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Ursapharm-Firmenchef und SVE-Aufsichtsrats-Boss Frank Holzer bekennt sich zum Saarland

Kostenpflichtiger Inhalt: Porträt Frank Holzer : „Der Alte“ ist noch mit ganzem Herzen dabei

Ursapharm-Firmenchef und SVE-Aufsichtsrats-Boss Frank Holzer bekennt sich zum Standort Saarland und freut sich auf die neue Fußball-Saison.

Ein großer, brauner Schreibtisch aus massivem Holz steht mitten im Raum. Ein riesiger Wandschrank, auch aus Holz und in gleicher Farbe, erstreckt sich über die komplette Länge und Höhe des Büros. Auf dem Boden liegt ein blaugrauer Teppich, an der Wand hinter dem Schreibtisch hängen zwei Bilder – eins vom Vater und eins von den drei Enkeln. „Ich mag das so. So war das schon immer, und so bleibt es auch, bis ich aufhöre“, sagt Frank Holzer. Der 67-Jährige ist der geschäftsführende Gesellschafter der Ursapharm Arzneimittel GmbH in Bübingen und der Aufsichtsratsvorsitzende des Fußball-Regionalligisten SV Elversberg. Er ist Vater von zwei Söhnen, Opa von drei Enkeln und Chef von weltweit 800 Mitarbeitern. „In erster Linie bin ich aber Fußballer, und daran wird sich wohl auch nichts mehr ändern. Familie und Beruf sind wichtig, aber im Grunde meines Herzens bin ich Fußballer – und das, seit ich denken kann“, sagt Holzer.

Seit sein Sohn Dominik ihn vor neun Jahren als Präsident der SVE ablöste, ist Holzer senior kaum noch in der Öffentlichkeit präsent. Aber der „Alte“, wie er gerne genannt wird, ist immer da, immer präsent und in alle Entscheidungen eingebunden. Holzer freut sich riesig über den jüngsten Saarlandpokal-Sieg seiner SVE – und dass zum Saisonstart der Regionalliga Südwest nach jahrelangem Hin und Her die neue Haupttribüne der Ursapharm-Arena endlich in Gänze in Betrieb genommen werden kann. „Ich glaube, wir haben bald eine der schönsten Arenen im Südwesten. Wir haben zwölf Millionen Euro in die neue Haupttribüne investiert. Es freut mich, wenn ich sehe, wie das alles wächst“, sagt der ehemalige Bundesliga-Stürmer des 1. FC Saarbrücken und von Eintracht Braunschweig.

Die nächsten Schritte sind bereits in Planung. „Das hängt natürlich von der sportlichen Entwicklung ab“, sagt Holzer: „Für die Regionalliga brauchen wir nicht mehr, als wir jetzt haben. Aber wir wollen ja in die 3. Liga und nicht nur vor 1000 Zuschauer spielen. Und dann geht es auch im Stadion weiter.“ Und hier wird die alte Haupttribüne ersetzt. „Ich glaube, es macht Sinn, sie komplett abzureißen und von Grund auf neu zu bauen – mit allen Funktionsräumen und allem was dazu gehört“, sagt der 67-Jährige.

 Frank Holzer (rechts) machte Brent Goulet nach dessen Karriereende erst zum Co-Trainer (2001), später zum Cheftrainer (2004 bis 2008).
Frank Holzer (rechts) machte Brent Goulet nach dessen Karriereende erst zum Co-Trainer (2001), später zum Cheftrainer (2004 bis 2008). Foto: rup/Ruppenthal

Für die Entscheidungen ist Holzer senior aber längst nicht mehr alleine zuständig – im Gegenteil. Dominik Holzer führt die SVE mit einer anderen Herangehensweise als sein Vater. „Ich wollte immer gewinnen und aufsteigen. Das war mein Ehrgeiz. Dominik stellt zuerst das Drumherum auf. Sollten wir in die 3. Liga aufsteigen, ist alles angerichtet. Das gefällt mir, und davor ziehe ich den Hut. Ich glaube, er hat die bessere Taktik gewählt“, sagt Holzer.

In der Landesliga hatte der studierte Apotheker die SVE in den 1980er Jahren übernommen – und daraus einen deutschlandweit bekannten Verein gemacht. Nach seiner aktiven Karriere war Holzer im Saarland auch ein erfolgreicher Amateurtrainer, der viele Meisterschaften gewann – mit dem SV Saar 05 zwei Mal auch den Saarlandpokal. „Die sportlichen Erfolge waren toll, aber ich wollte auch einen Verein von Grund auf aufbauen. Das gelang mir schließlich in meinem Heimatort Elversberg“, erinnert sich Holzer.

Im Jahr 1988 übernahm er auch die Ursapharm Arzneimittel GmbH von seinem Vater. Verein und Unternehmen führte er im Gleichschritt nach oben. 1988 hatte Ursapharm knapp 100 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von sieben Millionen Euro. Heute sind es 800 Mitarbeiter und 250 Millionen Umsatz im Jahr. Mit der Ursapharm um Holzer, seinen Gesellschafterkollegen Detmar Buxmann und Ex-Geschäftsführer Rolf Schneider (mittlerweile Aufsichtsratsmitglied) wurde die SV Elversberg ein Profiverein, der mittlerweile schon mehr als 20 Jahre in der Regionalliga spielt.

Mit der SV Elversberg als Werbeträger wurde auch die Ursapharm und ihre Produkte (Bromelain, Aronia) immer bekannter und erfolgreicher. Seit 2017 ist die Ursapharm mit Hylo Eye Care (Augentropfen) sogar Sponsor beim FC Bayern München – inklusive TV-Spots mit den Bayern-Stars und Bandenwerbung in der Allianz Arena. „Die Spiele des FC Bayern werden in der ganzen Welt übertragen. Auch in Brasilien und in China, wo wir verstärkt investieren wollten. Mittlerweile zählen China und Brasilien zu unseren stärksten Absatzmärkten“, sagt Holzer. Den Deal mit dem FC Bayern hatte Dominik Holzer mit dem Münchner Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge eingefädelt. Inwiefern die Kontakte von Holzer senior, der einst gemeinsam mit Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß in der deutschen Junioren-Nationalmannschaft spielte, auch eine Rolle gespielt haben, sagt Holzer nicht. „Solche Kontakte schaden sicher nicht“, meint er und grinst.

Die Verbindung von Fußball und Unternehmen führte zum Erfolg – sportlich und wirtschaftlich. Erfolg, den Holzer vor allem im Saarland zurückgab. „Wir machen in jedem Jahr Produktwerbung im Wert von mehr als zwei Millionen Euro für saarländische Sportler und Vereine. Natürlich bauen wir uns dadurch auch ein Image für die Ursapharm auf, doch wir helfen auch dem saarländischen Sport“, sagt er. Jüngstes Sponsoring-Beispiel ist der saarländische Darts-Profi Gabriel Clemens. Die Ursapharm griff dem 37-Jährigen vor zwei Jahren unter die Arme und half ihm, seine Karriere anzukurbeln. Mittlerweile zählt Clemens zu den besten 30 Darts-Profis der Welt und ist mit der Ursapharm-Trikotwerbung europaweit im TV zu sehen.

Das Bekenntnis zum Saarland und zum Saarsport ist keine Überraschung. Holzer ist heimatverbunden. Er legt großen Wert auf eine familiäre Atmosphäre, hält an Mitarbeitern fest – und hat als früherer SVE-Boss so lange mit Trainern gearbeitet, bis es wirklich nicht mehr ging. Dem Saarland möchte er mit seiner Firma trotz besserer Angebote aus dem Ausland treu bleiben: „Wir könnten in Polen oder Slowenien viel günstiger produzieren als hier, aber das möchte ich nicht. Wir sind ein saarländisches Unternehmen und werden auch hier bleiben.“

 Vereins-Chef Frank Holzer (rechts, hier neben Dimitri Papava) saß mal als Aushilfs-Trainer an der Seitenlinie, mal als Motivator.
Vereins-Chef Frank Holzer (rechts, hier neben Dimitri Papava) saß mal als Aushilfs-Trainer an der Seitenlinie, mal als Motivator. Foto: Andreas Schlichter

Mit 67 Jahren sind andere schon in Rente oder können ihren letzten Arbeitstag nicht erwarten. Holzer liebt seinen Job. „Das ist mehr als nur ein Beruf. Mir macht die Arbeit immer noch großen Spaß. Wir bauen in Bübingen gerade einen zweiten, großen Produktionskomplex. Der soll 2021 fertig sein. Vielleicht mache ich danach Schluss. Ich weiß es noch nicht.“ Geld verdienen muss er jedenfalls schon lange nicht mehr. Er macht es, weil das Pharmazie-Unternehmen wie ein Kind für ihn ist. Sohn Dominik ist nicht nur bei der SV Elversberg Präsident, er ist auch der zweite Geschäftsführer der Ursapharm. Dominik kümmert sich um die Bereiche Produktion und Vertrieb, Frank um Finanzen und Verwaltung. Dominik Holzer wird die Unternehmensführung einmal komplett übernehmen, doch daran ist irgendwie noch nicht zu denken.

Frank Holzer ist jeden Morgen um 7 Uhr in seinem Büro und kommt am Abend erst nach Hause. „Ich weiß selber, dass das bekloppt ist. Und ich bin auch nicht stolz darauf, dass ich so viel arbeite. Ich habe seit elf Jahren keinen Urlaub mehr gemacht. Ich war mal fünf Tage auf einer Geschäftsreise in Seefeld, aber da standen auch jeden Tag Termine an“, erklärt der gebürtige St. Ingberter, der zumindest am Wochenende entspannt – mit viel Sport. „Ich gehe morgens ganz früh mit meinem Hund laufen und danach Schwimmen. Nach dem Mittagessen gucke ich Fußball oder lese. Danach fahre ich Fahrrad, und abends gehe ich wieder eine Runde mit dem Hund“, gibt er einen Einblick in seinen Tagesablauf. Holzer macht einen frischen und fitten Eindruck und ist ziemlich auf Draht. „Ich esse kaum Fleisch und dafür Fisch. Gesund leben ist wichtig“, sagt er.

Fußball gucken könnte er ab September exklusiv in der großen neuen Ursapharm-Loge im Stadion an der Kaiserlinde, will er aber nicht. „Ich habe gar keinen festen Platz. Wenn ich eingeladen werde, gehe ich auch mal in die Loge, aber ansonsten habe ich beim Fußball am liebsten meine Ruhe“, sagt er. Das war auch in der Vergangenheit immer so – wenn er nicht als Trainer an der Seitenlinie stand. Im Vip-Raum ist er selten zu finden, steht oder sitzt lieber irgendwo abseits. „Ich sehe Fußball mit anderen Augen als die meisten und möchte dabei wirklich meine Ruhe haben“, sagt Holzer und macht es an einem Beispiel fest: „Natürlich kann ein Sohn oder eine Tochter von Bekannten bei der Ursapharm ein Praktikum machen, aber man muss mich das nicht unbedingt am Samstag in den 90 Spielminuten auf dem Sportplatz fragen.“

Da will er mit ganzem Herzen bei seiner SVE sein, die am kommenden Dienstag mit dem Heimspiel gegen den FC Gießen in die neue Saison startet. Jetzt, wo der 1. FC Saarbrücken aus der Regionalliga raus ist, müsste der Weg für die SVE eigentlich frei sein. „Also zunächst einmal geht mein Glückwunsch nach Saarbrücken. Endlich hat es mal eine Mannschaft aus dem Saarland geschafft, aus dieser Liga rauszukommen. Der FCS hat sich das verdient“, sagt Holzer: „Jetzt liegt es an uns und an Homburg, den gleichen Weg zu gehen. Langfristig sehe ich alle drei großen Saarclubs in der 3. Liga.“

Holzer geht die neue Spielzeit mit Optimismus an. „Wir haben eine starke Mannschaft und, wie ich finde, mit Horst Steffen einen richtig guten Trainer. Aber einen Etat von über zwei Millionen Euro haben viele in der Liga. Das sind bestimmt sechs bis acht Mannschaften. Steinbach, Ulm und Offenbach spielen, was die Etats angeht, in der gleichen Liga wie wir. Ein Selbstläufer wird das auf keinen Fall“, sagt Holzer.

 Nicht jede Verpflichtung war ein Erfolg: Mit Trainer Klaus Scheer (links) passte es in der Saison 2002/2003 nicht wirklich.
Nicht jede Verpflichtung war ein Erfolg: Mit Trainer Klaus Scheer (links) passte es in der Saison 2002/2003 nicht wirklich. Foto: rup/Ruppenthal

Perspektivisch schließt er auch den Aufstieg eines Saarclubs in die 2. Bundesliga nicht aus. „Für mich ist der Aufstieg aus dieser 4. Liga das Schwierigste überhaupt. Wir hatten in den vergangenen Jahren schon einige Vereine, die nach dem Aufstieg in die 3. Liga direkt in die 2. Bundesliga durchmarschiert sind. Das sagt doch schon alles“, erklärt er. Gut möglich also, dass der Rentner Frank Holzer in ein paar Jahren Drittliga-, irgendwann vielleicht auch mal Zweitliga-Fußball im Stadion schaut – als reiner Fan. „Ich könnte mit einem sehr guten Gewissen von heute auf morgen aufhören, weil ich weiß, dass die Ursapharm und die SV Elversberg in sehr guten Händen sind“, sagt er.