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Serie Abenteuer in der Region - In den Maaren der Eifel schwimmen

Serie „Abenteuer in der Region“ : Zur Erfrischung in den Vulkankrater springen

Wo es einst zu gewaltigen Magma-Explosionen kam, lässt es sich heute herrlich baden. Ein Ausflug zu den „Augen der Eifel“.

Mal wirken sie mystisch und dunkel, tief und gefährlich. Mal glitzert die Sonne so verführerisch auf ihrer kreisrunden Oberfläche, dass ich nichts anderes will, als mit Anlauf hineinzuspringen und mich mit einem fröhlichen Platschen in ihrem kristallklaren Wasser abzukühlen.

Eines jedoch steht außer Zweifel: Die Maare der Eifel sind landschaftliche Schönheiten und zudem geologisch ganz außergewöhnliche Erscheinungen.

Einen ganzen Urlaub könnte man in der Vulkaneifel verbringen, die so friedlich wirkt, obwohl sie so gewaltsam entstand. „Die Augen der Eifel“ wurden regelrecht in die Landschaft gesprengt, als glühende Magma auf Grundwasser traf und explodierte. Das umgebende Gestein wurde zusammen mit der Magma in kleinste Bestandteile zerfetzt und aus dem Explosionstrichter geschleudert. Dieses Material bildet nun die steilen Wälle, die man im Umkreis der Maare findet. Der bei der Explosion entstandene Trichter wiederum füllte sich im Laufe der Zeit mit Wasser.

Zum Glück, denn diese Tatsache ermöglicht eine der schönsten sommerlichen Freizeitbeschäftigungen, die es in der Großregion gibt: Das Baden im kühlen Nass tiefer Vulkankrater. Die Bezeichnung Maar ist übrigens abgeleitet aus dem lateinischen „mare“ (Meer).

 Das Meerfelder Maar.
Das Meerfelder Maar. Foto: GesundLand Vulkaneifel/GesundLand Vulkaneifel/D. Ketz

Von den mehr als 70 Kratern, die in der Eifel wissenschaftlich nachgewiesen wurden, sind zwölf mit Wasser gefüllt. In vier davon ist das Schwimmen erlaubt: im Meerfelder Maar, Pulvermaar, Schalkenmehrener und Gemündener Maar.

Dabei bieten diese vier recht unterschiedliche Eindrücke: Pulver- und Gemündener Maar sind ganz von steilen bewaldeten Hängen umschlossen und wirken dadurch vielleicht noch etwas geheimnisvoller. Schalkenmehrener und Meerfelder Maar hingegen liegen in lieblicheren Landschaften. Dort kann der Blick beim Schwimmen über Obstbaumwiesen, Weiden und Felder sanft hangaufwärts gleiten. Und auch die Kirchtürme der nahen Eifeldörfer sind zu sehen.

 Viel Platz ist auf der Liegewiese am Gemündener Maar.
Viel Platz ist auf der Liegewiese am Gemündener Maar. Foto: Alwin Ixfeld

Das Gemündener Maar ist das nördlichste – und das kleinste – der drei Dauner Maare. Es ist rund 325 Meter lang, 300 Meter breit, 30 000 Jahre alt und maximal 38 Meter tief. Sein Wasserspiegel liegt auf 406,6 Meter über Normal-Null. Sein Schwimmbad bietet einen Sprungturm mit verschiedenen Höhen, eine kleine Kletterwand, eine Badeinsel, ein Nichtschwimmerbecken und ein Babybecken.

Das vor 23 000 Jahren entstandene Pulvermaar bei Gillenfeld ist nicht nur das tiefste Maar, sondern auch eines der bekanntesten und beliebtesten. Es bietet unter anderem ausgedehnte Wiesen, ein chlorfreies Nichtschwimmer- und Planschbecken und einen 3-Meter-Sprungturm. Auch für die, die lieber trocken bleiben, lohnt sich ein Ausflug. Kann man doch vor Ort ein Ruder-, Tret- oder Sonnenboot mieten und damit seine Runden über die ruhige Wasserfläche drehen.

Das Schalkenmehrener Maar ist das größte der drei Dauner Eifel-Augen. Ursprünglich war es ein Doppelmaar. Der östliche Teil wurde aber von vulkanischer Asche vollständig bedeckt. Hier hat sich eine Flachmoorvegetation entwickelt, die Lebensraum für seltene Vögel bietet, die man bei einem Spaziergang ums Maar mit etwas Glück beobachten kann.

Das Naturfreibad bietet eine lang gezogene Liegewiese, ein Babybecken sowie ein eingezäuntes Kinderbecken, eine Wasserrutsche und ein Sprungbrett. Auch hier gibt es die Möglichkeit zum Boot fahren.

Anders als bei den anderen Maaren, wo man Eintritt zu den Schwimmbädern zahlt, ist das Naturfreibad des Meerfelder Maars frei zugänglich. Dieser breite Kessel entstand bei einer Explosion vor rund 80 000 Jahren. Bei dem Ausbruch des Vulkans wurden auch beeindruckende  Olivinbomben ausgeworfen – dabei handelt es sich um runde Blöcke, die aus dem hübschen grünen Mineral Olivin bestehen. Im Süden des „nur“ 18 Meter tiefen Maars schmiegt sich das Örtchen Meerfeld an die Hänge.

Nach einem Rundgang um den See kann man sich am Nordufer abkühlen. Parkmöglichkeiten gibt es in Meerfeld und an einem Parkplatz, der über die K 10 erreichbar ist.

Für welches Maar ich mich auch entscheide: Es ist ein großartiges Bade-Erlebnis, das man mit keinem anderen vergleichen kann. So glasklar und so blau ist das Wasser der Seen, so tief wie ein Vulkanschlot ihr Grund, so steil ihre Kraterhänge. Vorsicht: Nur wenige Meter weit  kann ich hineinlaufen, dann verliert sich der Boden in der dunklen Tiefe. Und während sich das Wasser an der Oberfläche im Sommer angenehm aufwärmt, dringe ich mit den Zehenspitzen, beim Tauchen oder beim Sprung vom 3-Meter-Brett schnell in kalte Gefilde vor.

Und da unten bin ich nicht alleine. Zum Beispiel im Pulvermaar, dem mit 74 Metern tiefsten Maarsee Deutschlands. Denn dort sind ziemlich viele Fische unterwegs: Aale, Forellen, Barsche, Brassen, Hechte, Karpfen, Rotaugen oder Zander. Also: Schnorchelsachen einpacken! Das Maar-Wasser ist so klar, dass ich erstaunlich tief in den Vulkan hinuntergucken kann.

Einfach so reinhüpfen, wo es mir gerade passt, darf ich allerdings nicht – und das wird auch kontrolliert. Denn die Maare sind nicht nur Badeseen, sondern auch wertvolle Biotope. Sie stehen unter Naturschutz. Wasservögel, die in den Schilfgürteln entlang der Ufer leben, könnten sich durch Badende so gestört fühlen, dass sie das Brüten aufgeben.

Wird die Ufervegetation zertreten, so fehlt den Tieren zudem der nötige Lebensraum zum Brüten. Daher sollten Wasserratten ausschließlich von den Schwimmbädern aus ins Wasser gehen. Nachdem es 2020 bei großem Besucherandrang zahlreiche Verstöße gab, wird nun intensiver kontrolliert. Da, wo das – wie beim Gemündener Maar – möglich ist, empfiehlt es sich, langfristig vorab Eintrittskarten zu kaufen.

Alle Teile der neuen Serie Abenteuer in der Region unter: www.saarbruecker-zeitung.de/sz-serien/sommerserie/