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Die Datenschutz-Kontroversen um Whatsapp haben nur geringe Folgen

Whatsapp : Große Mehrheit nutzt Whatsapp weiter

Der Kurznachrichtendienst war nach der Ankündigung neuer Datenschutzregeln viel Kritik ausgesetzt. Doch viele Nutzer bleiben der Facebook-App treu.

(dpa) Die monatelange Kontroverse um die neuen Datenschutzregeln beim Kurznachrichtendienst Whatsapp hat bisher nur geringe Folgen in Deutschland. In einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Yougov gaben 79 Prozent an, dass sie die Software auf ihrem Smartphone haben und sie auch nutzen. Gut die Hälfte der Whatsapp-Nutzer hat demnach den Mitte Mai in Kraft getretenen neuen Bestimmungen bereits zugestimmt.

Zugleich gaben 13 Prozent an, dass sie vorhätten, die App zu löschen. Rund die Hälfte von ihnen hatte schon vorher Datenschutz-Bedenken, fünf Prozent der Befragten kamen erst mit der Debatte um die neuen Bestimmungen Zweifel – und zwei Prozent wollen demnach weg, weil auch viele ihrer Kontakte Whatsapp entfernt hätten.

Ob es tatsächlich zum dauerhaften Abschied von dem Dienst kommt, ist allerdings noch eine andere Frage. In den vergangenen zwölf Monaten löschten nur drei Prozent der Befragten die App von ihren Smartphones. Und insgesamt gaben acht Prozent an, dass sie Whatsapp schon einmal entfernt hätten, aber zurückkehrten, weil zu viele ihrer Kontakte über den Kurznachrichtendienst zu erreichen waren. Zugleich hat fast die Hälfte der Whatsapp-Nutzer kein gutes Gefühl, was den Datenschutz angeht. So hat jeder Dritte zwar Bedenken, bleibt aber, um weiter mit Freunden und Familie Kontakt zu halten. Weitere 14 Prozent zweifeln auch, kennen jedoch keine gute Alternative. Keine Datenschutz-Bedenken haben 28 Prozent.

Die populärste Whatsapp-Alternative unter den wenigen potenziellen Wechslern ist der Umfrage zufolge Signal mit 27 Prozent. Wie auch Whatsapp setzt der Kurznachrichtendienst auf die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Bei dieser Technologie sind Inhalte der Kommunikation nur für die Teilnehmer im Klartext sichtbar, aber nicht für die Betreiber der Plattform. Signal wird inzwischen finanziell von Whatsapp-Mitgründer Brian Acton unterstützt, der den Mutterkonzern Facebook verlassen hat.

Fast gleichauf mit Signal lag in der Gunst möglicher Whatsapp-Abwanderer Telegram. Für die vom Gründer des russischen Facebook-Klons VKontakte, Pawel Durow, betriebene App wollen sich 26 Prozent entscheiden. Der Dienst Threema kam auf 16 Prozent, zu Facebooks hauseigener Alternative Messenger wollen 13 Prozent wechseln. Auf die klassische SMS statt Ende-zu-Ende verschlüsselter Kurznachrichtendienste wollen 15 Prozent zurückgreifen. Auch bei denen, die Whatsapp bereits verlassen haben, führt Signal mit 28 Prozent als Alternative. Jeweils rund jeder Fünfte unter ihnen nutzt Threema und Telegram sowie 15 Prozent den Facebook Messenger.

Whatsapp hat mehr als zwei Milliarden Nutzer. Der Dienst hatte in den vergangenen Monaten nach der Ankündigung neuer Nutzungsregeln aber mit deutlicher Kritik zu kämpfen. Auslöser war die Einschätzung, dass mit der Aktualisierung mehr Daten mit der Konzernmutter Facebook geteilt werden könnten. Whatsapp weist das als Missverständnis zurück und erklärt, die Änderungen sollten vor allem eine Grundlage für die Kommunikation zwischen Unternehmen und ihren Kunden schaffen. Dadurch hätten Konzerne die Möglichkeit, Verbrauchern ihren Kundendienst über Whatsapp anzubieten. Damit könnten zum Beispiel Händler ihre Waren per Chat verkaufen. Zugleich ließ der Dienst Pläne fallen, mit der Zeit den Funktionsumfang für die Nutzer, die den Regeln nicht zustimmen, stark einzuschränken.

Die Kommunikation zwischen Unternehmen und ihren Kunden ist der aktuelle Plan, wie Facebook schließlich Geld mit Whatsapp verdienen will. Das weltgrößte Online-Netzwerk übernahm Whatsapp 2014 für am Ende rund 22 Milliarden Dollar. Mit dem Kauf nahm Facebook zwar einen potenziellen Rivalen vom Markt, der Dienst trug bisher aber kaum zum Konzerngewinn bei.

Bei der repräsentativen Online-Erhebung befragte das Marktforschungsinstitut Yougov Deutschland Mitte Juni 2029 Personen ab 18 Jahre.

(dpa)