen vier Jahren nicht einen Spielzug gemacht. Deshalb musste ich meinen Vorstandskollegen schon ein paar Fragen beantworten“, erinnert sich Motzki: „Sein enormer Football-Sachverstand und vor allem seine Charaktereigenschaften gaben letztlich den Ausschlag. Wie man sieht, hat sich das Risiko ausgezahlt.“

Und zwar mit dem Erreichen der Playoffs. „Man geht nie als Aufsteiger in die erste Bundesliga-Saison mit der Erwartung, die Playoffs – geschweige denn die Vizemeisterschaft in der Staffel – zu erreichen“, sagt Motzki. Die Saarland Hurricanes waren im Süden die zweitbeste Mannschaft hinter dem Titelfavoriten Schwäbisch Hall Unicorns. Nur gegen sie verloren die Canes ihre regulären Saisonspiele. „Unsere Erwartungen sind schon deutlich übertroffen“, sagt Motzki: „Wir befinden uns in der erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte.“ Auch dank Quarterback Josh Goldin. Und vorbei sein soll sie nach dem Viertelfinale am Sonntag noch nicht.