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Nutzer-Daten sind im Internet Millionen Euro und Dollar wert

Datenhandel : So hoch ist das Kopfgeld im Internet

Unsere pers?nlichen Daten sind im Netz viel Geld wert. Der weltweite Handel damit macht 165 Milliarden Euro aus.

Die Post- und E-Mail-Adresse, Telefonnummern, Arbeitgeber, Alter, Familienstand, Schulabschluss, Girokonto ? all das sind Daten, die fast jeder im Internet irgendwann preisgegeben hat. Sei es, um B?cher, Kleider oder Klappst?hle zu bestellen, an einem Gewinnspiel samt Mini-Umfrage teilzunehmen oder um in sozialen Medien Freundschaften zu schlie?en. Dass es eine Menge sehr erfolgreicher H?ndler gibt, denen diese Daten viel Geld wert sind, wissen die wenigsten. Doch der Markt f?r Datenhandel ist weltweit 200 Milliarden Dollar (165 Milliarden Euro) schwer, sch?tzt der Kolumnist Michael Kroker. Inzwischen w?rden sich 4000 Daten-Broker in diesem Gesch?ftsfeld tummeln.

Beispiel USA: ?Der Datenh?ndler Towerdata nennt 80 Prozent aller amerikanischen E-Mail-Adressen sein Eigen; die Wirtschaftsauskunftei Equifax verf?gt ?ber Gehaltsabrechnungsdaten von 39 Prozent der angestellten Amerikaner?, schreibt Kroker. Ein Markenanbieter zahle im Durchschnitt f?r die E-Mail-Adresse eines US-Verbrauchers 89 Dollar (74 Euro).

Der An- und Verkauf pers?nlicher Informationen von Internet-Nutzern ist kein rein amerikanisches Ph?nomen. In Deutschland handeln rund 1000 Unternehmen mit Adressen und anderen personenbezogenen Daten, sch?tzt der Deutsche Dialogmarketing Verband (DDV). Die gr??ten Datenh?ndler in der Bundesrepublik sind dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) zufolge Acxiom, Experian, die Bertelsmann-Tochter AZ Direct und die Deutsche Post.

Acxiom, eine Tochter des US-Unternehmens IPG, betreibt im Konzernverbund 23 000 Server, auf denen personenbezogene Daten gesammelt und ausgewertet werden, schreibt das Online-Magazin ?Basic thinking?. In der Acxiom-Datenbank bef?nden sich Informationen zu mehr als 500 Millionen Menschen. ?Zu jedem einzelnen davon gibt es ?ber 3000 einzelne Datenpunkte? ? wie Alter, Geschlecht oder Beruf.

Auch der Datenh?ndler Experian ist in einen internationalen Verbund eingebunden. Die Muttergesellschaft mit Sitz in Dublin stellt Kunden in mehr als 90 L?ndern Datens?tze zur Verf?gung. Die Deutsche Post mischt ebenfalls kr?ftig mit. Ihre Tochter Deutsche Post Direkt verf?gt nach eigenen Angaben ?ber 220 Millionen Datens?tze, mit denen sie Gesch?fte macht. Will beispielsweise ein Unternehmen mit einer Mailing-Aktion neue Kunden erreichen, kann der Kunde auf 44 Millionen Adressen zugreifen und ?nahezu den gesamten Markt an Privathaushalten? abdecken, hei?t es bei dem Unternehmen.

Die Daten stammen aus allen m?glichen Kan?len. Dazu geh?ren ?ffentlich zug?ngliche Quellen wie die Erhebungen von Statistischen Landes?mtern. Begehrt sind auch Kundenkarten oder Gewinnspiele. Soziale Netzwerke, Online-Shops und die Anbieter kostenloser Mail-Accounts verkaufen ihre Informationen ebenfalls gerne weiter. Kooperationen pflegen die Datenbroker dem MDR zufolge auch mit Telekommunikationsfirmen, Energieversorgern, Kredit- und Marktforschungsinstituten oder Verlagen.

Die Datenh?ndler bieten auf Basis dieser Informationen eine Vielzahl von Diensten an. Diese k?nnen einzeln, aber auch geb?ndelt ? im Fachjargon crossmedial ? gebucht werden. Neben der Werbung ?ber eine Postwurfsendung sind dies unter anderem der Versand per E-Mail oder eine Werbe-Beilage in einem bestellten Paket.

Gro? im Kommen ist das mobile Marketing, bei dem gezielte Werbung auf dem Smartphone erscheint. In werbefinanzierte Gratis-Apps lassen sich jede Menge Informationen packen, wie zum Beispiel Hinweise ?ber Caf?s oder Boutiquen in der N?he, wenn man gerade einen Stadtbummel macht. Dar?ber hinaus fluten Datenh?ndler die sozialen Medien mit jeder Menge Hinweise ihrer Kunden. Die Daten k?nnen zudem beliebig kombiniert werden. So verf?gen einige H?ndler ?ber ein umfangreiches Stra?en- und Geb?udeverzeichnis. Wer wo wohnt ? ob Mehrfamilienhaus, Plattenbau oder Eigenheim ?, verr?t schon einiges ?ber das soziale Milieu, in dem sich die Menschen bewegen. Jede Adresse kann mehreren Merkmalen wie soziale Schicht, Alter, Geschlecht, Einkommen oder Konsumverhalten zugeordnet werden. So verr?t der Vorname oft schon, ob jemand Deutscher oder Ausl?nder ist.

Das Marktvolumen des Adress- und Datenhandels bel?uft sich in Deutschland auf 610 Millionen Euro. Das geht aus einer Studie hervor, die das Bundesverbraucherschutzministerium 2017 erstellt hat und die auf Daten von 2014 basiert. Die zehn gr??ten Unternehmen in der Branche erzielten demnach einen Umsatz von 450 Millionen Euro. Der Analyse zufolge kostet der Kauf einfacher Haushaltsadressen zwischen 6 und 24 Cent pro Anschrift. Kommen Merkmale wie Alter oder Geschlecht hinzu, sind zwischen 10 Cent und 1,65 Euro pro Datensatz f?llig. Der Kaufpreis einer E-Mail-Adresse schwankt um die Marke von einem Cent pro Adresse.

Wer sich diszipliniert verh?lt, kann erreichen, dass nicht sonderlich viele Daten von ihm im Umlauf sind. Helfen kann beispielsweise, nach jedem Internet-Besuch den Verlauf und die Cookies zu l?schen, die der Browser gesammelt hat. M?glich, aber technisch anspruchsvoll ist es, das Tracking?? also die Aufzeichnung, wo man sich im Internet bewegt?? zu unterbinden. Au?erdem kann jeder von Unternehmen oder Beh?rden Auskunft verlangen, welche Daten dort gespeichert sind, woher sie kommen und wof?r sie verwendet werden. Die beste Methode ist immer noch, m?glichst wenig von sich preiszugeben ? frei nach dem Motto ?Surfen ist Silber, Schweigen ist Gold?.