Serie Abenteuer in der Region : Auf wackeligem Brett über die Saar paddeln (mit Bildergalerie)

Was wäre ein Sommer ohne Spaß auf dem Wasser? „Stand-Up Paddling“ (SUP) ist ein neuer Wassersport-Trend. Unsere Autorin hat sich mit weichen Knien auf einem Brett zum Saarburger Wasserfall vorgewagt. Nicht ganz ohne Hindernisse.

Ich stehe noch unsicher auf meinem Brett im Fluss, hinter mir die historische Kulisse Saarburgs, alles schwankt, bloß nicht reinfallen. Da soll ich auch schon das größte Abenteuer dieser Tour bewältigen. „Paddelt mit Schmackes auf die Brücke zu, dann legt Euch schnell hin“, ruft unser Trainer Frank. Mit Sorge betrachte ich die Brücke über der Mündung des Flüsschens Leuk, unter der vielleicht ein halber Meter Platz ist. Da muss ich durch, um zum Saarburger Wasserfall zu kommen.

Frank Naergers Unternehmen Trick 17 bietet in Trier, Losheim und Saarbrücken zahlreiche SUP-Kurse und -Touren an. SUP – das steht für die Trendsportart Stand Up Paddling. Erst hatte ich erwogen, in Trier SUP-Yoga zu machen. Doch da ich weder wirklich Yoga kann noch große Erfahrung im Stehpaddeln besitze, hatte ich Sorge, dass aus meinem herabschauenden Hund allzu schnell ein platschnasser Köter werden könnte.

Stattdessen entschied ich mich für die mittelschwere Saarburger Wasserfalltour. Den Wasserfall mag ich seit meiner Kindheit. Aber diese Perspektive, von unten, vom Wasser, das wäre doch mal cool!

In diesem Moment – vor der Brücke – frage ich mich allerdings kurz, ob Yoga nicht doch eine gute Idee gewesen wäre. Zumal Trainerin Petra Oehms mir an Land vorgeschwärmt hatte, wie fantastisch man sich beim Yoga auf dem Wasser entspannen könne, wie sicher die Übungen im Liegen und auf allen Vieren seien und wie schnell man angesichts des kontinuierlichen Balanceakts jene Muskulatur aufbaue, die man für das stabile Stehen auf dem Board benötige.

Nun ja. Zu spät. Ich stehe. Keine fünf Minuten zuvor erst hatte ich es geschafft, von einer glitschigen Stufe am Ufer aufs Brett zu krabbeln, das Paddel quer vor mich hin zu legen, so wie Frank es uns zuvor an Land gezeigt hatte und mich mit wackligen Knien zu erheben. Der erste Paddelschlag. Doch was ist das? „Du musste Dein Paddel auf jeden Fall noch länger machen“, ruft der SUP-Trainer mir zu. Stehend paddeln geht eben nur, wenn das Paddel auch bis ins Wasser kommt.

„So was Blödes“, denke ich und fummle unbeholfen an dem Griff herum, bis er sich ausfahren lässt, während das Brett bedrohlich wackelt und führerlos über die Saar treibt. Zu lang, zu kurz. Geschafft. Endlich: der erste Paddelschlag. „Du stehst zu weit hinten“, ruft Frank. Denn der stabile „Sweet Spot“ so eines Boards, der liegt in der Mitte, da, wo die Schlaufe ist. Ich gucke runter. Tatsache. Ich muss ein Schrittchen nach vorne. Was an Land so einfach ist, bereitet mir hier, in der Mitte des Flusses, Probleme. Zentimeterweise schiebe ich mich vor, bis ich über der Schlaufe bin, steche mein Paddel ins Wasser, führe es eng am Brett vorbei und gleite unter Franks prüfendem Blick Richtung Leukmündung.

Trotz meiner Anfangsprobleme scheint er zu dem Schluss zu kommen, dass ich sicher genug stehe, um das Abenteuer Wasserfall direkt anzugehen und nicht erst am Ende der dreieinhalbstündigen Tour. Denn genau an dieser Stelle sollte man auf gar keinen Fall ins Wasser plumpsen. Die Leuk ist hier flach und voller Unrat, an dem man sich verletzen könnte. Ich beobachte die anderen dabei, wie sie Anlauf nehmen, sich im richtigen Moment aufs Brett legen und elegant unter der Brücke hindurchgleiten. Auch ich nehme Anlauf. Zwei Paddelschläge rechts, zwei links, dann sinke ich auf die Knie, lege mich hin und sehe den grauen Betonsturz langsam über mir vorbeiziehen. Ein wenig zu langsam für meinen Geschmack. Noch knieend paddle ich weiter, dann stehe ich vorsichtig auf, denn die nächste Brücke ist hoch genug. Je näher wir kommen, desto lauter dröhnt der Wasserfall. Frank muss schon fast brüllen, um uns vor einer Sandbank zu warnen, die sich vor den rotierenden Mühlrädern gebildet hat. Wir halten uns also möglichst weit links und bewegen uns an der mehr als 20 Meter hohen Mauer entlang auf die herabstürzenden Wassermassen zu.

Hoch oben stehen bunt gekleidete Menschen und blicken zu uns hinunter. Beobachten, wie wir Fotos machen, nacheinander nah an den Wasserfall heranfahren, wie wir im Sprühnebel lächelnd nach oben blicken, wie wir vorsichtig wenden und an den Mühlrädern vorbei Richtung Saar aus ihrem Blickfeld verschwinden.

Die Sonne glitzert auf dem weiten Fluss, Wind raschelt in Weiden, Riet und Binsen. Eine Schwanenfamilie zieht vorbei. Inzwischen fühle ich mich sicherer. Fühle mich in der Lage, mühelos dahinzugleiten. Wäre da nur nicht dieser starke Gegenwind. Unaufhörlich schlagen kleine Wellen gegen das Board, während wir uns Richtung Schoden vorarbeiten. Das Paddeln erfordert Kraft. Und die kommt aus der Schulter. Denn wie Frank erklärt, zieht man das Paddel nicht, man drückt es. Ist es links im Wasser, dann kommt der Schub aus dem rechten Arm. Trainiert wird dabei dank der vielen kleinen Ausgleichsbewegungen der Beine allerdings der ganze Körper, was nach dem langen Lockdown ja nicht schaden kann.

Ein Transportschiff nähert sich: die fast 100 Meter lange „Aqua Linda“. Schon ist ihr Sog zu spüren. „Geh besser in die Knie“, rät Frank. Denn die Wellen, die so ein großer Frachter erzeugt, können Neulinge schnell aus dem Gleichgewicht bringen. Doch so, im Knien, erinnert das Auf und Ab einfach an Urlaub. Wie der Rest der Tour. Die Saarburg, ein Yachthafen, steile Felsen, Wälder, Wiesen, sonnige Weinberge, Röhricht und Teichrosen gleiten vorbei, die Ayler Kupp kommt in Sicht, Radler grüßen, hier flattert eine Ente, dort springt ein Fisch, der Wind säuselt, Wolken spiegeln sich im Wasser, während die Bewegung zur beruhigenden Routine wird und die Zeit dahinfliegt.

Ganz, ganz weit vorne paddelt Wiebke Heinrich. „Ich bin sonst so ein Hibbel“, sagt die Triererin. Doch die Bewegung auf dem Wasser entspanne sie, bringe sie runter. Nachdem sie ihr Board aus der Saar gehoben hat, wirkt sie müde, aber glücklich. Und selbst ohne Spiegel weiß ich: Bei mir sieht das ganz ähnlich aus.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Stand-Up Paddling am Saarburger Wasserfall