1. Sport
  2. Saar-Sport

Ulli Knapp ist der Mannschaft hinter den Medaillen

Leichtathletik : Der Mann hinter der Goldmedaille

Weitsprung-Bundestrainer Ulrich Knapp aus Kirkel hat den Olympia-Erfolg von Malaika Mihambo erst möglich gemacht.

Sie sind die stillen Stars der Leichtathletik, stehen meist im Hintergrund, ohne sie aber wären die Erfolge der Athleten nicht möglich. „Mein Trainer Ulli Knapp ist ein ganz wichtiger Mensch für mich“, sagt Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo: „Ulli hat sich viele Gedanken zu meinen Trainingsplänen gemacht und bringt dafür unheimlich viel Erfahrung in unsere Zusammenarbeit ein.“ Ulrich Knapp – der Goldschmied aus Kirkel.

Vergangene Woche Mittwoch. Der Leichtathletik-Zirkus ist zu Gast am Zürichsee beim Diamond League Finale. Mittendrin in einem außergewöhnlichen Ambiente: Olympiasiegerin Mihambo und Knapp. Der Trainer agiert direkt neben dem Anlaufsteg, noch engeres Coaching geht nicht. Knapp geht auf und ab, macht mit dem Handy Bewegungsanalysen. Manchmal senkt er den Kopf, man spürt, dass er in diesem Wettkampf mit seiner Athletin leidet. „Malaika ist müde, körperlich und mental“, kennt Knapp die Gründe. 6,56 Meter sind nicht das, was eine Olympiasiegerin und ihr Trainer zeigen wollten. Da ist es auch für Ulli Knapp schwierig.

Anders die Situation in Tokio. „Vor dem letzten Versuch haben wir noch einmal die Rhythmisierung im Anlauf korrigiert“, erläutert Knapp die Situation. Das Ergebnis war die Punktlandung zur olympischen Goldmedaille. Es ist nicht nur Mihambos größter Erfolg. Auch der von Ulli Knapp, obwohl er schon eine lange Trainerkarriere vorweisen kann.

Knapp hatte als Mehrkämpfer in der Leichtathletik begonnen und schon im Jugendalter die Verantwortung für eine Trainingsgruppe übernommen. Nach dem Diplomstudium Sport in Saarbrücken war der Weg in die Trainerlaufbahn vorgezeigt. „Trainer war wie eine Berufung“, sagt er, und der Pfälzer hat sie bis heute gelebt – und dabei eine Reihe von Topathleten trainiert.

Speerwerfer Boris Henry führte er zu dessen erster internationaler Medaille – Bronze bei der WM 1995 in Göteborg. „Ulli war ein Trainer, der sehr gut motivieren konnte und mit seiner lustigen Art immer für gute Stimmung gesorgt hat“, erinnert sich der „Bär aus dem Warndt“, der heute Obergföll heißt. Im Vorbereitungs-Trainingslager in Myasaki unterhielt Knapp das Team mit der Gitarre („Let it be“). Heute sind beide Bundestrainer, der eine im Speerwurf, der andere, Knapp, im Weitsprung und mit 21 Jahren auch einer der dienstältesten in diesem Job.

Knapp führte zudem 2010 in Barcelona Christian Reif zum Europameister-Titel. „Er war der geborene Athlet für diese Disziplin, keiner hatte ein größeres Talent“, schwärmt er noch heute. Parallele zu Mihambos Last-Minute-Sieg von Tokio: Für Reif ging es damals im dritten und letzten Versuch des Vorkampfs ums Weiterkommen oder Ausscheiden, und er legte da die spätere Siegesweite von 8,47 Metern in den Sand.

„Eine herausragende Athletin war für mich auch Bianca Kappler“, sagt Knapp. Die große Blonde aus dem Saarland holte bei den Hallen-Weltmeisterschaften 2005 in Madrid Bronze, nachdem man ihr mit einem Messfehler eine 6,96 Meter beschert hatte. Ihre bemerkenswerte Korrektur („So weit kann ich doch nicht springen“) wurde mit der Bronzemedaille und dem Fairness-Preis der Deutschen Olympischen Gesellschaft belohnt.

Mit den 400 Meter-Läuferinnen Shanta Ghosh und Laura Müller sowie Weitspringerin Sosthene Moguenara betreute und betreut Knapp weitere Athletinnen auf internationalem Parkett. Doch jetzt geht die Fokussierung in die Zukunft. „Wir haben mit Mikaelle Assani und Laura Raquel Müller zwei ganz große Talente im DLV, die es in den kommenden Jahren für die Olympischen Spiele 2024 in Paris aufzubauen gilt“, sieht Knapp nächste große Herausforderungen.

Sein Hauptaugenmerk aber gilt der Olympiasiegerin Mihambo. Sie wieder in Richtung der 7,30-Meter-Siegesweite bei der WM in Doha zu bringen, sei das Ziel. Dazu müsse die Weitspringerin ihre Schnelligkeitswerte steigern, weiß der Bundestrainer. Es sei wegen der Pandemie nicht einfach gewesen, Mihambo nach der Übernahme von Entdecker Ralf Weber in der Erfolgsspur zu halten. „Sie war Europameisterin, Weltmeisterin, da gab es als Steigerung ja nur noch den Olympiasieg“, erinnert sich Knapp.

Nach Tokio soll sich der Erfolgstrainer ganz um Mihambo kümmern, und damit geraten die USA-Pläne der deutschen Vorzeigeathletin in ein neues Licht. „Meine Pläne sind immer noch da, deswegen bleibt Houston weiterhin ein Baustein“, sagt die 27-Jährige, doch jetzt soll ihr Trainer für einige Wochen mit in die USA fliegen. Sie will Erfahrungen in einer internatio­nalen Trainingsgruppe sammeln. Knapp statt Carl Lewis heißt dann wohl die Alternative.

Knapp liebt diese Herausforderung, den gesamten Trainerberuf. Talente sehen, sie fördern und sie zu Spitzenathleten zu formen, das sei reizvoll. Trainingsarbeit, Wettkampfbetreuung und die Betreuung im psycho-sozialen Bereich sind die Eckpfeiler. Mihambo muss nicht lange überlegen, fragt man nach den Vorzügen ihres Trainers: „Unsere Zusammenarbeit ist geprägt von Wertschätzung und Vertrauen.“ Eine gute Voraussetzung für weitere große Sprünge. Möglich gemacht durch den Goldschmied aus Kirkel.