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So können Autofahrer Geld sparen können

Mach mehr mit Deinem Geld – Teil 9 : So kommen Autofahrer billiger voran

Das Autofahren hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verteuert. Doch lassen sich die Kosten senken. Das geht schon los, bevor Verbraucher den ersten Kilometer gefahren sind.

In der Corona-Pandemie sind 78 Prozent der Menschen weltweit am liebsten mit dem eigenen Auto unterwegs. Vorher waren es nur 57 Prozent. Das hat eine Studie des Beratungsunternehmen Capgemini mit Hauptsitz in Paris ergeben, für die 11 000 Verbraucher in acht europäischen Ländern sowie in den USA, China und Indien befragt wurden. In Deutschland fahren derzeit 74 Prozent bevorzugt mit dem eigenen Auto. Ihnen ist es wichtig, „jederzeit auf ein eigenes Fahrzeug zurückgreifen zu können“. Allerdings werden die Anschaffung und der Unterhalt eines eigenen Autos immer teurer. Für einen Neuwagen gibt ein Käufer in Deutschland derzeit im Durchschnitt rund 34 000 Euro aus. Im Jahr 2015 waren es durchschnittlich noch 29 000 Euro.

Eine Mobilitätsstudie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums hat ergeben, dass jeder Pkw pro Tag nur 45 Minuten in Betrieb ist. Im Mittel werden knapp zwei Fahrten pro Tag und 30 Kilometer zurückgelegt. Doch gut 40 Prozent der Autos werden an einem durchschnittlichen Tag gar nicht genutzt. Der ADAC hat für fast alle verfügbaren Wagen durchgerechnet, welche Kosten sie pro Monat insgesamt verursachen. Der Audi A7 Sportback 40 TDI quattro zum Beispiel, eine luxuriöse Coupé-Limousine, schlägt pro Monat mit 1190 Euro zu Buche. Ein BMW 318d kommt auf 846 Euro, ein VW Golf 1.0 TSI auf 533 Euro und selbst ein Kleinwagen wie der Fiat 500 noch auf 398 Euro.

Der hohe Durchschnittspreis für ein neues Auto zeigt, dass die meisten Käufer größere Fahrzeuge und eine gute Ausstattung bevorzugen. Rund ein Viertel aller Kunden entscheidet sich für ein SUV, die Mischung aus Limousine und Geländewagen.

Wie können Verbraucher beim Kauf eines Autos sparen?

Nach einer Analyse der R+V-Versicherung handeln gut vorbereitete Kunden beim Kauf eines neuen Autos im Schnitt zehn bis 20 Prozent Rabatt heraus. Wo Interessenten die günstigsten Angebote auch für Gebrauchtwagen finden, lässt sich generell gar nicht sagen. Erstaunlich oft verblüffen regionale Händler einen potentiellen Käufer mit attraktiven Preisen, vor allem für Fahrzeuge mit Tageszulassung, sowie weitgehenden Serviceangeboten in der Folgezeit.

Kann man online nicht noch viel größere Schnäppchen finden?

Im Internet stößt man ständig auf angebliche Superschnäppchen. Sie sind zu schön, um wahr zu sein. In der Tat ist gar nicht selten Betrug im Spiel. Vorsicht ist geboten, wenn der Verkäufer nur per E-Mail kommunizieren möchte, wenn schon im Inserat um Vorkasse, die Nutzung eines angeblichen Treuhandservices oder die Zahlung an eine Spedition gebeten wird oder über die angegebene Telefonnummer keine Verbindung zustande kommt. Der ADAC betont, dass auch per E-Mail oder im Internet geschlossene Verträge verbindlich sind. Und es gibt kein Widerrufsrecht, wenn man etwas von einer Privatperson kauft. Es gibt natürlich auch seriöse Fahrzeugmärkte im Internet. Beispiele sind die Portale AutoScout24 und mobile.de, die zusammen mit dem ADAC und der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes die Initiative „Sicherer Autokauf im Internet“ gegründet haben. Wer jedoch ein so teures Gut wie ein Auto kaufen will, sollte sich zuvor sorgfältig informieren.

Die Kfz-Versicherung ist ein teurer Posten. Wie kommen Autofahrer an einen günstigen Tarif?

Bei der Haftpflichtversicherung sind erhebliche Einsparungen von mehreren hundert Euro im Jahr möglich. Das zeigt der neueste Preisvergleich des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. Für Fahranfänger zum Beispiel könne zwischen dem günstigsten und dem teuersten Tarif der Haftpflichtversicherung mit Teilkasko eine Differenz von 1000 Euro bestehen, erklären die Experten. Der Tarif hängt auch davon ab, ob das Auto in einer Garage steht, ob auch die Kinder ans Steuer dürfen, wie viele Kilometer pro Jahr zurückgelegt werden oder ob der Kunde bereit ist, nach einem Unfall die von der Versicherung vorgegebene Werkstatt zu akzeptieren. Es gibt sogar sogenannte Telematik-Tarife, die nach der Devise „Wer vernünftig fährt, zahlt weniger“ festgelegt werden. Der Fahrstil des Fahrers wird etwa mithilfe einer Smartphone-App oder eines Sticks im Zigarettenanzünder ständig überwacht. Wer dauerhaft besonders vorsichtig und zurückhaltend fährt, kann bei der Haftpflicht bis zu 30 Prozent Prämie sparen. Dafür gibt man jedoch persönliche Daten preis. Die Verbraucherzentrale warnt vor vermeintlichen Versicherungsschnäppchen. „Es gibt mittlerweile Anbieter, die wegen eines Schadens extreme Rückstufungen vornehmen, was dann zu einer teuren Belastung wird.“ Jeder Autobesitzer muss zudem für sich entscheiden, ob auch eine Teil- und Vollkasko-Versicherung sinnvoll ist. Im Mittel werden für beide Kaskoverträge 300 bis 400 Euro im Jahr fällig.

Die seit Anfang des Jahres auf Kraftstoffe erhobene CO2-Steuer hat Benzin und Diesel um sieben bis acht Cent pro Liter verteuert. Wie finden Autofahrer eine günstige Tankstelle?

Wer beim Tanken auf die Preise achtet, kann etliche Euro sparen. Die Preise an der Zapfsäule können sich im Tagesverlauf mehrfach ändern. Der ADAC registriert die Erhöhungen und Senkungen rund um die Uhr. Daher nennt er als Faustformel: „Wer zwischen 18 und 22 Uhr tankt, profitiert meist von den günstigsten Preisen.“ Neben dem Abend gebe es weitere kürzere Zeitfenster mit günstigen Preisen. Am tiefsten in die Tasche greifen müssen Tankende zwischen 5 und 8 Uhr morgens. Besonders viel sparen Besitzer von Benzinautos, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt tanken. Zwischen der teuersten Zeit morgens um 7 Uhr und dem billigsten Zeitraum zwischen 20 und 22 Uhr beträgt die Differenz rund elf Cent pro Liter. Bezogen auf eine 50-Liter-Füllung schlägt das demnach mit einer Ersparnis von 5,50 Euro zu Buche. Dieselfahrer sparen bis zu zehn Cent pro Liter, wenn sie zur richtigen Zeit tanken. Es gibt inzwischen zahlreiche Apps fürs Smartphone, die auch die regionalen Kraftstoffpreise anzeigen, darunter „Clever Tanken“ (werbefinanziert), „ADAC Spritpreise“ (kostenfrei) oder „Mehr tanken“ (kostenfrei).

Wie können Verbraucher über ihren Fahrstil Sprit – und damit Geld – sparen?

Wer besonnen Gas gibt, kann seinen Kraftstoffverbrauch um bis zu 25 Prozent senken. Automobilclubs und zahlreiche Autohersteller bieten Spritspar-Trainings an, in denen die Teilnehmer lernen, ihrem Geldbeutel und auch der Umwelt ein wenig Gutes zu tun. Einer der wichtigsten Tipps lautet, zügig zu beschleunigen und bereits bei etwa 2000 Umdrehungen in den höheren Gang zu schalten. Laut Umweltbundesamt senkt allein das den Spritverbrauch um 20 bis 25 Prozent. Wer vor Ampeln oder Stoppschildern rechtzeitig vom Gas geht und den Wagen rollen lässt, senkt ebenfalls den Verbrauch. Hohe Geschwindigkeiten auf der Autobahn gehen mit einem deutlich höheren Verbrauch einher. Wer statt mit 120 Stundenkilometern mit Tempo 180 über die Piste braust, verdoppelt fast den Verbrauch. Nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen fahren 60 Prozent aller Autofahrer maximal 130 Stundenkilometer. Nur 25 Prozent fahren schneller als Tempo 140.

Der Spritverbrauch hängt auch von den Reifen ab. Welche Möglichkeiten haben Autofahrer, über die Wahl der Reifen Kosten zu senken?

Fast alle Reifenhersteller bieten sogenannte Leichtlaufreifen an, die aufgrund ihrer Gummimischung mit weniger Reibung einen verringerten Rollwiderstand aufweisen und daher länger halten. Beim Kauf eines Reifens sollte man auf das Reifenlabel achten, auf dem auch der Rollwiderstand angegeben wird. Klasse G (rot) bedeutet einen hohen Rollwiderstand, Klasse A (grün) einen optimierten Rollwiderstand. Die Verbesserung um eine Klasse senkt den Kraftstoffverbrauch aufgrund des geringeren Rollwiderstands um 0,1 Liter auf 100 Kilometer. Die besten Leichtlaufreifen drücken den Spritverbrauch um bis zu 7,5 Prozent. Die Anschaffungskosten für Leichtlaufreifen sind übrigens nicht zwangsläufig höher als für andere Reifen.

Wie viel Kraftstoff lässt sich über den passenden Reifendruck sparen?

Wichtig ist auch der richtige Luftdruck im Reifen. Liegt der Druck nur ein halbes bar unter dem vom Hersteller genannten Sollwert, erhöht sich der Rollwiderstand, Bremsweg und Kurvenlage verschlechtern sich. Ein Fülldruck von etwa 0,4 bar unter dem Sollwert sorgt nach Berechnungen des ADAC für einen Mehrverbrauch von bis zu 0,3 Liter auf 100 Kilometer. Da die Hersteller aus Komfortgründen meist nur den Mindestdruck angeben, rät der Autoclub zu einer Erhöhung um 0,2 bar. Der Komfort werde dadurch kaum schlechter, der Kraftstoffverbrauch lasse sich jedoch leicht reduzieren.

Im Auto sind mehrere Stromfresser verbaut, die den Spritverbrauch in die Höhe treiben. Worauf sollten Autofahrer achten?

Mit voller, unbeschädigter Batterie kann ein Auto bis zu zwölf Monate nur stehen und dann noch immer gestartet werden. Allerdings saugen gerade im Winter viele Verbraucher an der Batterie, sodass schlimmstenfalls ein Auto, das nur eine Nacht am Straßenrand geparkt wurde, schon nicht mehr anspringt. Viele moderne Autos sind mit einem sogenannten Zuheizer ausgerüstet, einem Gerät, das nach dem Kaltstart den Innenraum oder den Motor und das Getriebe zusätzlich und vor allem schnell erwärmen kann. Ein solcher Zuheizer schluckt jedoch 2000 Watt Leistung, was den Kraftstoffverbrauch pro 100 Kilometer um zwei Liter erhöht. Das sind Mehrkosten von rund 2,50 Euro. Beheizbare Front- und Heckscheibe schlucken 800 Watt Leistung. Das sind 0,8 Liter mehr Sprit und 1,12 Euro höhere Kosten auf 100 Kilometer. Eine Sitzheizung (100 Watt Leistung) schlägt auf 100 Kilometer mit 14 Cent zu Buche, ebenso ein USB-Anschluss. Vor allem im Stadtverkehr kann die Lichtmaschine bei hohem Verbrauch die Batterie nicht schnell genug nachladen. Die Autobatterie ist mit 42 Prozent die häufigste Pannenursache. Solche Verbraucher nicht unnötig lang laufen zu lassen, schont die Batterie und spart Geld.