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Krimifans können im Kriminalhaus Hillesheim eigene Fälle lösen

Serie Abenteuer in der Region : Das Geheimnis der Dachkammer - auf Mörderjagd in Hillesheim

Wer „Schwarzen Tod“ bestellt, bekommt einen Kaffee. Die Tomatensuppe Corleone ist dicker als Blut. Das ganze Haus strotzt vor krimineller Energie. Nur eine Treppe trennt das Café Sherlock im Erdgeschoss des Kriminalhauses in Hillesheim in der Eifel von einem ungeklärten Mordfall auf dem Dachboden

Die halb zugezogene Gardine in einem brutalen orangerotem Farbton sperrt die Sonne aus. Das diffuse Licht, die alten Möbel, die schreckliche Tapete mit Blumenmuster, die Tageszeitung auf dem kleinen Beistelltisch, das ganze Ensemble schreit: "Willkommen im Jahr 1978!"

In dieser Umgebung gilt es, den Mord an Dieter B. aufzuklären. Die Umrisse des Toten sind mit Kreide auf einem Teppich vor dem Bett aufgemalt. Unmittelbar daneben liegt ein blutverschmierter Tischtennis-Pokal: die Tatwaffe. "Das ist aber wirklich vertrackt", murmelt Detlef Richter und blättert in der Fallakte. Er ist mit seiner Ehefrau Yvonne und den Töchtern Anne-Sophie und Johanna aus Niederkassel angereist, um sich der „SOKO Dachboden" anzuschließen.

„Wir lesen und schauen alle gerne Krimis", sagt die Familie, die den Fall mit Elan angeht und sich gleich über die Beweismittel hermacht, die mit viel Liebe zum Detail über die wenigen Quadratmeter der kleinen Wohnung des fiktiven Mordopfers verteilt sind. Das Problem ist: Es sind ganz schön viele Hinweise und Fährten gelegt, die in ermittlerische Sackgassen führen. „Vielleicht wurde er umgebracht, weil er so oft laute Musik abgespielt hat", mutmaßt Anne-Sophie. Vater Detlef Richter nickt: „Die Schallplattensammlung wäre aus meiner Sicht unbedingt ein Motiv", sagt er und weist in Richtung des unaufgeräumten Haufens von Tonträgern des Grauens: Tony Marshall, Roberto Blanco, Roy Black und viele andere Vertreter der deutschen Schlagerseligkeit grinsen auf den LP-Hüllen um die Wette.

„Aber deshalb bringt man doch niemanden um", wirft Yvonne Richter ein. Also muss es ein anderes Motiv geben, schlussfolgert die Familie und beginnt sich mit den Bild- und Tondokumenten zu beschäftigen, die allesamt weitere Hinweise auf die Lebensumstände des Opfers ans Tageslicht bringen. Auch der Inhalt des Papierkorbs, die Zettelsammlung auf dem Schreibtisch, Zeitungsausschnitte, jede Menge Schwarzweiß-Fotografien und der Brief einer Tante des Unglückseligen könnten zur Lösung führen.

Im Minutentakt eröffnen sich weitere mögliche Mordmotive und plötzlich ist jeder der in den Fallakten befragten Zeugen verdächtig. Die Richters wühlen weiter, gehen den Verdachtsmomenten in Zweierteams nach, informieren sich gegenseitig über die Ergebnisse und diskutieren jede Einzelheit. Eine Stunde ist inzwischen vergangen, noch ist kein Ergebnis in Sicht und die ermittelnde Familie beschließt, unten im Café Sherlock eine Pause einzulegen.

Doch bevor es soweit kommt, öffnet sich ein schwarzer Vorhang und es tritt der Mann hervor, der für den fiktiven Mordfall und damit auch für die inzwischen rauchenden Köpfe der Familie Richter verantwortlich zeichnet: Ralf Kramp. Lächelnd (manche würden sagen: diabolisch lächelnd) hört er sich an, was die Richters bisher herausgefunden haben und nickt: „Ja, habt ihr euch auch schon die Wand dort hinten angesehen?", fragt er. "Und was steckt denn in den Taschen des Blaumanns, der am Kleiderhaken hängt?", fügt er hinzu. Schon wieder neue Indizien, die Johanna und Anne-Sophie intensiv begutachten. Detlef Richter lässt sich förmlich ansehen, dass er unschlüssig ist, ob Ralf Kramp wirklich helfen möchte, oder lediglich weitere falsche Fährten legt. "Wir legen jetzt eine Denkpause ein", sagt er schließlich und marschiert mit seiner Familie die Treppe hinab ins Café.

Kramp, neben Jacques Berndorf einer der Autoren, die den Eifel-Krimi erfolgreich gemacht haben, Verlagsleiter und Begründer der „Agentur Blutspur" freut sich über die nunmehr dreijährige Erfolgsgeschichte der Installation auf dem Dachboden des Kriminalhauses in Hillesheim. „Das Geheimnis der Dachkammer haben noch nicht viele Gäste knacken können - und das ist auch gut so", sagt er. Die Suche nach dem Täter so zu gestalten, dass nicht jeder sofort auf die richtige Spur komme, sei ihm wichtig gewesen.

„Es soll ja Spaß machen und den kriminalistischen Spürsinn schärfen", erzählt Kramp. Das Schwierige für die Ermittler sei, dass - anders als beim Lesen eines Kriminalromans - alle Fakten und Indizien gleichzeitig und nebeneinander vorhanden seien. „Da heißt es, zu sortieren, was wichtig sein könnte und was eine Sackgasse ist. Wie im richtigen Leben", sagt Kramp.

Unterdessen dauert die Denkpause von Detlef, Yvonne, Anne-Sophie und Johanna Richter an. Verdächtig lang, sagt Kramp und geht nach unten ins Erdgeschoss um nach der Familie zu schauen. Die vier stecken an einem der Tische im Café Sherlock die Köpfe zusammen, der Notizblock ist längst voll, die Zettel mit den Namen der Verdächtigen und möglichen Mordmotiven wandern auf der Glasfläche des Tisches hin- und her. Sätze werden gestrichen, oder hinzugeschrieben - immer noch wird heftig diskutiert.

Zwei Stunden hat es gedauert, dann vermelden die Richters: „Wir haben den Täter. Und wir hoffen, dass wir richtig liegen." Das lässt sich nachprüfen: In der polizeilichen Akte mit den Zeugenaussagen, Lichtbildern und anderen Beweisstücken steckt auch ein roter Umschlag. Tochter Johanna darf ihn öffnen, liest kurz und strahlt: „Wir haben gewonnen!" Auch Ralf Kramp gratuliert, denn der Versuchung zu widerstehen, einer der vielen falschen Fährten auf den Leim zu gehen, zeuge von echten Spürnasen, sagt er.

Familie Richter ist glücklich und zufrieden. „Ohne Johanna, die mit einem wichtigen Einwand ein Motiv als unmöglich entlarvt hat, wären wir dem richtigen Täter nicht auf die Spur gekommen", sagt Detlef Richter. „Und der Notizblock ist wahrscheinlich das wichtigste Utensil in der Fallakte."

Diese „polizeiliche Akte", ohne die der Fall nicht lösbar ist, enthält Detailfotos, weitere Indizien und wichtige Hintergrundinformationen und ist in der Buchhandlung Lesezeichen unmittelbar neben dem Café Sherlock erhältlich.