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Spaziergang mit Alpakas und Lamas durch Wälder in Saarbrücken

Serie Abenteuer in der Region : Tierischer Spaziergang auf dem Spicherer Berg

Bei hohen Temperaturen ist ein Spaziergang im kühlen Wald besonders angenehm. Warum nicht mit tierischen Begleitern? Mit Lamas und Alpakas von der Saar Alpaka Farm ist das möglich. Wir haben es ausprobiert.

An diesem Sonntag herrschen Temperaturen um die 25 Grad. Da zieht es viele Menschen in die Wälder rund um die Landeshauptstadt Saarbrücken, um sich abzukühlen. Dort können sie abschalten, den Alltag für ein paar Stunden hinter sich lassen, entschleunigen. Und weil bei einem besonderen Spaziergang an diesem Mittag beide Hände gebraucht werden, kann auch das Smartphone im Auto oder in der Hosentasche bleiben.

Es fallen Namen wie Napoleon, Emilio, Galileo oder Sambuco. Gerade Napoleon stellt sich unterwegs als kleiner Vielfraß heraus. Immer wieder reckt er den flauschigen Kopf in die Höhe und knabbert Blätter von den Bäumen. Bei den vier Begleitern handelt es sich nicht um historische Persönlichkeiten oder alkoholische Getränke.

Sie gehören zu insgesamt 101 Alpakas und Lamas, die im Saarbrücker Stadtteil St. Arnual im Almet leben. Dort haben Christiane Große und Rainer Frenkel 2009 die Saar Alpaka Farm gegründet – als Hobby. Zwei Jahre später starteten die beiden ihre Touren durch den Wald auf dem Spicherer Berg. Heute ist der Hof ein beliebtes Ausflugsziel.

Apropos Namen. Dabei sind Christiane und Rainer immer kreativ. Jeder Jahrgang hat ein Motto. Daher tollen Musikgruppen, Musiker oder auch Operncharaktere über die Weiden der Farm. „Wenn wir uns die Namen nicht mehr merken können, sind es zu viele“, erklärt Christiane lachend. 2016 war die Fußballnationalmannschaft aus Island erfolgreich bei der Europameisterschaft. Christiane fieberte damals so sehr mit dem Team mit, dass kurzerhand der Alpaka- und Lama-Jahrgang isländische Namen erhalten hat. „So können wir uns auch merken, wer im welchem Jahr geboren wurde“, erklärt Christiane. In einem Jahr sei Rainer unterwegs gewesen, als sie gleich mehrere Geburten begleitete. Also entschloss sich die Wahl-Saarländerin die Tiere nach ihren Müttern zu benennen. Daher gebar unter anderem Emilia ihr Junges Emilio oder Hope das Fohlen Glory. Aber auch die Facebook-Fans der Saar Alpaka Farm durften bereits bei der Namensgebung helfen.

An diesem sonnigen Tag wanderten wir gemeinsam mit 19 anderen Teilnehmern bei der Schnuppertour. Jeden Sonntag um 11 Uhr starten Christiane und Rainer mit den Wanderlustigen, um die etwa drei Kilometer lange Rundtour zu absolvieren und die Alpakas und Lamas kennenzulernen. Doch zuerst ist Mitarbeiten dran. Denn die „Jungs“, wie Christiane die Wandertiere liebevoll nennt, stehen noch auf der „Jungsweide“ und alle Teilnehmer dürfen helfen, sie zusammenzubringen. Bei der heutigen Tour ist das etwas leichter. Auf der Weide liegt ein großer Heuballen, um den sich die Jungs versammelt haben. Während die Wandertiere gemeinsam mit ein paar Fohlen, die demnächst auch mit auf Tour gehen dürfen, sich um das frische Futter scharen, stellen sich alle menschlichen Teilnehmer hinter ein langes Seil. So werden die Lamas und Alpakas eingekreist. Zunächst machen es uns die Paarhufer nicht leicht. Wer lässt sich schon gerne bei seiner Mahlzeit stören? Davon lässt sich Gruppenführer Rainer nicht beeindrucken und treibt die Jungs ans untere Ende, um ihnen ein Halfter anzulegen und sie auf die Teilnehmer zu verteilen. „Wir lassen Kinder ab etwa sechs Jahren ein Tier alleine führen“, erklärt Christiane. Jüngere Kinder dürfen natürlich auch an der Tour teilnehmen, werden dann aber von den Eltern unterstützt.

Bevor jeder Teilnehmer seinen tierischen Begleiter an die Hand bekommt, gibt es noch eine Einführung mit ein paar Hinweisen von Rainer. Jeder läuft auf der linken Seite des Tieres – etwa auf Kopfhöhe. Doch auch ein paar Vorsichtsmaßnahmen sind zu beachten: „Die Tiere wollen nicht sofort angefasst werden“, erklärt Rainer. Sie seien ein wenig zusammen gepfercht und daher noch etwas zurückhaltend. Er erklärt, dass wir die Tiere nur am Hals streicheln sollen, denn am Rücken mögen sie das gar nicht. Dabei räumt er mit einem Vorurteil auf: „Auch Alpakas können spucken!“ Und wenn dem Tier etwas nicht passt, weiß es sich auch zu wehren: „Aber das trifft meist den Falschen.“

Wer an welcher Stelle laufen wird, hänge von der Tagesform der vierbeinigen Gruppenmitglieder ab. Vorne würden in der Regel Harry oder Tim laufen. Unser zwölf Jahre alter Begleiter, Neville, gehört zu den Ältesten und ist meist im Mittelfeld unterwegs. Die jüngsten Wandertiere sind zwei Jahre alt und haben im Mai erst angefangen mitzulaufen, berichtet Christiane. Normalerweise fangen die Jungtiere mit gut anderthalb Jahren im Herbst mit dem Halftertraining an, nachdem sie bereits mit etwa acht Monaten im Frühjahr auf die Jungsweide zu den Großen dürfen.

Neville ist ein ruhiger Zeitgenosse, den nichts aus der Ruhe bringt. Trotz seines fortgeschrittenen Alters läuft er noch jede Tour mit. Solange er möchte und keine Beschwerden hat, darf er auch noch viele Jahre mitlaufen. Eines der ältesten Tiere sei Lorenzo mit seinen 16 Lenzen. „Er läuft nicht mehr alle Touren mit“, erklärt Christiane.

Direkt zu Beginn der Runde verlangsamt Alpaka Neville sein Tempo und unser Hinter-Alpaka kann überholen. „Wir wollen ja auch keine Bestzeiten laufen“, sagt Christiane. Wir waren aber von Rainer vorgewarnt worden. „Die Tiere ziehen bis sie zu ihrem gewünschten Platz kommen“ hatte er bei der Einführung erklärt. „So viel zum Thema ‚Wer geht hier mit wem spazieren?’“

Ich bin schon dankbar, dass ich mit Neville die Tour laufen darf. Er läuft brav an meiner Seite und lässt sich nicht einfach in die Wiese fallen oder knabbert Bäume an – so wie sein Kumpel Napoleon. Denn ich kann mir kaum vorstellen, dass ich ein etwa 70 Kilogramm schweres Tier von einer Hecke wegziehen kann, damit nicht die gesamte Gruppe im Anschluss stehen bleiben muss. Aber mit der Hilfe von Christiane und Rainer sind auch diese Herausforderungen zu bewältigen.

Die anderthalb Stunden vergehen wie im Flug. Kurz vor 12.30 Uhr kommen wir pünktlich wieder an der Saar Alpaka Farm an. Alle Teilnehmer geben mit strahlenden Augen und einem Lächeln auf den Lippen ihren tierischen Begleiter bei Rainer wieder ab. „Es war arig schön“ ist das Fazit von Tanja Scheer aus Kusel. Sie hatte ein Geschenk für ihre Schwester gesucht und war über eine Tierpatenschaft auf den Hof gestoßen. Kurzerhand haben die beiden dann auch an der Tour teilgenommen und anschließend geht es noch zu ihrem flauschigen Patenkind.

Nicht nur aus Rheinland-Pfalz sind Besucher angereist. Auch den USA waren zwei junge Damen an diesem Sonntag mit von der Partie. Die Nichten einer Familie aus Völklingen besuchten ihren Onkel und da seine Gattin sowieso die Wanderung geplant hatten, durften auch die jungen New Yorkerinnen mitkommen. Auch sie fanden die Tour „sehr schön“.

Doch nicht nur im Almet können Wanderlustige mit tierischer Begleitung spazieren. Unter anderem in Mainzweiler gibt es mit den Webertal-Alpakas Touren. Ebenso bieten die rheinland-pfälzischen Nachbarn Wanderungen mit Alpakas, Lamas und Eseln an. So gibt es zum Beispiel auch in Föhren bei Coopers-Alpakas regelmäßig verschiedene Touren unter anderem um Schweich an. Und in Tawern können Besucher mit Eseln von der Eselcompany einen Ausflug machen.

Alle Teile der neuen Serie Abenteuer in der Region unter: www.saarbruecker-zeitung.de/sz-serien/sommerserie/

Hier geht es zur Bilderstrecke: Entspannte Tour mit den Mini-Kamelen