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Tipps der Verbraucherzentrale Saarland für Sparen von Geld bei Verträgen für Strom, Gas, Handy

Mach mehr mit Deinem Geld – Teil 4 : So halten Verbraucher die Kontofresser klein

Strom, Gas, Handy, Fitnessstudio – die Verträge dafür kosten viel – oft zu viel. Verbraucherschützer erklären, wie man an billigere Verträge kommt.

Kaum ist das Gehalt eingegangen, fließt das Geld nur so dahin – und zwar ohne ausgiebigen Einkaufsbummel. Neben Miete oder Hauskredit fressen die Lastschriften für Strom, Gas, Handy, Streaming-Dienst oder auch Fitnessstudio kräftig am Guthaben. Mancher wundert sich bald, wie viel vom Monat noch übrig ist bei so wenig Geld. Doch die Abzüge lassen sich oft verringern. Wie das geht, erläutern Cathrin Becker, Thomas Beutler und Yvonne Schmieder von der Verbraucherzentrale des Saarlandes.

Ein großer Posten bei den monatlichen Abbuchungen sind die Kosten für Strom und Gas. Wie können Verbraucher hier sparen?

Die Kosten lassen sich durch einen Wechsel des Tarifs oder des Anbieters senken. Das Einsparpotenzial ist erheblich. Der Durchschnitt liegt nach den Erfahrungen von Cathrin Becker, Energieberaterin der Verbraucherzentrale Saarland, zwischen 100 und 200 Euro bei Strom im ersten Jahr. Bei Gas ist die Ersparnis viel höher. Da sind wir bei Beträgen von 400 bis 800 Euro im ersten Jahr. Bei niedrigen Verbräuchen kann es aber auch vorkommen, dass ein Wechsel aufgrund geringer Ersparnis eher nicht lohnt.

Warum ist der Effekt durch einen ersten Wechsel so hoch?

Viele Verbraucher sind im Grundversorgungstarif des regionalen Versorgers. Das ist der teuerste Tarif. In der Regel ist laut Energieberaterin Becker den Menschen nicht bewusst, dass dieser Tarif so ungünstig ist. Und man kommt schnell in solch einen Tarif herein. Wer umzieht, rutscht erst einmal automatisch in den Grundversorgungstarif. Aus dem sollte man so schnell wie möglich wechseln, rät die Expertin.

Wie finden Verbraucher einen günstigen Tarif bei einem seriösen Anbieter?

Die Energieberaterin empfiehlt, Vergleichsportale im Internet zu nutzen, zum Beispiel Verivox, oder sich an eine Verbraucherzentrale zu wenden. Bei der Tarif-Suche im Internet sollte man Voreinstellungen machen, so dass nur solche Anbieter angezeigt werden, die diese Bedingungen erfüllen. Das bedeutet aus Sicht der Expertin konkret: Tarife mit einer Preisgarantie über ein Jahr – mit möglichst kurzer Verlängerung danach. So kann man schnell aus dem Vertrag wieder heraus, wenn man vergisst, sofort nach Ankündigung einer Preiserhöhung am Ende der einjährigen Laufzeit zu kündigen. Weitere wichtige Voreinstellungen: keine Vorkasse, keine Kaution – denn bei einer Pleite des Anbieters ist das Geld verloren. Die Energieexpertin rät auch von Paket-Tarifen ab, weil Mehrverbrauch extrem teuer ist und bei geringerem Verbrauch als vereinbart kein Geld erstattet wird.

Nicht jeder möchte zu einem bundesweit tätigen Versorger wechseln, sondern lieber beim regionalen Anbieter bleiben. Wie kann man dann sparen?

Die günstigsten Anbieter von Strom- oder Gasverträgen sind laut der Energieberaterin oft nicht die örtlichen Versorger. Wer trotzdem dort bleiben möchte und im Grundversorgungstarif ist, kann sich an den Versorger wenden und nach einem günstigeren Tarif fragen – den es auch fast immer gibt.

Bei Strom und Gas gibt es nur die Frage nach einem günstigen Tarif. Das Produkt selbst unterscheidet sich dabei nicht. Bei Handytarifen sieht das anders aus. Wie kann man trotzdem Ausgaben senken?

Verbraucher sollten zuerst eine Bestandsaufnahme ihres Nutzerverhaltens machen. „Wenn ich nicht weiß, was mein Bedarf ist, kann ich keine für mich guten Verträge abschließen“, sagt Verbraucherschützerin Yvonne Schmieder. Wer mit dem Handy telefoniert, braucht einen anderen Tarif als derjenige, der es vor allem nutzt, um im Internet zu surfen. Der nächste Schritt ist, sich über Angebote zu informieren. Hilfreich sind dabei Übersichten der Stiftung Warentest und Online-Vergleichsportale. Dabei sollten Verbraucher neben den Preis auf kurze Kündigungsfristen achten. Idealerweise seien sie monatlich kündbar, sagt Schmieder. Bei längeren Laufzeiten sollte man rechtzeitig kündigen. Dann seien Kunden gegenüber dem Anbieter in einer besseren Position, um günstige Tarife zu bekommen.

Wo liegt bei Handytarifen das größte Einsparpotenzial?

Verbraucher sollte sich die Frage stellen, ob sie alle anderthalb oder zwei Jahre ein neues Smartphone brauchen, rät Expertin Schmieder. Ein gutes Gerät koste zwischen 500 und 600 Euro, und dieser Preis sei in den Verträgen einkalkuliert. „Die Verbraucher bekommen das Smartphone nicht geschenkt“, auch wenn die Werbung mit Ein-Euro-Beträgen für das Gerät lockt, sagt Schmieder. Wer auf ein Neugerät verzichtet, „kann unheimlich viel sparen“.

Wie ist das mit anderen Verträgen zum Beispiel für Streaming-Dienste oder Fitnessstudios?

Wie bei den Handytarifen raten die Verbraucherschützer dazu, den eigenen Bedarf zu klären und bei Verträgen auf die Möglichkeiten zur Kündigung zu schauen – und auch darauf, ob man genügend Geld hat, um die Kosten über die Vertragslaufzeit aufzubringen.

Nicht nur über Verträge geht Geld vom Konto weg, auch das Girokonto selbst kann teuer sein. Worauf sollten Verbraucher achten?

60 Euro sollte ein klassisches Girokonto inklusive Girocard, umgangssprachlich EC-Karte, im Jahr maximal kosten, sagt Thomas Beutler, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Saarland, unter Berufung auf die Stiftung Warentest. Viele lägen darüber. Bis zu 200 Euro reiche die Spanne, sagt er. Um das Sparpotenzial zu heben rät er dazu, sich von der Bank eine Entgeltaufstellung für das abgelaufene Jahr schicken zu lassen. Verbraucher haben einen gesetzlichen Anspruch darauf. Gerade das bargeldlose Bezahlen auch bei kleinen Beträgen kann bei manchen Kontomodellen pro Buchung Kosten verursachen, die in keinem Verhältnis zur Kaufsumme stehen. Wer deutlich über den 60 Euro liege, sollte sich nach alternativen Kontomodellen bei seiner Bank erkundigen, sagt Beutler. Nach wie vor gebe es auch bedingungslos kostenlose Konten – allerdings nur bei Online-Banken. Wichtig sei auch zu überlegen, ob man die mit hohen Gebühren verbundenen Leistungen braucht.

Wenn Verbraucher wegen hoher Kosten mit ihrer Bank unzufrieden sind, scheuen sie doch oft den Wechsel. Ist er so aufwendig, wie viele befürchten?

„Der Aufwand wird überschätzt“, sagt Beutler. Es gibt die gesetzliche Kontowechselhilfe. Die bisherige Bank muss der neuen Bank alle Informationen übermitteln, damit der Kontowechsel reibungslos stattfindet. Man muss nicht selbst alle Kontoauszüge durchsuchen und ermitteln, wer ein Lastschriftmandat hat. Das muss die Bank für die Kunden machen.

Für eine Beratung zu Fragen rund um Sparen bei Verträgen oder zu Girokonten können Sie sich direkt an die Verbraucherzentrale des Saarlandes wenden: Trierer Straße 22, 66111 Saarbrücken,Tel.: (0681) 5 00 89 55, Internet: www.verbraucherzentrale-saarland.de. Wegen der Corona-Pandemie sind vorerst Besuche der Beratungsstelle nicht möglich.