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Ein Ausflug zu Pferd durch die Vulkaneifel mit vielen Highlights

Abenteuer in der Region : Reiten wie im wilden Westen

Eine Tour hoch zu Pferd durch die Eifel lässt für Freunde alter Western Erinnerungen aufleben. Aber auch so ist der Ritt durch die Vulkaneifel ein schönes Erlebnis, bei dem es auch so manches zu entdecken gibt.

Wer kennt sie noch, die alten Cowboy- und Indianerfilme? Ob Bonanza, „Die Leute von der Shiloh Ranch“, oder aber auch die alten Winnetou-Streifen, ich fand sie toll, als wir in den 1970er-Jahren endlich einen Schwarzweiß-Fernseher bekamen. Als Kind und später als Jugendliche habe ich die Protagonisten, die immer so lässig auf ihren Pferden saßen und durch die Prärie geritten sind, sehr bewundert. Ich versuchte ihnen nachzueifen, lernte Reiten. Aber so entspannt, wie die Männer in ihren Westernsätteln, sah es bei mir dann doch nicht aus. Dressurreiten ist halt ganz etwas anderes.

Doch jetzt hat sich die Chance geboten, einen Ritt bei der Westernranch von Birgit „Bonny“ Boßmann zu machen. Keine frage, da habe ich gerne zugesagt.

Und so fahre ich voller Vorfreude nach Betteldorf, wo sich die Ranch in der Nähe befindet. Bonny, stilecht mit Cowboyhut auf dem Kopf begrüßt mich. Es geht nicht direkt los, wir warten noch auf weitere Reiterinnen.

Wie das bei Ausflügen mit Pferden immer so ist, ist ein wenig Vorarbeit notwendig, bis es losgehen kann. Zunächst einmal holen wir die Pferde von der Weide. Lacy, Relax, Summer und Molly, die ich bei diesem Ausritt reiten darf. Bis auf Summer sind die Pferde gescheckt, ein typisches Kennzeichen der Paint-Horses, die hier gezüchtet werden.

Erst werden die Tiere gestriegelt und gebürstet, die Hufe ausgekratzt und dann gesattelt. Während die anderen Pferde mit richtigen Westernsätteln, die unter anderem am Sattelhorn zu erkennen sind, geritten werden, hat Molly einen Wanderreitsattel, praktisch ein Mittelding zwischen Western- und Vielseitigkeitssattel.

Mein erster Eindruck als ich auf dem Pferd sitze: Der Sattel ist sehr bequem, man sitzt nicht drauf, sondern drin. Ein gutes Vorzeichen für den Ritt. Gezäumt wird Molly mit einem Hackamore, einer gebisslosen Zäumung, wie sie beim Westernreiten eher üblich ist. Also fast alles wie im Western, nur der Reithelm auf meinem Kopf, der der Sicherheit dient, macht die Coolness der Cowboys wieder etwas zunicht.

Nach kurzer Abstimmung entscheiden uns für eine kürzere Route, die aber so verspricht es Bonny, einiges zu bieten hat.

Und wirklich, wir sind noch nicht lange unterwegs, als wir durch Felder von herrlich blühenden Lupinen reiten. Gleich danach folgt die nächste Attraktion. Wir erreichen einen Steinbruch. Dieser hätte sich mit Sicherheit auch gut als Kullisse für Winnetou-Filme geeignet.

Hier verweilen wir etwas, die Pferde können die Füße in den Tümpeln baden und haben offenbar Spaß daran, mit dem Wasser zu planschen.

Wie Nadine, die mit Lacy unterwegs ist, aber selbst auch drei eigene Pferde auf der Ranch untergestellt hat, erzählt, waren hier vor kurzem noch zahllose kleine Frösche unterwegs.

Wir reiten weiter und staunen über weitere Felswände, die ebenfalls eine wunderbaren Hintergrund für Fotos bieten.

Der weitere Weg führt uns durch Wald und entlang von Feldern. Die Pferde gehen ruhigen Schritt. Ich fühle mich vollkommen sicher auf Molly, obwohl mir die Reitpraxis im Moment etwas fehlt.

Marina ist die vierte im Bunde. Sie macht eine Woche Urlaub auf der Ranch und ist gerade erst angereist. Raus aus dem Auto, rauf aufs Pferd.Und damit ist sie direkt im Urlaub angekommen. „Da fallen alle Alltagssorgen von einen ab“, schwärmt sie. Sie kommt aus Mehring an der Mosel und war im vergangenen Jahr schon mal für einen Tag hier. Das habe ihr so gut gefallen, dass sie in diesem Jahr eine ganze Woche in der Vulkaneifel verbringen möchte. Daheim fehlt die Zeit zum Reiten, jetzt freut sie sich auf viel Zeit mit den Pferden im Gelände.

Während wir uns von Pferd zu Pferd unterhalten, vergeht die Zeit schnell. Wir reiten bergab und haben den Blick auf den Dreiser Weiher, ein Trockenmaar, das auf dem Weg zur Nürburger Heilwasserquelle, die wir jetzt anstreben, zu sehen ist.

Eine kleine Attraktion bietet sich noch am Waldrand. Dort zeigt sich ein Fuchs, der dann verschwindet zusammen mit einem kleinen Minifüchschen. Und auch sonst könnte man meinen, dass Bonny ein richtiges Programm bestellt hat für die Reitgäste. Wir sehen einen Milan über uns kreisen, an anderer Stelle kreuzt ein Reh unseren Weg.

Und auch über die Pflanzen, die links und rechts am Weg stehen, können wir einiges lernen. Bonny macht derzeit eine Fortbildung Natur-und Geoparkführer Vulkaneifel  und zum Zertifizierten Natur und Landschaftsführer und kennt sich daher bereits bestens aus. Mit diesen Kenntnissen zu Pferde hofft sie auf eine Marktlücke gestoßen zu sein, denn meist werden solche Exkursionen nur zu Fuß angeboten.

Das Vergnügen hoch zu Roß Landschaft und Natur zu entdecken, haben auf der Paint-Horse-Ranch übrigens nicht nur erfahrene Reiter. Auch Anfänger können ausreiten, sie werden bei den ersten Ausflügen geführt, erklärt Nadine.

Wir erreichen jetzt die Quelle und ich steige ab, um von dem Wasser zu testen. Und es ist wirklich Wasser, in dem ein wenig Kohlensäure prickelt. So erfrischt steige ich wieder auf und wir reiten weiter. Jetzt kommen wir in eine Heidelandschaft, die unter Naturschutz steht.

Erst geht es ein Stück den Berg hinaus. Und dann kommt eine Wegstrecke, die sich wunderbar für einen Galopp anbietet. Die Pferde starten und mit Geschwindigkeit und wehender Mähne fliegen wir geradezu durch die Natur. Ein Gefühl von Freiheit und Abenteuer erfasst mich, ich genieße es.

Nach einiger Zeit parieren wir die Pferde wieder durch und erreichen einen Aussichtspunkt, von dem wir wunderbar die umgebende Landschaft sehen können. Bonny erklärt was es zu sehen gibt, und wieder fühle ich mich ein wenig wie in der Prärie der alten Cowboyfilme.

Nach diesem weiteren Highlight unseres Rittes geht es wieder heimwärts zum Stall. Diesen erreichen wir nach kurzer Zeit und ich staune, wieviel es in gut zwei Stunden zu entdecken gab.

Zurück am Stall satteln wir ab und bringen die Pferde auf die Koppel.

Es war ein wunderbarer Ausflug, der Lust darauf macht, doch wieder öfter in den Sattel zu steigen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Hoch zu Pferd durch die Vulkaneifel