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Bookstagram und Booktok: Wie Social Media den Buchmarkt ver?ndert hat

?Bookstagram und Booktok? : Die Empfehlung macht den Bestseller

Selbsternannte Literaturkritiker scharen in den sozialen Medien zig Anh?nger um sich. Den Buchmarkt haben sie so grundlegend ver?ndert.

Literaturkritiker wie Elke Heidenreich, Marcel Reich-Ranicki und Hellmuth Karasek bestimmten jahrzehntelang fast im Alleingang ?ber Erfolg oder Misserfolg von B?chern. Ein Lob konnte der Startschuss f?r eine erfolgreiche Schriftstellerkarriere sein, ein Verriss f?r einen Autor das endg?ltige Aus bedeuten. Doch die Zeiten ?ndern sich. Welches Werk es auf die Bestsellerlisten schafft und welches nicht, liegt in Zeiten von Social Media l?ngst nicht mehr allein in der Hand einer kleinen Expertengruppe.

Denn seit es Instagram, Tiktok und Co. gibt, kann jeder selbsternannte Literaturkritiker mit einer gro?en Gefolgschaft den Buchmarkt beeinflussen. Bei der Bilderplattform Instagram etwa m?ssen dazu nur ein kurzer Text verfasst, ein Foto mit dem Buchcover hochgeladen und die richtigen Hashtags gesetzt werden.

Wie beliebt Literaturkritiken bei Nutzern dieses Social-Media-Kanals sind, zeigt die Anzahl der Beitr?ge unter dem Schlagwort ?Bookstagram?: Aktuell sind dort ?ber 60 Millionen Posts aus aller Welt zu finden. Die Plattform Tiktok, auf der Nutzer Buchkritiken in Videoform hochladen und anschauen k?nnen, steht da Instagram in nichts nach. Das Hashtag ?Booktok? hat bei Tiktok weit ?ber acht Milliarden Aufrufe.

Solch eine enorme Reichweite und der damit verbundene gro?e Einfluss auf den Markt rufen auch die Verlage auf den Plan. So bef?rderte der MVG-Verlag k?rzlich den vor zehn Jahren erschienenen ?Bro Code?, das Buch zur TV-Serie ?How I met your mother?, durch eine Kooperation mit dem Tiktok-Creator ?Der Brophet? auf Platz eins der Sachbuch-Charts. Und auch Autoren selbst nutzen die sozialen Netzwerke, um sich und ihre B?cher ?ber die unterschiedlichen Plattformen zu vermarkten und sich direkt mit ihren Lesern auszutauschen.

Ein Beispiel ist die 27-j?hrige Kolumnistin und Autorin Sophie Passmann, deren B?cher ?Alte wei?e M?nner? und ?Komplett G?nsehaut? es beide auf Anhieb auf die Spiegel-Bestsellerliste schafften. ?ber Instagram und Twitter, wo ihr mehr als 260 000 beziehungsweise 170 000 Menschen folgen, hatte sie ihre Fangemeinde immer wieder ?ber den Schreibprozess informiert. Und schlie?lich bekanntgegeben, ab wann das Buch vorbestellt werden kann beziehungsweise im Handel erh?ltlich ist. Ihr neuestes Werk kann zurzeit ?ber einen Link auf ihrem Instagram-Profil gekauft werden, ebenso wie Tickets
f?r ihre Lesereise.

Wie man ein Buch ?ber die sozialen Medien bewirbt, wei? auch die 34-j?hrige Gea Neitzel. Die ehemalige Fernsehredakteurin, die sich in S?dafrika zur Rangerin ausbilden lie?, nutzt die Plattformen Youtube und Instagram, um Fans an ihrem Leben in der Wildnis teilhaben zu lassen und sie nebenbei ?ber ihre neuen B?cher auf dem Laufenden zu halten.

Ihr erstes Buch ?Fr?hst?ck mit den Elefanten?, das 2016 erschien, hielt sich wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Und auch ihr 2019 erschienenes Werk ?The Wonderful Wild? wurde so zum Erfolg. Insgesamt hat Neitzel mittlerweile f?nf B?cher auf den Markt gebracht ? und auch bei ihr f?hrt ein Link auf ihrem Instagram-Profil zur Verkaufsseite.

Die sozialen Medien eignen sich aber nicht nur f?r Autoren, die bereits unter Vertrag stehen, sondern dienen zudem Schriftstellern als Sprungbrett, die im Gegensatz zu Passmann und Neitzel am Anfang ihrer Karriere stehen und noch keinen Buchvertrag ergattern konnten. Diese Neulinge in der Welt der Literatur k?nnen ihr Werk nach der Fertigstellung im Internet selbst ver?ffentlichen und dann via Facebook, Instagram, Twitter und Youtube vermarkten.

Allerdings sollten die Erwartungen realistisch bleiben: Mehrere Experten im Internet machen deutlich, dass Vermarktung ?ber die sozialen Medien im Literaturbereich nur in Ausnahmef?llen schnell zu rasant steigenden Verkaufszahlen f?hrt. Zun?chst m?ssten Autoren viel Zeit in den Aufbau einer gro?en Fangemeinde und den regelm??igen Austausch mit den Followern investieren. Erst dann k?nne gelegentlich Werbung f?r das eigene Buch eingestreut werden.