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Viele Webseiten sind Datenkraken wie Stiftung Warentest herausfand

Datenkraken im Netz : Datensauger auf Kundenjagd

Mit Cookies sammeln Firmen Informationen ?ber die Besucher ihrer Webseite, um danach personalisierte Werbung anzuzeigen. Das fand die Stiftung Warentest in einer Untersuchung von 35 beliebten Homepages heraus.

Es ist bei jedem Besuch einer Webseite das Gleiche. Der Gast wird gebeten, den sogenannten Cookies zuzustimmen. Die kleinen Dateien auf dem Rechner des Surfers helfen dabei, ihn sp?ter leichter zu identifizieren. Das klingt erstmal positiv. Doch die Dateien werden auch von Unternehmen verwendet, um das Surfverhalten des Nutzers zu verfolgen. So k?nnen Firmen personalisierte Werbung schalten. Die Stiftung Warentest hat sich 35 beliebte Webseiten unterschiedlicher Kategorien angesehen, um herauszufinden, wie diese ?Spionagefunktionen? verwendet werden.

Seit Mai 2018 m?ssen laut Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) alle Webseitenbetreiber, die Cookies nutzen, die Besucher dar?ber informieren. Zwei Jahre sp?ter entschied der Bundesgerichtshof, dass voreingestellte Einwilligungen nicht mehr ausreichen, sondern der Nutzer aktiv ausw?hlen muss, welche Cookies er zul?sst (Az. I ZR 7/16).

Doch darin liegt die Krux. Viele Webseitenbetreiber tricksen bei der Gestaltung ihrer Homepages. Sie wollen die Besucher ?berreden, alle Cookies zu akzeptieren, erkl?rt Stiftung Warentest. ?Der Button ?Alles akzeptieren? Button ist h?ufig knallrot, die datensparsamen Einstellungen liegen oft hinter einem blasseren Schalter.? Besonders unscheinbar sei er auf der Webseite Wetteronline ? dort wurden im Test auch die meisten Drittanbieter-Cookies gesammelt. Komplett neutrale Schaltfl?chen h?tten die Tester nicht gefunden.

Drei Webseiten pr?sentierten wenigstens farblich neutrale Schalter. Die Stiftung Warentest kritisiert das Online-Auktionshaus Ebay, wo sich die Einstellungen hinter der Beschreibung ?Mehr erfahren? versteckten. Die Videoplattform Dailymotion beschriftet laut Tester nicht alle Schaltfl?chen auf Deutsch. Beim Konkurrenten Vimeo sei im Testzeitraum noch mehr getrickst worden. Nutzer stimmten dort ?ber ein Kreuzchen zu, das ?blicherweise verwendet wird, um ein Fenster zu schlie?en. Ganz ohne zustimmungspflichtige Cookies kommen laut Stiftung Warentest die Webseiten der ARD und des WDR aus. Dort w?rden technisch notwendige Cookies verwendet, die nach dem Besuch der Webseiten wieder gel?scht werden und keine Daten weitergeben. Laut DSGVO m?sse der Gast daher nicht gefragt werden, ob er den Cookies zustimmt, da diese ?berechtigten Interessen des Verantwortlichen erforderlich? sind (DSGVO Art. 6 Abs. 1).

Auff?llig im Test war laut Stiftung Warentest auch, dass kostenlose Plattformen mehr Daten sammelten als beispielsweise Einkaufsseiten. Das lasse sich schnell erkl?ren: W?hrend Gratis-Seiten ihr Geld mit Werbung verdienten, mache der Verkauf von Waren bei Online-H?ndlern den Umsatz aus. Manche Betreiber kostenloser Webseiten setzten daher auf die Devise Geld oder Daten. Auf den Webseiten k?nnten sich die Nutzer f?r einen monatlichen Beitrag von Werbung freikaufen. Wer die Cookies abschalten wolle, m?sse, hinter einer sperrigen oder englischen Bezeichnung versteckt, die Einstellungen ?ndern.

Um sich vor unerw?nschter Datensammelei zu sch?tzen, raten die Tester, nie auf rote Schaltfl?chen mit einer Beschriftung wie ?Alle akzeptieren? zu klicken. Stattdessen sollten Nutzer nach dem Men?punkt ?Einstellungen?, ?Einstellungen verwalten? oder ?hnlichem Ausschau halten. Dort k?nnen Cookies nach Bedarf blockiert werden.

Wer allen Cookies zugestimmt hat, kann diese Entscheidung im Nachhinein revidieren. Auf den Internetauftritten finden Nutzer in der Regel im unteren Bereich den Link zu den Datenschutzeinstellungen. Die Tester weisen darauf hin, dass er auch mit Cookie Manager, Privacy Center oder ?hnlichem beschriftet sein kann. In diesem Men? kann der Nutzer alle unerw?nschten Cookies wieder deaktivieren.