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SFV-Vizepräsident Adrian Zöhler vor dem Saisonstart im Amateurfußball

Kostenpflichtiger Inhalt: SFV-Vizepräsident Adrian Zöhler vor dem Saisonstart im Amateurfußball : „Es ist jetzt auch Disziplin gefragt“

Der Vizepräsident des Saarländischen Fußballverbandes (SFV) Adrian Zöhler appelliert an Spieler und Zuschauer, die Corona-Regeln einzuhalten, und hofft trotz des Virus auf eine Hallenrunde.

Am kommenden Mittwoch startet die neue Saison in der Fußball-Saarlandliga und damit auch die neue Runde im saarländischen Amateurfußball. Adrian Zöhler, der Vizepräsident des Saarländischen Fußballverbandes (SFV), spricht über den Auftakt in Corona-Zeiten, die Risiken und über das drohende Aus der Hallensaison mit dem Masters.

Herr Zöhler, am kommenden Mittwoch startet der Amateurfußball im Saarland in die Saison 2020/2021. Wie gut ist der Verband und wie gut sind die Vereine auf diese mit vielen Fragezeichen versehene Spielzeit vorbereitet?

ADRIAN ZÖHLER Ich bin mehr als froh, dass es endlich wieder losgeht. Ich bin froh, dass wir endlich wieder Fußball spielen können. Das war unser Ziel als Vorstand. Wir haben im Vorfeld versucht, all die Dinge aufzubereiten und den Vereinen mitzuteilen, die dafür notwendig sind. In dieser Woche sind beispielsweise Hygieneregeln als One-Pager (Übersicht auf einer Seite, Anmerkung der Red.) versandt worden, um darauf hinzuweisen, was es zu beachten gilt. Auch für die Zuschauer. Dazu gibt es auch eine ganz aktuelle Online-Information, in der alle Themen rund um Corona zusammengefasst sind.

Dennoch ist die Lage unübersichtlich, die Verfügungslage kann sich in den verschiedenen Kommunen deutlich unterscheiden.

ZÖHLER Es gibt saarlandweite Verfügungen. Aber auch die Gemeinden definieren ihre Regeln über die einzelnen Ortspolizeibehörden. Da können wir als Verband nicht jedem Verein eine individuelle Lösung zur Verfügnung stellen, vielmehr müssen die Vereine selbst mit den Behörden eng zusammenarbeiten, um zu schauen, wie sie die Hygienekonzepte umsetzen können. Insgesamt sehen wir uns so gut gerüstet, wie man es in einer solchen Ausnahmesituation sein kann.

Dennoch fühlen sich manche Ehrenamtliche mit der Verantwortung alleine gelassen.

ZÖHLER Das kann ich durchaus nachvollziehen. Aber die Vereine müssen selbst Dinge aktiv angehen. Ich appelliere an alle – Spielerinnen und Spieler, die Vereine mit ihren Clubheimen, aber auch und besonders an die Zuschauer – sich an die Vorgaben zu halten und es den Vereinsvertretern nicht zusätzlich schwer zu machen.

In den letzten Wochen gab es auch bei Vereinen Corona-Fälle. Den massivsten beim SSV Überherrn, dem Verein Ihres Vizepräsidenten Bernhard Bauer. Während der Saison bedeuten positive Tests Spielausfälle. Wie viele solcher Ausfälle kann der Terminplan aushalten?

ZÖHLER Da gibt es keine Quote. Wir müssen auf Sicht fahren und sehen, wann es nicht mehr geht. Wir haben wenige Fälle, aber es gibt im Saarland 2000 Mannschaften. Darum darf man das auch nicht zu negativ sehen.

Es gab zuletzt die Saarlandpokal-Woche mit Zuschauern und ohne. Welche Erkenntnisse und Lehren konnte man daraus ziehen – gerade aus den Spielen mit Publikum?

ZÖHLER Wir haben daraus wieder gelernt. Wir haben beispielsweise vom Gesundheitsamt der Stadt Dillingen positive Rückmeldungen und Lob für den FV Diefflen bekommen, der das Viertelfinale gegen den 1. FC Saarbrücken ausgerichtet hat. Ich bin auch froh, dass in Auersmacher beim Spiel gegen die SV Elversberg kein Infektionsherd entstanden ist, auch das kann man jetzt feststellen. Es hat sich gezeigt, dass der Verein viel vorbereiten kann, aber es sind immer die Menschen, die sich daran halten müssen.

Viele haben nicht verstanden, dass das Pokalfinale Elversberg gegen FC Homburg an der Kaiserlinde ohne Zuschauer ausgetragen wurde, die SVE ab sofort an gleicher Stelle aber vor 700 Fans in der Regionalliga spielen wird.

ZÖHLER Wir hätten 70 bis 80 Ordner stellen müssen, die wir als Verband nicht hätten selbst besetzen können. Und das bei weniger als 600 zugelassenen Zuschauern. Hätten wir die Kosten gegengerechnet, wären die Karten unverhältnismäßig teuer geworden. Das hätte niemandem etwas gebracht. Übrigens wurde ja auch das Halbfinale in Homburg gegen den FCS ohne Zuschauer gespielt. Die SVE hat ein eigenes Konzept erarbeitet. Niemand will Geisterspiele. Darum ist jetzt auch Disziplin gefragt. Ich kann mir vorstellen, dass wenn die Runde nach der langen Pause wieder losgeht, es viele Menschen wieder auf die Sportplätze zieht.

Monate ohne Spielbetrieb bedeutete für die Vereine und den Verband auch finanzielle Einbußen. Allein der SFV hatte etwa 500 000 Euro Schaden angegeben. Der sogenannte Rettungsschirm des Landes öffnete sich spät und war längst nicht so groß wie erhofft.

ZÖHLER Ich bin froh, dass es überhaupt eine Unterstützung gab, auch wenn die sich hingezogen hat. Sie wurde – so meine Rückmeldung – unkompliziert ausgezahlt. Die Erwartungshaltung ist immer größer, und jeder Verein hätte sich gefreut, wenn mehr Geld ausgezahlt worden wäre. Der Verband hat keine Unterstützung bekommen. Wir haben darum genau hingeschaut, wo wir Geld sparen und wo neues generieren können. So konnten wir die Zusammenarbeit mit der Firma Schröder ausweiten. Darum heißt die Saarlandliga jetzt Schröder-Liga Saar. Solche Partnerschaften führen letztlich dazu, dass wir nach wie vor freiwillige Zahlungen an Vereine durchführen können.

Am 19. September findet der ordentliche Verbandstag statt, an dem auch der neue Präsident des SFV dann gewählt wird. Vor ziemlich genau einem Jahr standen Sie und Ihr Präsidium massiv in der Kritik. Zuletzt wurden Sie als Krisenmanager häufig gelobt. Zöhler dank Pandemie vom Saulus zum Paulus des Saarfußballs?

ZÖHLER Nein. Corona ist eine Ausnahmesituation, die mich und das ganze Team sehr viel Kraft gekostet hat. Der Einsatz hat sich gelohnt, weil wir den Vereinen helfen konnten. Wir sind neue Wege gegangen mit dem digitalen Verbandstag, mit virtuellen Schulungen, mit Videokonferenzen mit Vereinen. Das hätte ich vor einem Jahr nicht für möglich gehalten. Jetzt ist es wichtig, auf dem Verbandstag ein Team zu wählen, das mit voller Kraft die anstehenden Aufgaben angeht.

Sie haben mit der „Mannschaft 2020“ ein Team zusammengestellt, auch die Mitbewerber Udo Hölzer und Thorsten Klein haben sich positioniert. Von letzterem gab es jüngst aber ein Gesprächsangebot. Worum ging es?

ZÖHLER Das Gespräch fand statt. Thorsten Klein hat mir als Initiator von „Vereine Vor“ die Ideen der Gruppe vorgestellt. Darüber denken wir jetzt nach. Wir haben vereinbart, dass wir uns noch mal austauschen. Über Inhalte werden wir vorher nicht öffentlich sprechen.

Das klingt nach großer Koalition.

ZÖHLER Nein. Keine große Koalition. Es geht vielmehr darum, was den Fußball voranbringt. Es stärkt den Fußball, wenn sich möglichst viele Menschen um den Fußball kümmern. Ob das immer im Vorstand sein muss, ist eine andere Sache.

Weg vom Personal, hin zum Inhalt. Mit dem 1. FC Saarbrücken hat das Saarland endlich wieder einen Verein im Profifußball, auf der anderen Seite kämpfen viele kleine Vereine, die in ihren Orten immer auch identitätsstiftend waren, ums Überleben. Die Zahl der Spielgemeinschaften nimmt zu. Wie bekommt man den gesamten Saarfußball unter einen Hut?

ZÖHLER Der Fußball ist heterogen, und darum müssen wir sehen, wo wir unsere Topmannschaften unterstützen können. Das geht nicht finanziell, sondern durch Know-how und durch Lobby-Arbeit gegenüber Regionalverband und DFB. Ich freue mich sehr, dass der FCS aufgestiegen ist. Es gilt aber auch, dem Verein auf dem Dorf zu helfen. Es gibt immer noch viele Menschen, die froh sind, zu ihrem Verein zu gehen.

Ein großes Problem ist der Nachwuchs. Die Zahl der Jugendmannschaften ist laut offiziellen Verbandsangaben von 1531 im Jahr 2008 auf aktuell 1056 gesunken. Läuft dem Volkssport Fußball im Saarland das Volk weg?

ZÖHLER Unsere Anmeldungen stehen im Verhältnis zum Rückgang der Geburtenzahlen. Aber auch das Angebot ist größer geworden. Deshalb ist es wichtig, jetzt wieder einzusteigen. Fallen Training und Spiel noch länger aus, ist die Gefahr groß, dass sich mehr Jugendliche abwenden hin zu Playstation und anderen Dingen. Darum war es uns immer ein Anliegen, dass vor allem unsere Mädchen und Jungen wieder zum Fußballspielen kommen und ihre Vereine wieder erleben können.

Sehr bald kommt der Dezember. Die große Hallensaison mit dem Masters als Abschluss ist aktuell schwer vorstellbar, oder?

ZÖHLER Ich wünsche mir, dass es funktioniert. Wir müssen die Lage abwarten. Der bisherige Stufenplan der Politik für Veranstaltungen ist ja außer Kraft gesetzt. Es wäre bitter, wenn die Hallensaison nicht gespielt werden kann, aber die Gesundheit hat immer Vorrang. Die Turniere sind auch Einnahmequellen der Vereine, die sie dringend benötigen.

Hat Corona Vereine und Verband wieder angenähert – wenn es denn diese Kluft überhaupt gegeben hat?

ZÖHLER Das Leben geht trotz Corona weiter. Der Sport geht trotz Corona weiter. Darum müssen wir immer sehen, welche Lösungen wir gemeinsam finden können.