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Mit dem Heißluftballon über das Saarland und Rheinland-Pfalz

Abenteuer in der Region : Ein Logenplatz am Himmel

Der Traum vom Fliegen ist so alt wie die Menschheit. Doch geflogen wird mit Heißluftballonen nicht. Es wird gefahren. Wir haben es zum Start unserer Sommer-Serie „Abenteuer in der Region“ ausprobiert – und sind mitgefahren.

Es ist 11.30 Uhr, die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel. Es ist perfektes Ballonwetter. Ballonfahrer Pascal Kreins vom Unternehmen Kreins-Ballon in St. Ingbert hat tagelang die Wettervorhersagen analysiert und beobachtet und gibt das Ok. Am Abend kann die Ballonfahrt starten. Geplant ist eine Fahrt mit drei Ballonen über den Bliesgau.

Da für den Abend Westwind vorhergesagt ist machen sich die 15 Teilnehmer in drei Kleinbussen mit ihren Anhängern, in denen die Ballone verstaut sind in Richtung Mittelbach in Rheinland-Pfalz auf, von wo aus die Ballone in Richtung Saarland aufsteigen sollen: „Wenn alles gut läuft, kommen wir in Ballweiler runter“, sagt Kreins, genau vorhersagen lasse sich das aber vorher nie. „Beim Ballonfahren muss man flexibel sein, man weiß vorher nie genau, wo einen der Wind hintreibt“, sagt der Profi, der seit nunmehr zwölf Jahren Ballonpilot ist und regelmäßig auch an deutschen und internationalen Wettbewerben am Start ist.

In Mittelbach angekommen geht es auf eine große Wiese und das Ausladen der Ballons beginnt. Alle müssen mit anpacken. Auch Marion Steininger aus Bierbach, die die Ballonfahrt von ihrem Mann geschenkt bekommen hat: „Ich hab mir das schon so lange gewünscht, Corona hat mir aber immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht, deshalb bin ich froh, dass es endlich einmal geklappt hat.“

Nachdem der große Ballonkorb für die insgesamt sieben Passagiere plus Piloten mit vereinten Kräften aus dem Hänger gezogen ist, wird der Ballon auf der Wiese ausgerollt und zunächst mit großen Ventilatoren mit kalter Luft befüllt: „Der Ballon ist 32 Meter hoch und 22 Meter im Durchmesser. 6000 Kubikmeter passen hinein, darin ist Platz für zwei Häuser“, berichtet Kreins, dessen Frau und Schwiegervater ebenfalls leidenschaftliche Ballonpiloten sind. Während der Ballon zunächst mit kalter und anschließend mit heißer befüllt wird müssen auch die beiden Freundinnen Desiree König und Kerstin Schaak kräftig mit anpacken und den Ballon festhalten: „Ich bin bereits das dritte Mal dabei, finde Ballonfahren ist einfach ein unvergessliches Erlebnis. Deshalb habe ich heute auch meine Freundin mitgeschleppt. Das muss man einfach mal erlebt haben“, sagt Schaak.

Auch Theresa Michaeli und Klaus Jung freuen sich, dass es nun endlich gleich losgehen kann: „Ich habe erst heute Mittag erfahren, dass ich mitfahren kann, mein Papa konnte nicht, da durfte ich einspringen“, freut sich Michaeli. Jung hingegen wurde zu seinem 70. Geburtstag mit einem Gutschein überrascht. Nach gut einer halben Stunde ist der Ballon bereit zum Abheben. Noch eine kurze Sicherheitsunterweisung, dann müssen die Passagiere schnell in den Korb hüpfen. Die beiden kleineren Ballone sind als erste in der Luft. Schließlich fängt aber auch der 230-Kilogramm-Korb des großen Korbes an zu ruckeln und hebt langsam ab.

Durch den Brenner entsteht im Korb zunächst eine brütende Hitze. Dennoch herrscht unter den Passagieren eine ausgelassene Stimmung, der Jubel ist groß, als der Ballon langsam in Richtung Sonne aufsteigt. Langsam werden Felder, Wälder und Dörfer fast wie in Zeitlupe immer kleiner, bis bei 300 Metern die Strohballen nur noch als kleine Punkte zu erkennen sind: „Wow, hab zunächst gedacht, mir wird während der Fahrt vielleicht mulmig, aber es ist so eine sanfte Reise. Einfach atemberaubend schön“, beschreibt Steininger die Eindrücke. „Es wirkt eigentlich gar nicht so hoch, es ist ein Gefühl, als stehe man förmlich in der Luft“, findet auch König. Immer wieder überprüft Kreins auf seinem Tablet Windrichtung, Höhe und Geschwindigkeit und bespricht sich mit seinen beiden Ballonkollegen über Funk: „Wir sind jetzt bei 600 Meter Höhe, jetzt wäre in der Regel die perfekte Zeit für einen Heiratsantrag“, scherzt Kreins, der schon einige Anträge in der Luft miterleben durfte und nie ein „Nein“ gehört habe.

Die Fahrt geht an diesem Tag allerdings äußerst langsam voran, über fünf Stundenkilometer erreicht der Ballon nicht. Auch der Wind macht den Ballonfahrern, die sich über eine Fahrt über den schönen Bliesgau gefreut haben, einen Strich durch die Rechnung. Denn anstatt nach Westen hat der Wind nach Süden gedreht und so fahren die Ballons aus Mittelbach kommend in Richtung französischer Grenze. Der Aussicht tut das allerdings keinen Abbruch, findet auch Schaak: „Die dritte Ballonfahrt ist noch genauso beeindruckend wie die erste, ich werde das im kommenden Jahr wieder machen.“ Und tatsächlich, die Aussicht ist eindrucksvoll.

Bei rund 1200 Meter Höhe hat man bei wolkenlosem Himmel einen Panoramablick und kann bis zu 60 Kilometer bis nach Zweibrücken, Bexbach oder zur französischen Grenze blicken. Dörfer, Wälder und Felder sehen aus wie Miniatur-Landschaften. Auch die Auswirkungen des Borkenkäfers und der Hitzesommer lassen sich von hier oben in den Wäldern genau beobachten. Je nachdem wie hoch der Ballon fährt, sieht man auch Radfahrer oder Menschen in ihren Gärten, die den Ballons zuwinken, ansonsten ist man in der Luft ganz für sich. Nur ein kleines Flugzeug, das vom Flugplatz Zweibrücken aus kommend, die Ballone durch Wackeln der Tragflächen grüßt, kreuzt unseren Weg.

Nach rund 60 Minuten Flugzeit heißt es dann nach einem Landeplatz Ausschau halten. Kreins spricht sich mit den sogenannten Verfolgern, die die Fahrer am Boden mit den Kleinbussen abholen, ab. Ein kleines Feld bei Riesweiler scheint geeignet. Es muss nur noch ein kleiner Wald überquert werden: „Wir sinken mit rund fünf Metern pro Sekunde“, berichtet Kreins. Je näher die Ballone dem Boden kommen, desto schneller erscheint die Fahrt: „Das täuscht aber, das kommt einem nur so vor“, weiß der Ballonfahrer. Die letzten Meter fahren die Ballone hauchdünn über die Wipfel der Bäume hinweg, die Schatten spiegeln sich im Sonnenuntergang: „Das ist einfach traumhaft, man hat das Gefühl, man stürze gleich in den Wald“, finden König und Schaack und machen noch schnell ein paar letzte Erinnerungsfotos. Hinter dem Wald taucht plötzlich noch eine Stromleitung auf, die Kreins als letzte Hürde nehmen muss, dann landet er den Ballon mühelos und ohne hartes Aufsetzen auf dem Boden.

Die Musterlandung wird sogleich mit Applaus honoriert: „Wow, das war cool, das würde ich sofort wieder machen“, sagt Michaeli, die glücklich aber auch leicht erschöpft ist. Was viele der Teilnehmer nicht bedacht haben, der Ballon muss nicht nur aufgebaut, er muss auch wieder eingeladen werden. Alle sind gefordert. Langsam wird der riesige Ballon Stück für Stück eingerollt und so die Luft herausgelassen, anschließend muss er in einer Rollkiste verstaut und wieder in den Hänger geschoben werden. Es ist eine mühselige Arbeit, aber auch diese meistern die Fahrer mit Bravour.

Gegen 21.30 Uhr ist es dann geschafft. Das Ballonfahrer-Team hat kalte Erfrischungen und eine letzte kleine Überraschung für die Teilnehmer in petto. Jeder bekommt noch eine Urkunde und wird, wie es Tradition ist, in den Adelsstand der Ballonfahrer erhoben. Das gemeinsame Gebet der Ballonfahrer besiegelt den feierlichen Akt. Erschöpft aber glücklich geht es gegen 22 Uhr zurück in die Heimat. In einem sind sich alle einig, das wird sicher nicht die letzte Ballonfahrt gewesen sein. Das nächste Mal aber bitte über der saarländischen Heimat.

Alle Teile der neuen Serie Abenteuer in der Region unter: www.saarbruecker-zeitung.de/sz-serien/sommerserie/