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Feuerwehr, Sommer, Brand, Einsatz, Feuerwehrwagen

Sommerserie Abenteuer in der Region : Feuer und Flamme: Darum lohnt sich ein Besuch im Feuerwehrmuseum

Die Feuerwehr muss nicht immer zu Ihnen kommen, Sie können auch mal zur Feuerwehr fahren: zum „feuerwehr erlebnis museum“ nach Hermeskeil beispielsweise. Dort erfahren Sie, warum früher niemand ohne Löscheimer vor den Traualtar durfte, warum die Folgen eines Großbrands in Süddeutschland vor knapp 100 Jahren auch heute noch spürbar sind und wie es sich anfühlt, in einer Feuerwehrleitstelle zu arbeiten. Ein Besuch.

Die Sache mit der Eimerpflicht ist nicht schlecht. Keine Hochzeit ohne Eimer – was für ein Slogan. Kann man sich nicht ausdenken. Braucht man auch nicht. Gibt’s ja wirklich. Oder gab’s, in Deutschland, erst ein paar hundert Jahre her. Klar, da wäre schon so mancher Grund, wozu sich ein Eimer am Tag der Hochzeit alles anbieten würde. Aber darum geht’s nicht. Nicht an dieser Stelle. Denn hier geht’s um Folgendes: Nur wer einen Eimer besitzt, noch dazu einen aus Leder, der darf sich Gedanken machen über eine Hochzeit. Ohne Eimer – keine Chance. So jedenfalls war das im Mittelalter in vielen deutschen Dörfern.

Das erfährt der Besucher im „feuerwehr erlebnis museum“ Hermeskeil – und ja, bevor Fragen aufkommen, das Museum schreibt sich so: klein und ohne Bindestriche. Da es im Mittelalter in Deutschland noch keine organisierte Feuerwehr gab, galt bei einem Brand im Ort: Helft euch selbst, jeder packt mit an. Da es auch noch keine Schläuche gab, blieben nur Eimer – Ledereimer um genau zu sein. Brannte es irgendwo, hatte aus jedem Haushalt eine Person mit Eimer anzurücken. Es wurden Menschenketten gebildet, die Eimer durchgereicht vom Brunnen bis zur Brandstelle und versucht, das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Ging allerdings häufig schief, da Stroh – von Betten bis Decken – damals in fast jedem Häuschen zu finden war. Und Stroh, das weiß selbst der Nicht-Feuerwehrmann, das brennt.

War das Feuer gelöscht, oder das Haus abgebrannt, oder beides, dann erhielt jeder sein Eimerchen – auf dem die Initialen des Besitzers eingraviert waren – zurück. Bis zum nächsten Brand.

Ein Besuch im „feuerwehr erlebnis museum“ in der 5500-Einwohner-Stadt im Hochwald – knapp 40 Kilometer sind es bis Trier, knapp 60 bis Saarbrücken – ist mehr als Tatütata, Blaulicht und Drehleiter. Es ist – der Name verspricht nicht zu viel – tatsächlich ein Erlebnis. Wer vorbeikommt, kann anpacken, Feuerwehr erleben. Egal ob jung oder alt. Wer eintritt in die Hallen, kann in einer Feuerwehrleitstelle Platz nehmen, am Lenkrad echter Feuerwehrwagen drehen, bewegenden persönlichen Einsatzberichten lauschen oder eine Endlosleiter bestaunen. Auf zwei Ebenen geht’s quer durch einen Mitmach-Parcours mit den Themenbereichen Feuer, Ereignisse, Protagonisten, Tätigkeiten und Werkzeuge.

So steht zu Beginn unter anderem ein ganz besonderer Feuerwehrmann im Fokus. Ein ganz besonders hinterhältiger oder cleverer – das kann man sehen wie man will. Jener Herr mit dem Namen Crassus jedenfalls, ein Römer, organisierte die erste Feuerwehr der Welt – sie bestand aus 500 Sklaven und ihm. Brannte es irgendwo im alten Rom, machte sich Herr Crassus mit seinen Feuerwehrleuten auf den Weg dorthin. Doch gelöscht wurde nur unter einer Bedingung: Dass der Besitzer oder die Besitzerin der Immobilie dem Feuerwehrboss zuvor das Haus verkaufte. Und das zu einem – heute würde man es unverschämt nennen – viel zu niedrigen Preis. Crassus jedenfalls war’s egal, er wurde auf diese Weise Besitzer zahlreicher Immobilien.

Um zahlreiche weitere verbrannte Häuser geht es ein paar Schritte weiter in der Ausstellung. Nächster Stopp, nächste spannende Geschichte. Diesmal steht ein kleines Dorf unweit von Pforzheim im Fokus. In der Gemeinde Öschelbronn kam es im Jahr 1933 zu einer Brand-Katastrophe, die nahezu das komplette Dorf auslöschte. Obwohl, auslöschte, das passt nicht an dieser Stelle. Denn gelöscht wurde nicht viel. Feuerwehren aus den Regionen Baden und Württemberg wollten vor Ort gemeinsam helfen, konnten aber nicht. Der Grund: Die Schläuche hatten jeweils verschiedene Kupplungen, waren nicht kompatibel. Problem dieser Zeit: Feuerwehren aus unterschiedlichen Regionen hatten unterschiedliche Ausrüstungen. Die unmittelbare Folge in Öschelbronn: fast das komplette Dorf war dahin. Die langfristige Folge: Feuerwehrausrüstungen, Schläuche inklusive, wurden in Deutschland normiert. So etwas wie in Öschelbronn sollte nicht mehr passieren.

Brände – und das ist auch so eine Überraschung, die man im Museum erfährt – Brände machen heute nur noch 16 Prozent aller Feuerwehreinsätze aus. Was die übrigen 84 Prozent betrifft, zu welch kuriosen Einsätzen die Helferinnen und Helfer ansonsten im Alltag gerufen werden? Na, das erfahren Sie vor Ort.

Dort erfahren Sie dann übrigens auch, dass Feuerwehrschläuche früher aus Leder gemacht waren – und heute? Aus Polyester mit einer inneren Gummibeschichtung.

Im Erdgeschoss des 2014 eröffneten Museums gibt’s alles zur Feuerwehrkleidung von damals. Um 1890 trug Feuerwehrmann zum Beispiel ein weißes Langarm-Shirt aus Stoff. Regional sehr unterschiedlich. Heute gibt’s einheitliche Bekleidung für alle. Ganz interessant nebenbei und etwas für Wort-Akrobaten: Wie die Feuerwehrbekleidung heute auszusehen hat, regelt die sogenannte – HuPF. Steht für: Herstellungs- und Prüfungsbeschreibung für eine universelle Feuerwehrschutzbekleidung.

Keine zehn Meter weiter im Erdgeschoss stoßen Feuerwehrfans auf das nächste Wort-Ungetüm: den Walther Polar Kohlensäure-Schnee-Feuerlöscher. Das gute Stück ist sichtlich nicht mehr das Jüngste und Teil einer ganzen Reihe historischer Feuerlöscher.

Ein absolutes Highlight dabei: einer der ersten Feuerlöscher überhaupt. Glasbehälter, oben ein Korken drauf, innen ein chemisches Pulvergemisch – das Ganze hängt am Seil an der Wand. Brennt es im Raum, wird das Seil durch Hitze oder Flammen durchtrennt, das Glas donnert auf den Boden, das Pulver tritt aus und soll den Brand löschen – geniale Idee.

Genial sind auch die unzähligen roten Kraftprotze im letzten Teil der Ausstellung. Historische Feuerwehrfahrzeuge soweit das Auge reicht. Da wäre der Opel Blitz, Baujahr 1954, ehemals im Einsatz für die Feuerwehr Malborn im Hunsrück. Da wäre das gute Stück der Fire Brigade Belfast, Nordirland. Das um 1900 gebaut und mit Kohle befeuert wurde. Und da wäre dieser ganz besondere Löschzug. Vorab eine ganz wichtige Lektion, die jeder Besucher und jede Besucherin am Ende der Tour verinnerlicht haben sollte. Ein Löschzug besteht aus drei Fahrzeugen: Tanklöschfahrzeug, Drehleiter und Löschgruppenfahrzeug. Und jetzt kommt’s: In Hermeskeil sind alle drei Wagen des dort zu begutachtenden Löschzugs der Marke Magirus auf dem gleichen Fahrgestell aufgebaut, gehören zur selben Generation. Somit ist dies, laut Museum, der älteste Löschzug auf Fahrzeugen des gleichen Fahrgestells.

Am Ende, da raucht einem ganz schön der Kopf vor lauter Informationen. Aber die Feuerwehr, das ist das Gute, sie ist ja nicht weit ...

Tipp: Vom 10. Oktober bis zum 14. November gibt’s im Museum eine Playmobil-Sonderausstellung zu sehen.