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So geht Sparen mit Second-Hand kaufen

Mach mehr mit Deinem Geld – Teil 11 : So geht Sparen mit Kauf von Gebrauchtem

Alt ist das neue Neu, sagen Anhänger der Nachhaltigkeit und propagieren eine Second-Hand-Kultur. Aber auch Sparfüchse profitieren beim Kauf von Gebrauchtem. Dafür gibt es viele Möglichkeiten.

Wer mit seinem Geld sorgsam umgehen muss, bei dem verhallt der letzte Schrei in Sachen Mode, Schmuck oder schicken Autos oft ungehört. Gebraucht statt neu ist angesagt – doch das muss nicht die schlechteste Wahl sein.

Wie findet man sich im Second-Hand-Universum des Internet zurecht?

Während der Kauf eines Gebrauchtwagens ein eher alltägliches Geschäft ist, gilt das für andere Galaxien des Second-Hand-Universums keineswegs. In Zeiten von Nachhaltigkeit, Ressourcen- und Klimaschutz gehören die Freunde gebrauchter Waren fast schon zur Avantgarde. „Alt ist das neue Neu!“, heißt es bei Utopia.de, eine deutschsprachige Online-Plattform zum Thema Nachhaltigkeit. Es bleiben kaum Konsumwünsche offen – egal ob jemand nach Kleidung, nach Büchern, Möbeln, Elektrogeräten oder Fahrrädern fahndet. Die größte Übersicht bietet auch hier das Internet mit einer Fülle von Marktplätzen, wie zum Beispiel Bookloocker.de oder Studibuch.de für Bücher, Vinted.de für Kleider oder Rebuy.de und Ebay.de, wo alles Mögliche feilgeboten wird. Alle diese Plattformen sind zweigleisig organisiert. Die Nutzer können dort sowohl als Käufer auftreten als auch nicht mehr benötigte Schätze verkaufen. Reine Ankaufportale sind wirkaufens.de, zoxs.demyswooop.de und rankauf.de. Welche Ankaufspreise angemessen sind, findet das Vergleichsportal recyclingmonster.de heraus.

Wo findet man Gebrauchtes außerhalb des Internet?

Wer gerne Zweitbesitzer einer Ware ist, findet auch außerhalb des Internets eine Fülle von Second-Hand- und Stöberläden, in denen man sich nach Herzenslust austoben und verborgene Schätze entdecken kann. Kleine Kaufhäuser, verschnörkelte Boutiquen oder Sozialkaufhäuser haben sich in fast allen Städten und Gemeinden ihren Platz erobert. Kostbarkeiten, die den Geldbeutel nicht zu sehr belasten, finden Interessierte allerdings auch in den Kleinanzeigen von Tageszeitungen und Anzeigenblättern. Wenn der Frühling naht und Corona – hoffentlich – auf dem Rückzug ist, beginnt wieder die Flohmarkt-Saison. An jedem Wochenende packen die Händler dann ihre Waren aus und präsentieren sie in ihren mobilen Freiluft-Läden. Wo Flohmärkte stattfinden, findet der Suchende im Internet unter meine-flohmarkt-termine.de, marktcom.de, sol.de oder beim Flohmarkt-Ratgeber von markt.de.

Welche Entscheidungen für Gebrauchtes können leichter fallen?

Ob man viel oder wenig gebraucht kauft, hängt vom eigenen Geschmack und den individuellen Konsumneigungen ab. Doch manche Second-Hand-Entscheidungen liegen näher als andere. So benötigen die meisten Frauen ein Brautkleid nur einmal in ihrem Leben. Auch Spielzeug muss keine lange Zeit der kindlichen Beachtung hinter sich haben. Gebundene Bücher mit Antiquar-Wert, Langspielplatten, CDs oder DVDs mit Filmklassikern sind ebenfalls begehrte Gebraucht-Güter und oft arm an Verschleißspuren. Häufig findet der Schnäppchen-Detektiv auch hochwertige Produkte wie Designerkleider, Markenfahrräder oder Massivholz-Möbel, die locker und bei guter Pflege ein zweites Konsumleben überstehen. Doch nicht immer ist Second-Hand die erste Wahl. Bei Waschmaschinen oder Kühlschränken sollte man eher zurückhaltend sein, rät die Verbraucherzentrale Hamburg. Sie benötigen oft wesentlich mehr Strom und Wasser als neue oder neuwertige Geräte.

Der Second-Hand-Klassiker ist der Kauf eines Gebrauchtwagens. Wo finde ich gebrauchte Autos?

Gebrauchte Autos gibt es wie Sand am Meer. Rund 7,2 Millionen Pkw wurden 2019 in Deutschland auf einen neuen Besitzer umgeschrieben, so das Kraftfahrtbundesamt (KBA). Die gängigen Modelle fast jeden Alters und jeder Ausstattung sind im Internet oft nur wenige Mausklicks entfernt. Vermittlungsportale wie mobile.de, Autoscout24, wirkaufendeinauto.de und Autouncle helfen bei der Suche. Auto-Offerten findet der Kauf-Interessierte zudem in Zeitungs- und Anzeigenblatt-Inseraten oder in Kleinanzeigen der Auktionsplattform Ebay. Wer schon konkrete Vorstellungen vom fahrbaren Untersatz seiner Wahl hat und nicht in den Tiefen des Internets graben will, kann auch direkt in den Autohäusern oder den Werkstätten mit Gebrauchtwagen-Verkauf vorbeischauen.

Wo finde ich beim Gebrauchtwagen-Kauf nähere Informationen?

Eine zuverlässige Quelle, welche Fahrzeugtypen häufig Mängel aufweisen und welche wartungsarm sind, ist der jährliche Tüv-Report, der auf den Ergebnissen der Pkw-Hauptuntersuchungen (HU) fußt. Die anderen Organisationen mit HU-Service wie Dekra, GTÜ und KÜS veröffentlichen ebenfalls die Listen der Modelle, die bei der Prüfung der Verkehrstauglichkeit gut oder schlecht abschneiden. Welche Automodelle schnell oder langsam an Wert verlieren, können Kaufinteressenten anhand der Wertmeister-Liste erfahren, die die Firma Eurotax-Schwacke und die Fachzeitschrift Auto-Bild regelmäßig veröffentlichen. Wer schon ein bestimmtes Modell mitsamt ungefährer Kilometerzahl und Baujahr im Auge hat und wissen will, was er ausgeben muss, kann den kostenlosen Bewertungstool der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) beziehungsweise des Tüv Nord zu Rate ziehen oder für 7,90 Euro die Schwacke-Liste kaufen. Seriöse Verkäufer sollten auch kein Problem damit haben, auf Nachfrage ein Schwacke-Zertifikat für das Auto zu präsentieren. Eine umfangreiche Checkliste, was der Käufer eines Gebrauchten beachten muss, können sich Interessierte beim Portal Finanztip herunterladen.

Kann man auch in Pfandleihhäusern günstig kaufen?

Günstig Gebrauchtes bieten auch die Pfandleihhäuser an, von denen es allein in Deutschland mehr als 250 gibt. Rund 630 Millionen Euro borgen sich die Deutschen in den Pfandhäusern, um eine finanzielle Notlage zu überbrücken. Normaler­weise holen sie sich ihr Eigentum zurück, wenn sie wieder bei Kasse sind. Doch einiges wird auch in den Geschäften der Pfandleihäuser verkauft oder kommt bei Auktionen unter den Hammer. Meist handelt es sich um Schmuck oder Uhren. Denn die Inhaber solcher Geschäfte sind oft auch Juweliere oder haben große Erfahrung in diesem Sujet. Allerdings gibt es auch Pretiosen-Profis, die sich auf den regulären An- und Verkauf von Schmuck und/oder Antiquitäten spezialisiert haben – beispielsweise, wenn eine Wohnung aufgelöst wurde. Über ein großes Angebot verfügt zudem der Online-Shop der Branche, der unter projuwelier.de firmiert.

Mit einer Zwangsversteigerung günstig zur eigenen Immobilie – wie läuft das?

Arbeitslosigkeit, Scheidung oder andere widrige Lebensumstände führen nicht selten dazu, dass Menschen ihre Schulden nicht mehr bezahlen können. So kann das eigene Haus oder die Wohnung unter den Hammer kommen, sie werden zwangsversteigert. Jeder der 18 Jahre alt und geschäftsfähig ist, kann an einer solchen Versteigerung teilnehmen. Er muss nur einen gültigen Personalausweis oder Reisepass dabeihaben. Die Versteigerung selbst dauert etwa eine Stunde. Potenzielle Bieter müssen vor der Versteigerung zehn Prozent des Immobilienverkehrswert eingezahlt haben. Wenn sie den Zuschlag nicht erhalten, wird ihnen das Geld rücküberwiesen. Wer am Ende übrig bleibt, kann vom Kauf nicht mehr zurücktreten. Der Zuschlag ist so bindend wie ein Vertragsabschluss. Der Restbetrag muss sechs bis acht Wochen nach der Versteigerung überwiesen werden. Der Bieter kann vor der Versteigerung zwar die Grundbuch-Eintragung und das gerichtliche Wertgutachten studieren, besichtigen darf er das Objekt seiner Wahl oft aber nur von außen. Zwangsversteigerungs-Experten raten Neulingen, bei einigen Terminen unverbindlich vorbeizuschauen, um zu sehen, wie so etwas läuft. Außerdem sollte der potenzielle Käufer einen kühlen Kopf bewahren und nicht mehr biete, als sein Budget erlaubt. Eine Immobilie, die bei einer Zwangsversteigerung erstanden wurde, kann ein Schnäppchen sein, muss es aber nicht. Denn es gilt „wie gesehen, so gekauft“ – Gewährleistung ausgeschlossen.

Was wird außer Immobilien noch (zwangs)versteigert?

Über Zwangsversteigerungen können Schnäppchenjäger fast alles erwerben, wenn sie Geduld und Zeit mitbringen. Häufig kommt es vor, dass Firmen nach einer Insolvenz nicht mehr weitergeführt werden können. Der Insolvenzverwalter will aber dennoch Bürogegenstände, Maschinen und vieles mehr zu Geld machen, um Gläubigern wenigstens einen Teil ihrer Forderungen bezahlen zu können. Auf Online-Industrieversteigerungen hat sich zum Beispiel die Hämmerle-Gruppe spezialisiert (haemmerle.de), bringt aber auch Alltagsgegenstände unter die Leute. Eine Übersicht aller Insolvenzversteigerungen – aufgeteilt nach Bundesländern – finden Interessierte unter versteigerungskalender.de. Wer dort die Termine online einsehen oder sie sich gedruckt schicken lassen will, muss die Dienstleistung bezahlen – um die 20 Euro. Fündig kann der Schnäppchenjäger auch bei der zentralen Versteigerung des Zolls werden. Zoll-auktion.de ist eine im Internet betriebene Auktionsplattform der Bundeszollverwaltung, bei der jeder jederzeit vorbeischauen kann. Die Fülle der dort verkauften Güter ist riesig und reicht vom Schaumkanonen-Anhänger bis zur Parkkralle. Städte und Gemeinden können die Fundsachen, die beispielsweise in Bussen oder anderswo liegengeblieben sind, dem Portal Sonderauktionen.net anvertrauen. Schnäppchenfahnder können sie per Auktion erwerben. Auch die Deutsche Bahn, in deren Zügen pro Jahr 250 000 Gegenstände vergessen werden, versteigert die nicht abgeholten Fundsachen. Die Versteigerungen finden regelmäßig an allen großen Bahnhöfen und einmal pro Woche im Zentralen Fundbüro von DB Station & Service (Döppersberg 37, Wuppertal) statt.

Wie kann man selbst auch seine Sachen versteigern?

Wer schicke Sachen zu Hause hat, die er eigentlich nicht mehr braucht, die zum Wegwerfen aber zu schade sind, kann sie simpel verschenken – aber auch meistbietend versteigern. Der Online-Klassiker für Auktionen ist Ebay. Es gibt aber inzwischen auch andere Auktionsplattformen wie beispielsweise catawiki.de.

Warum nicht leihen, statt zu kaufen?

Man muss nicht alles sein Eigen nennen, um es nutzen zu können. Dinge, die man selten benötigt, kann man sich auch leihen. Die meisten Baumärkte haben inzwischen einen Verleih-Service etabliert, wo man sich für Arbeiten im Garten, auf dem Bau oder für den Innenausbau alle möglichen Geräte stunden-, tage- oder wochenweise ausleihen kann – natürlich gegen Geld. Doch die Anhänger der sogenannten Sharing-Economy, der Ökonomie des Teilens, sehen die Sache grundsätzlicher. In dieser Welt fließt kein Geld. Wer etwas haben will, muss auch bereit sein zu geben. „Wer online leiht und verleiht, macht neue Bekanntschaften, muss nicht extra neu kaufen und verschwendet keine Ressourcen“, so die Nachhaltigkeits-Experten von Utopia.de. Das Problem der reinen Sharing-Börsen ist, dass sie regional begrenzt und eher für Metropolen geeignet sind. So ist die Plattform fairleihen.de beispielsweise auf Berlin fokussiert. Allerdings haben sich auf Facebook Gruppen organisiert, die auch in anderen Städten dem Prinzip des selbstlosen Leihens und Verleihens huldigen. Eine Mischform ist das private Abgeben gegen Geld. Doch auch hier spielt sich vieles in den Städten ab, in denen die Plattformen beheimatet sind – wie zum Beispiel depot-leipzig.de für die Sachsenmetropole. Es lohnt sich einfach nicht, eine verliehene Biertisch-Garnitur, die nur für die Gartenparty am Wochenende gebraucht wird, kilometerweit durchs Land zu fahren.

Hier geht´s zu allen weiteren Teilen der Serie „Mach mehr mit Deinem Geld“.