1. SZ-Serien
  2. Sommerserie: Am schönsten ist’s daheim

Schlafen bei den Wölfen in den Natur-Lodges des Parc Animalier de Sainte-Croix

Sommerserie Abenteuer in der Region : Ein Luxus-Abend mitten im Wolfsrudel

Der erste Blick nach dem Aufwachen: direkt in die Augen von mehreren Wölfen, die gerade ein paar Meter entfernt ihre Runde drehen. In den Natur-Lodges des Parc Animalier de Sainte-Croix kann man den außergewöhnlichen Tieren vom Whirl Pool aus zuschauen...und noch vieles mehr.

Von Sarah Tschanun

Schon die Eingangshalle ist ein kleines Kunstwerk: hauptsächlich aus Naturmaterialien, dennoch luxuriös. Bestückt mit vielen  kreativen Details, wie der auffälligen Koffer-Regal-Wand, wirkt sie  gleichzeitig exklusiv und bodenständig. Eine einzigartige Architektur – innen wie außen –, die sich durch den gesamten Park zieht. Blanche Casagrande, Sprecherin des Parks, begrüßt uns zusammen mit zwei Mitarbeiterinnen. Deutsch spricht hier allerdings niemand. Englisch nur wenige. 

Auf einem offenen Sechsitzer-Elektro-Auto, ähnlich den Golfmobilen, werden wir samt Gepäck zu unserer Lodge gefahren. Und bekommen nun einen ersten Eindruck von der beeindruckenden Größe, der vielfältigen Natur und den vielen kleinen Erlebnis-Stationen. Fast wie Disneyland, nur eben echt.  Auf insgesamt 120 Hektar (1 200 000 Quadratmeter) leben hier 1500 Tiere, 130 verschiedener Arten und unzählige Pflanzen. „Die Tiere hier sind alle in Gefangenschaft geboren. Sie kommen aus anderen Parks und Einrichtungen. Unser Konzept verbindet das Touristische mit dem Schutz und dem Erhalt von Tier- und Pflanzenarten“, sagt Casagrande. Das erklärt auch weshalb in einigen Gehegen kleine Areale eingezäunt sind. „Das sind dann seltene Pflanzenarten, die wir phasenweise davor schützen von den Tieren gefressen zu werden.“

Der Park hat sich vor allem zum Ziel gesetzt Kinder, aber auch Erwachsene an die Natur heranzuführen. Überall gibt es kleine Rätsel zu lösen, liebevoll aufbereitete Informationen für Kinder in Form von kleinen Plakaten, Figuren oder Erklärungen, die auf Knopfdruck ertönen. An jeder Ecke stehen kleine  hüttenartige, offene Holz-Häuschen, in denen es immer einiges an Kunst, Natur-Materialien und Geschichte zum jeweiligen Tier oder dem dargestellten Naturraum gibt: Der Park teilt sich in die vier Themengebiete. Der größte Teil wird den europäischen Tieren gewidmet, ein Teil beschäftigt sich mit der Geschichte von Mensch und Tier, im kleinsten teil geht es um die Mission der Biodiversitätserhaltung. Seit 2021 gibt es auch auch „Le Nouveau Monde“ (Die neue Welt), die Arten aus Nordamerika zeigt. Mittlerweile gibt es den Park seit 41 Jahren.

Endlich kommen wir an einem großen Tor zu unserer Natur Lodge, der Yellow Stone Lodge, an. Links davor eine offene Holzhütte einzigartig dekoriert mit Zeichnungen, Kunstwerken und Abenteuer-Utensilien. Und einer Plattform, die wir gleich besteigen und so auf das Gehege der weißen arktischen Wölfe schauen. Acht  davon leben aktuell links von unserer Lodge. Rechts davon und quasi direkt in unserem Garten leben die sieben grauen europäischen Wölfe, die nur durch Glaswände von uns getrennt sind. Wir fühlen uns wie mitten im Gehege und trotzdem scher. Doch noch schlafen die Tiere.

Laut Nabu nutzen freilebende Wolfsfamilien bis zu 300 Quadratkilometer (300 000 000 Quadratmeter) Territorium. Da kommt das 1 Hektar (10 000 Quadratmeter) große Gehege natürlich nicht ran. Es übertrifft aber die Empfehlung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft für eine artgerechte Haltung von Wölfen in Gefangenschaft: Bei den sieben europäischen Wölfen, mit denen wir hier eine Nacht verbringen, sind laut Ministerium 2350 Quadratmeter das Minimum.

Ein bisschen seltsam ist es dennoch, zu wissen, dass wir hier in einem Luxus-Häuschen, mit Whirlpool auf der Terrasse und Kamin ausgestattet residieren, während wir auf die gefangenen, aber sehr majestätischen Wölfe blicken. Trotz der exklusiven Ausstattung sind die Lodges keine Fremdkörper im Gesamtbild. Unsere ist komplett in Holz gekleidet, die rechte Seite zu den Wölfen komplett aus Glas. Die halboffene Terrasse mit dem Whirlpool trennt den großen Raum mit Doppelbett, Kamin und Küche von dem etwas kleineren Kinderzimmer.  

Gegen 18 Uhr wird uns das Diner gebracht, ganz passend im Weidekorb gibt es Nudeln mit Hähnchen und Gemüse, frisches Baguette und Himbeer-Parfait zum Nachtisch. Noch während dem Essen passiert es plötzlich: Das Heulen der Wölfe ertönt. Sie scheinen nun aufzuwachen und die Nacht mit ihrem Gesang einzuleiten. Ein atemberaubendes Schauspiel. Einer der Wölfe, steht auf einem Baumstamm und stimmt diese leidenschaftliche Art der Kommunikation an. Wir kriegen Gänsehaut, obwohl wir später auf der Terrasse im warmen Whirlpool sitzen. Ein bisschen unheimlich, aber vor allem einfach mitreißend. Um 7 Uhr morgens stürmt plötzlich meine Begleiterin in mein Zimmer. „Da schau mal, da sind sie“, ruft sie aufgeregt. Ich kann meinen noch verschlafenen Augen kaum trauen, als ich drei bis vier Wölfe quasi an meinem Bett durch die Glasscheibe sehe. Und das Gefühl habe sie schauen mir direkt in die Augen. Erneut Gänsehaut.

Nach dem Frühstück, mit Baguettes, Croissants und Kaffee touren wir dann durch den Park.  Besonderes Highlight sind die Luchse, denn hier gibt's zwei süße Babys zu bewundern. Aber auch Tiere, die ich bisher nicht live gesehen habe, wie Schwarzbären, Coyoten, Vielfraße, sämtliche Eulen Arten und viele mehr begegnen uns. Die Gehege sind immer recht weitläufig, was einem etwas von dem unangenehmen Gefühl nimmt, sich an der Gefangenschaft von Tieren zu erfreuen. Das  der Luchse ist so groß und dicht bewachsen, dass wir fast 45 Minuten warten müssen, bis wir einen Blick auf sie erhaschen. Wir machen eine Safari-Rundfahrt mit einem kleinen Zug durch den Park, die Erklärungen dazu gibt es nur auf Französisch. Das macht aber nichts angesichts der Bisons, die wir besuchen, oder der Pelikan-Fütterung, bei der mir klar wird, dass ihre Kehlen unter den Schnäbeln erst so riesig werden, wenn sie sie zum Fangen von Fisch öffnen.

Beim Wandern durch den Park entdecken wir alle möglichen interessanten Ecken, zum Beispiel einen Barfuß-Parcour, bei dem man die verschiedenen Naturböden mit den Füßen erkennen kann. Schließlich verabschieden wir uns von unserer Lieblings-Wasserratte: Sie schwimmt nicht im Gehege bei den Anderen, sondern hat sich wohl irgendwie daraus befreit. Die Revoluzzer-Ratte, wie wir sie nennen, nutzt den kompletten Teich, die Anderen innerhalb des Zauns schauen neidisch zu. Das witzige Ende einer tollen Erfahrung.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Wölfe, Bären und Luchse hautnah