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SZ-Serie ?Wald und Waldkrisen in der Region? ? Teil 13

Serie ?Wald und Waldkrisen in der Region? ? Teil 13 : Auch f?r Glas wird Holz ben?tigt

Die W?lder und ihr Zustand besch?ftigen viele Menschen in unserer Region. In unserer neuen Serie blicken wir auf das Thema Wald und Waldkrisen im Verlauf der Geschichte.

In der im vorangegangenen Teil beschriebenen Waldform ? den Niederw?ldern ? erfolgte die Vermehrung nicht durch Samen oder Setzlinge, sondern vielmehr durch mehrst?mmige Stockausschl?ge, das hei?t nach dem Abschlagen der Stangen trieben aus den Wurzelst?cken regenerationsfreudiger Str?ucher und B?ume wie Eichen, Buchen, Birken und Hasel immer wieder gen?gend Sch?sslinge aus. Vor allem Eichensch?lw?lder waren ?ber Jahrhunderte hindurch f?r unsere Region von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung. Die Niederwaldwirtschaft war im Hunsr?ckvorland, das hei?t im Hochwald, ebenso wie auch im Saar-Nahe-Bergland weit verbreitet. Diese Wirtschaftsform des Waldes hatte sich zun?chst durch den gro?en Holzkohlebedarf f?r die Weiterverarbeitung von Rohstoffen, wie Eisen- oder Kupfererzen entwickelt. Das Holz dazu lieferte der Niederwald, in dem Buchen wuchsen, die nach 20 bis 30 Jahren geschlagen wurden.

Sp?ter kam dann noch die Weiterverarbeitung von Tierh?uten zu Leder hinzu. So wurde schlie?lich auch die Eichenrinde in Niederw?ldern gewonnen. In solchen ?Lohhecken?, wie man sie in unserer Gegend auch nannte, wurde der Nachwuchs von Eichen besonders gef?rdert. In D?ppenweiler, dem Heimatort des Verfassers tr?gt heute daneben noch eine Gemarkung die Bezeichnung ?In der Lohwiese?. Der Grund hierf?r k?nnte vielleicht in dem Umstand zu sehen sein, dass nach dem Ende der Niederwaldnutzung die Fl?chen dieser Gemarkung als Weiden beziehungsweise Ackerfl?chen genutzt wurden.

Solche Niederw?lder waren f?r unsere Gegend durchaus landschaftspr?gend. Heute geh?ren sie allerdings der Vergangenheit an, da sie, falls sie nicht anderweitig genutzt wurden, wie dies wohl in D?ppenweiler der Fall war, wieder in Hochw?lder ?berf?hrt wurden.

Bis weit in die Mitte des 19. Jahrhunderts spielten sie jedenfalls eine bedeutende Rolle, was die Waldnutzung angeht. Zur Zeit der preu?ischen Herrschafts?bernahme 1816/17 gab es beispielsweise im heutigen Landkreis Merzig-Wadern 18 Lohgerbereien, deren j?hrlicher Verbrauch an Lohe 2000 Zentner betrug. 1865 waren 19 Gerbereien vorhanden, von denen sich sechs in Losheim, f?nf in Wadern, drei in Merzig, zwei in Weiskirchen und je eine in Hilbringen sowie in Mettlach befanden. Der Gesamtverbrauch an Lohe betrug in jenem Jahr schlie?lich 12 620 Zentner. Die gerbs?urehaltige Eichenrinde diente in den Gerbereien noch bis in diese Zeit als wichtiger Stoff zur Herstellung von Leder, bis dann nach und nach andere, vor allem chemisch hergestellte Gerbstoffe mehr und mehr eingesetzt wurden.

Die vorstehend geschilderte Form der Niederwaldbewirtschaftung im Allgemeinen und die Arbeit in den Lohhecken im Besonderen ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Deshalb werden im Ortsteil Eiweiler der Gemeinde Nohfelden seit 1987 alle f?nf Jahre im Mai ?Lohheckentage? durchgef?hrt. Dabei wird an Ort und Stelle gezeigt, wie die Leute in fr?heren Zeiten diese Arbeit verrichtet haben1.

Doch nicht nur im Hochwald wurde der Wald durch spezielle wirtschaftliche Aktivit?ten stark in Mitleidenschaft gezogen. Dies galt beispielsweise auch f?r den Warndt. Bereits im 16. Jahrhundert hatten sich viele Glas produzierende Betriebe im ?stlichen Lothringen angesiedelt und diesen Landstrich zu einer Hochburg der Glasherstellung gemacht. Als die Hugenotten im Zuge der franz?sischen Religionskriege ihres Glaubens wegen ihr Land verlassen mussten, siedelten viele direkt hinter der Grenze im Warndt an. Der Saarbr?cker Graf Ludwig II. von Nassau-Weilburg erlaubte 1604 franz?sischen Glaubensfl?chtlingen die Ansiedlung, die daraufhin den Ort Ludwigsweiler anlegten, aus dem das heutige Ludweiler hervorgegangen ist. Eine Urkunde besagt, dass der Graf zw?lf Hugenotten, die wegen ihres calvinistischen Glaubens vor dem franz?sischen K?nig hatten fl?chten m?ssen, erlaubte, an der ?Rixfurth im Warneth? ein Dorf zu gr?nden. Die hugenottischen Einwanderer brachten das Glasbl?serhandwerk mit und f?hrten die Glasindustrie an der Saar ein, als sie 1616 eine Glash?tte in Betrieb nahmen. Auch das 1608 als Ort entstandene Nassweiler ist 1623 als Glasmachersiedlung erstmals belegt.

Das Buntsandsteingebiet des Warndts mit seinen ausgedehnten W?ldern lieferte gen?gend Zutaten und Hilfsmittel, wie wei?en Silbersand, Kalk, Pottasche aus Farnkraut, roten Buntsand und Metalloxide f?r Buntglas, Wasser und als Brennstoff Holzkohle. Neben den K?hlern zogen vor allem auch die Pottaschenbrenner, die f?r ihr Produkt Holz in kreisf?rmigen Gruben zu Asche verglimmen lie?en, den Warndtwald ebenfalls stark in Mitleidenschaft.

Im 17. Jahrhundert entwickelten sich daneben auch Glash?tten einheimischer oder aus dem deutschen Raum zugewanderter Betreiber. So verdankt der Warndtort Karlsbrunn seine Existenz der Ansiedlung einer Glash?tte im fr?hen 18. Jahrhundert durch Glasmacher aus Wiesbaden und Otterberg/Pfalz. Graf Carl Ludwig von Nassau-Saarbr?cken unterzeichnete 1717 die Gr?ndungsurkunde der damaligen ?Spiegelh?tten und Glasmanufactur?. Im folgenden Jahr 1718 siedelten sich erste Spiegelmacher an, um Spiegel zu produzieren, wie man das wei?e Fensterglas nannte.

Diese H?tte bestand allerdings nur wenige Jahre. Die Konkursmasse wurde 1723 an die damaligen Betreiber der 1662 gegr?ndeten Klarenthaler H?tte vergeben, die den Karlsbrunner Betrieb neu in Gang brachten. Ein interessantes Detail am Rande: Als Holzhauer der Karlsbrunner H?tte arbeiteten zu dieser Zeit auch Mitglieder einer Familie namens Eisenhauer, die teilweise in Forbach und Karlsbrunn lebten, was Kirchenbucheintr?ge aus den Jahren 1722 beziehungsweise 1725 belegen. Die schlie?lich 1741 nach den USA ausgewanderten Mitglieder dieser Familie z?hlen zu den Vorfahren des US-Generals und sp?teren Pr?sidenten Dwight David Eisenhower.

Erw?hnt werden sollte noch, dass im Warndt oder seinen Randgebieten insgesamt 23 Standorte von Glash?tten bekannt sind, darunter Lauterbach, wo 1707 eine Glash?tte erbaut wurde, Differten (1620), Werbeln (1688) oder Gersweiler (1773), um nur die wichtigsten zu nennen.

Der Warndt ist dabei streng genommen ein Teil des Saarkohlenwaldes, der sich von Neunkirchen im Nordosten bis nach St. Avold im franz?sischen Nachbarraum erstreckt. Auf den Kartenwerken des Mittelalters wird dieses Gebiet in seiner Gesamtheit aufgrund der feudalen Herrschaft als ?Warndt?, worunter ein ?verwarndter?, das hei?t verbotener Wald zu verstehen ist, gef?hrt. Daraus entwickelte sich sp?ter dann die Bezeichnung f?r das heute so bezeichnete Waldgebiet auf der linken Saarseite.

Doch blieb die Glasproduktion nicht allein auf den Warndt beschr?nkt, da die nat?rlichen Gegebenheiten des Saarkohlenwaldes auch in den auf der rechten Saarseite gelegenen Gebietsteilen gerade der Entwicklung der Glasindustrie entgegenkamen. F?r die Glasherstellung bot auch hier der Wald die Rohstoffe Quarzsand, Farn f?r die Herstellung von Pottasche, die als Flussmittel bei der Schmelze diente, und Holz f?r Holzkohle. Glash?tten entstanden in Klarenthal 1662 (damals: Clarenthal; benannt nach Gr?fin Eleonora Clara von Nassau-Saarbr?cken), Friedrichsthal 1723, Ru?h?tte 1724 und Quierschied 1779. Insgesamt sind im Gebiet des heutigen Regionalverbandes Saarbr?cken vom sp?ten 16. bis zum 20. Jahrhundert circa 50 Glash?tten nachweisbar2. Auch in St. Ingbert (ab 1763 beziehungsweise 1784) sowie Hassel und Rohrbach (1746) waren Standorte von Glash?tten.

Der gro?e Bedarf der Glash?tten an Brennmaterial wurde anfangs mit Holz gedeckt, sp?ter mancherorts dann durch Steinkohle. Seitdem wurde zwischen Holz- und Kohlglash?tten unterschieden. Die erste Kohlglash?tte in der Grafschaft Saarbr?cken war die am Fischbach im heutigen Saarbr?cker Stadtteil Ru?h?tte gelegene. Die lokale Glasindustrie bildete nach der Schwerindustrie lange den wichtigsten Wirtschaftsfaktor an der Saar.

Alle Teile der Serie finden sich im Internet.

www.saarbruecker-zeitung.de/waldkrisen