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Senioren öffnen sich der Digitalisierung

Kostenpflichtiger Inhalt: Bitkom-Studie : Senioren öffnen sich der Digitalisierung

Immer mehr ältere Menschen nutzen das Internet, bewegen sich in sozialen Netzwerken und streamen Videos.

Tablets, Smartphones und Laptops – was vor der Corona-Krise fast unvorstellbar für Senioren war, gehört mittlerweile bei vielen zum Alltag. Beinah die Hälfte aller Senioren (45 Prozent) stehe technologischen Neuerungen aufgeschlossen gegenüber. Das ergab eine Umfrage des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, Bitkom.

Der Digitalverband hat die Ergebnisse zweier Befragungen, von Januar und Juli, miteinander verglichen. „Digitale Technologien haben sich während der Corona-Pandemie in vielen Bereichen bewährt“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Etwa die Hälfte der Senioren sei im Internet unterwegs. 2014 waren es laut Bitkom gerade 38 Prozent.

„Wer das Internet nutzt, war während der Corona-Pandemie noch intensiver als zuvor online oder hat neue Dienste ausprobiert“, erklärt der Digitalverband. So habe nahezu jeder Deutsche über 65, der im Internet surft, auch ab und zu E-Mails geschrieben und nach Informationen gesucht. Auch Nachrichten lasen 88 Prozent online. Online-Shops konnten bei über 65-Jährigen binnen sechs Monaten ihre Beliebtheit steigern. Im Januar gaben 67 Prozent der Senioren an, im Internet einzukaufen – im Juli waren es 72 Prozent. Ihre Bankgeschäfte erledigten ebenfalls 69 Prozent der Befragten im Internet.

Vier von zehn der älteren Onliner (44 Prozent) schauen über das Internet Videos, Filme und Serien, ein Anstieg um vier Prozent innerhalb eines halben Jahres. Den größten Sprung bei der Internetnutzung hätten jedoch Videochatangebote gemacht, erklärt Bitkom. Vier von zehn Internetnutzern ab 65 Jahren (40 Prozent) nutzten sie mittlerweile, Anfang des Jahres waren es erst drei von zehn (31 Prozent).

Auch soziale Netzwerke sind bei Senioren beliebt. Gut jeder dritte Nutzer ist bei einer solchen Plattform angemeldet. Mit Abstand die meisten sind nach Angaben des Digitalverbandes bei Facebook registriert. Von diesen seien 57 Prozent der über 65-Jährigen dort aktiv. Das entspreche neun Prozent aller Senioren in Deutschland.

„Wer sich einmal in die digitale Welt bewegt hat, möchte sie nicht mehr missen“, sagt Bitkom-Präsident Berg. Das sehen auch die befragten Senioren ähnlich. Sechs von zehn Internetnutzern könnten sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen. Außerdem gaben fast alle Befragten an, dass sie ihr Wissen im Internet erweitern konnten. Dreiviertel trainiere online das Gedächtnis. Auch der Kontakt mit der Familie werde per Internet gehalten. Das gaben 55 Prozent der Teilnehmer der Umfrage an.

Rund 50 Prozent der Senioren, die nicht online unterwegs sind, erklärten, dass sie nicht wüssten, was sie mit dem Internet anfangen sollten und sie es nicht bräuchten. Etwa genauso vielen fehlten schlicht die technischen Möglichkeiten für einen Internetzugang und drei von zehn sei es im höheren Alter zu viel, sich mit der digitalen Welt überhaupt noch auseinanderzusetzen. Jeder Siebte gab hingegen an, dass er gerne im Internet unterwegs wäre, aber niemanden habe, der ihm alles Notwendige erklären könne. An diesem Punkt sieht auch der Digitalverband Handlungsbedarf. „Wir dürfen nicht zulassen, dass grundsätzlich Interessierte der digitalen Welt fernbleiben, weil ihnen die passende Unterstützung fehlt“, erklärt Berg. Auch abseits des Internets werden Senioren digitaler. Mehr als die Hälfte nutze nach eigenen Angaben einen Computer, zwei von fünf Befragten verwendeten einen Laptop und jeder Fünfte einen Tablet-PC. 41 Prozent der über 65-Jährigen erklärte, dass sie ein Smartphone besäßen. Ein Viertel wiederum telefoniere noch auf einem Handy ohne Touchdisplay oder Apps. Drei von zehn Senioren nutzten Zuhause einen intelligenten Fernseher, ein Fitnessarmband verwendeten elf Prozent.

Auch in Sachen Gesundheitsversorgung sind viele Senioren mittlerweile digital unterwegs. So ließen sich 38 Prozent per SMS oder E-Mail an Termine beim Arzt erinnern. 37 Prozent vereinbarten ihre Termine online. Ein Viertel schreibt Ärzten E-Mails oder Kurznachrichten. Gut die Hälfte könnte sich vorstellen, solche Angebote zu nutzen. Und auch in der Zukunft der Digitalisierung des Gesundheitswesens sehen Senioren Potenzial. So könne sich laut Bitkom mehr als jeder Zweite vorstellen, die elektronische Patientenakte zu nutzen, 40 Prozent das E-Rezept.