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So können Sie ihre Finanzen in den Griff bekommen

Mach mehr mit Deinem Geld –Teil 7 : So kommen Verbraucher aus der Schuldenfalle

Schuldnerberater empfehlen bei Geldsorgen: Aktiv werden, Hilfe suchen und nicht den Kopf in den Sand stecken. Hier wichtige Tipps, um die Probleme anzugehen.

Laufende Verpflichtungen, Kredite, Kurzarbeit oder sogar Jobverlust – die Corona-Krise hat die wirtschaftliche Situation vieler Verbraucher verschärft. Wie können Menschen da den Überblick behalten? Unsere Zeitung sprach mit Insolvenzexperten der Caritas-Schuldnerberatung Trier.

Für Anika Wegner und Harald Herres ist es tägliches Geschäft, Menschen aus ihrer finanziellen Verzweiflung einen Ausweg zu zeigen. „Die Zahl der Anfragen ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen“, sagt Caritas-Bereichsleiter Herres. Am Anfang steht dabei eine gründliche Analyse. „Wie hoch sind meine Einnahmen, welche Ausgaben habe ich? Viele Ratsuchende haben über ihre Situation keinen Überblick“, erzählt Anika Wegner.

Ein Haushaltsbuch ist eine gute Grundlage, um sich einen Überblick zu verschaffen. Bei den Einnahmen ist alles aufzulisten – auch nur einmal jährlich anfallende Einnahmen sind zu berücksichtigen. Demgegenüber stehen feste Ausgaben etwa für Miete und Nebenkosten, für Versicherungen, Medikamente, Unterhaltszahlungen, Telefongebühren und Ähnliches, was regelmäßig anfällt. Die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben ergibt das Budget, das jeden Monat bleibt. Hiervon müssen dann alle anderen Ausgaben getätigt werden: Lebensmittel, Kosmetik, Kleidung, Freizeit, Reparaturen. „Es lohnt sich, beide Posten genau unter die Lupe zu nehmen: Welche festen Ausgaben lassen sich reduzieren?“, so die Experten. In das Haushaltsbuch trägt man dann über mindestens einen Monat alle Ausgaben ein, führt jeden Kassenzettel auf, um die Kontrolle zu behalten. Es gibt Vordrucke für solche Haushaltspläne im Internet, die sich jeder herunterladen kann, zum Beispiel auf meine-schulden.de, infodienst-schuldnerberatung.de, geldundhaushalt.de. Um sich ständige Eintragungen in ein Haushaltsbuch zu ersparen, stehen auch spezielle Budget- oder Haushaltsbuch-Apps fürs Handy zur Verfügung.

„Als nächster Schritt ist zu prüfen, was steht mir noch als Unterstützung zu“, erläutert Harald Herres. Dazu gehört etwa das Wohngeld – falls es nicht mehr für die Miete reicht. Das kann bei der Gemeinde beantragen werden. Zudem kommen Aufstockungsleistungen für Erwerbslose nach SGB II (Hartz IV) in Frage, wenn sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. Beantragen können diese Leistungen Solo-Selbstständige, Freiberufler, Kleinunternehmer in Not und Angestellte, die nun unterhalb der Grundsicherung verdienen. Ansprechpartner sind die regionalen Jobcenter. In Zeiten der Pandemie gibt es auch Hilfen, wenn ein Schullaptop für die Kinder fehlt.

Ist das Konto überzogen, sollten Menschen nicht voreilig im Netz Angebote annehmen. „Im Internet bieten Finanzdienstleister Sofort-Hilfe bei Verschuldung an (Stichwort: „Kredit ohne Schufa“). Aber schnell werden Kunden hier noch mehr Geld los“, warnt Anika Wegner. Lieber in die Offensive gehen und mit der Bank Auswege suchen: Eine Tilgungsaussetzung vereinbaren und im Notfall ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) einrichten, das Einnahmen von mindestens 1180 Euro im Monat vor Pfändung schützt. Die Experten raten: „Aktiv werden, Hilfe suchen und nicht den Kopf in den Sand stecken.“

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