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Kurioser Wechsel in der 3. Liga: Wie Nico Antonitsch zur SV Elversberg kam​

Vom Vierten zum Ersten : Kurioser Wechsel: Wie Nico Antonitsch zur SV Elversberg kam

Innenverteidiger Nico Antonitsch dürfte an diesem Samstag im Spitzenspiel gegen Wehen Wiesbaden direkt in der Elversberger Startelf stehen. Wie der plötzliche Wechsel zustande kam und was die Fans von dem Neuzugang erwarten können.

Ein bis zwei Mal am Tag Training auf dem Fußballplatz und ansonsten im Hotelzimmer Bilder und Videos schauen – das ist aktuell der Tagesablauf von Nico Antonitsch, dem neuen Innenverteidiger des Fußball-Drittligisten SV Elversberg. „Das Trainerteam hat mir einen ganzen Ordner mit Fotos und Videos zur Verfügung gestellt, die ich mir zurzeit mehrfach ansehe. Aber ich habe im Hotel ja Zeit, und es macht Spaß“, sagt Antonitsch.

SV Elversberg: Antonitsch freut sich auf offensiven Fußball

Der 31-jährige Österreicher ist erst in der vergangenen Woche vom Ligakonkurrenten FC Ingolstadt zur SVE gewechselt. An diesem Samstag (14 Uhr) hat die SVE ihr erstes Ligaspiel beim SV Wehen Wiesbaden. Antonitsch schaut sich auf den Videos nicht die Spielweise der Gegner an, er studiert das Verhalten der eigenen Mannschaft. Trainer Horst Steffen spielt mit seinem Team offensiv, fordert von den Innenverteidigern, dass sie sich nach vorne einschalten und wechselt während den 90 Minuten gerne mal von Vierer- auf Dreierkette in der Abwehr.

„Welche taktischen Sachen ich mir von uns ansehe, werde ich natürlich nicht verraten. Grundsätzlich finde ich den offensiven Fußball hier in Elversberg aber sehr spannend und freue mich darauf“, sagt der Innenverteidiger, der durchaus Offensiv-Qualitäten mitbringt. Tore hat Antonisch immer erzielt, bei allen seinen Stationen. „Die meisten natürlich als Innenverteidiger nach Standards. In Österreich war ich ich bis zur U17 Stürmer und auch regelmäßig Torschützenkönig. Ich weiß schon, wie man sich in der Offensive bewegen muss“, sagt er.

Vom Torschützenkönig zum Verteidiger

Und wieso kam dann der Wechsel in die Abwehr? „Ein Trainer hat es mal ausprobiert, und es hat ihm und mir gut gefallen. Als Stürmer musst du ab und an auch mal egoistisch sein, und das ist nicht so mein Ding. Ich mag es lieber, anderen zu helfen. Und dazu hat man in der Abwehr reichlich Gelegenheiten.“

Wie verrückt das Profifußball-Geschäft zeitweise ist, wird am Beispiel von Antonitsch deutlich. Der FC Ingolstadt liegt auf dem vierten Tabellenplatz in der 3. Liga. Der Österreicher war drei Jahre lang Stammspieler beim FCI, auch vergangene Saison in der 2. Bundesliga (28 Einsätze, davon 25 in der Startelf). Trainer Rüdiger Rehm ist noch immer da, aber in dieser Runde war Antonitsch unter Rehm plötzlich weg vom Fenster. Er kam nur noch drei Mal zum Einsatz – und wollte im Winter weg. „Eine richtige Erklärung, warum ich keine Chance mehr bekommen habe, habe ich nie erhalten. Der Trainer sagte nur, dass er andere Spieler vor mir sieht. Das gilt es so zu akzeptieren. Das Fußball-Geschäft funktioniert so“, sagt er.

Ende Dezember meldete sich der Tabellenführer der 3. Liga bei Antonitsch. Danach gab es ein Gespräch mit Trainer Steffen und Sportdirektor Ole Book, und drei Tage später unterschrieb der Österreicher für eineinhalb Jahre bis Sommer 2024. Der Tabellenvierte wollte ihn loswerden – und der Tabellenführer wollte ihn haben. „Fußball ist rational schwer erklärbar. Ich bin aber froh, so wie es gelaufen ist. Ich wäre nicht zu jedem Verein gewechselt. Bei der SVE hat es gepasst.“

In sechs Wochen muss Antonitsch mit Conrad um den Stammplatz kämpfen

Die SVE war auf der Suche nach einen Innenverteidiger, da sich Kapitän Kevin Conrad eine schwere Muskelverletzung zugezogen hat. Conrad wird aber in vier bis sechs Wochen wahrscheinlich wieder zurückkehren, und dann beginnt der Stammplatz-Kampf für Antonitsch erneut. „Ich bin lange genug im Geschäft dabei und habe keine Probleme damit. Wenn jemand besser ist als ich und spielt, dann werde ich diesen Spieler unterstützen. Fußball ist ein Mannschaftssport“, sagt der studierte Sport- und Eventmanager, der zur Zeit an seinem Masterabschluss im Marketing arbeitet.

Gegen Wehen Wiesbaden hat Antonitsch in dieser Saison übrigens schon gespielt. „Wehen hatte defensiver begonnen, wir hatten 2:0 geführt. Dann haben sie richtig aufgedreht und noch 3:2 gewonnen. Die können alles und haben eine richtig starke Mannschaft.“ Den nächsten Gegner kennt er also. Daher wird Nico Antonitsch bis zum Wochenende lieber noch ein paar Videos seiner neuen Mitspieler schauen.