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Eine Wanderung entlang der Schlaube führt durch Brandenburgs schönstes Bachtal

Kostenpflichtiger Inhalt: Schlaubetal : Von Mühle zu Mühle am rauschenden Bach

Eine Wanderung entlang der Schlaube führt durch Brandenburgs schönstes Flusstal und verschiedene Naturschutzgebiete.

Ein stiller Zauber liegt über der weiten Fläche des Wirchensees, den kein Boot und kein Badegast stört. Nur die Kakophonie der Vogelstimmen korrigiert das Gefühl völliger Einsamkeit. Und der Wind, der das Wasser zu feinen Wellen kräuselt, ist zu hören, wie er unermüdlich durch die Baumkronen streicht und sich alle Mühe gibt, damit ihm die Blätterflut der Eichen, Buchen und Birken eifrig applaudiert. Dichtes Grün füllt die Ufer dieses Idylls, das sich weit im deutschen Osten fast unsichtbar zwischen dem Gewirr von Stämmen und Ästen verbirgt – nicht fern vom Flusslauf der Oder, die, aus Tschechien kommend, breit und ruhig die Grenzlinie zum Nachbarn Polen zieht.

Nur einen Steinwurf südlich des märchenhaften Waldsees entspringt in den Wirchenwiesen das Flüsschen Schlaube, für das Touristiker und Einheimische nur zu gern die Werbetrommel rühren. Nachdem es den Wirchensee als ersten von zahlreichen Seen durchquert hat, bewegt es sich im „schönsten Bachtal Brandenburgs“ auf seinem 20 Kilometer langen Weg mal müßig, mal forsch Richtung Norden, wo sein klares Wasser im märkischen Acker­bürgerstädtchen Müllrose in den Kleinen Müllroser See fließt, bevor die Reise schließlich im Oder-Spree-Kanal endet.

Das Schlaubetal sonnt sich nicht umsonst in der Gunst seiner Bewunderer. Eingerahmt von beschützenden Naturparkgrenzen, erweist sich die von der Weichseleiszeit geformte Landschaft ohne Frage als einmaliges Naturparadies, in dem das Namen gebende Flüsschen auf seinem kurzen Lauf zwischen Quelle und Mündung, wo es über Jahrhunderte die schweren Holzräder mehrerer Mühlen antrieb, für manche Überraschung gut ist. So schlängelt es sich durch saftige Wiesen, schattige Wälder und vorbei an moorigen Tümpeln, hüpft fröhlich über dicke Steine, eilt durch bis zu 30 Meter tiefe Schluchten, spült seine Wasser über Fischtreppen und Wehre, speist Seen und Teiche, ist mal laut und dann wieder ganz leise, vollbringt das Kunststück, sein oft schmales Bett auf die Größe eines Sees zu verbreitern, über dessen Ufern betagte Bäume ermattet ihre Häupter neigen und ihre Äste im dunklen, stillen Wasser baden.

„Man muss sich das Schlaubetal langsam erobern, sich mit allen Sinnen annähern“, weiß Constanze Mikeska, Wirtin der Kaisermühle, die am einstigen Ort einer 1680 erbauten Wassermühle Gäste zum Schlafen und Schlemmen an die Alte Schlaube einlädt. „Man sollte offen sein für Naturschauspiele, für die kleinen Abenteuer auf Entdeckerkurs.“ Und das geht am besten zu Fuß. Entsprechend bietet das Schlaubetal zahlreiche Möglichkeiten zum Wandern in verwunschener Natur, auf kürzeren und längeren Strecken. Ganz so, wie Kondition und Lust es zulassen. Mit Vogelstimmen im Ohr und dem Aroma der Landschaft in der Nase. Und zwar zu jeder Jahreszeit.

Eines der schönsten Wanderreviere an der Schlaube erstreckt sich dabei rund um das alte Forsthaus Siehdichum, das – inzwischen gern besuchtes Hotel-Restaurant – mitten im Wald auf einer Anhöhe residiert und den Besuchern seiner Terrasse zu Kaffee und Kuchen, zu Wild und Fisch aus der Region eine traumhafte Aussicht auf den Hammersee gewährt. Gleich mehrere Gewässer reiht die Schlaube hier zwischen Kupferhammer und Bremsdorfer Mühle wie an einer Perlenkette auf – nördlich des Forsthauses den Großen Schinkensee, den Langesee und das Schulzenwasser, südlich Hammer- und Großen Treppelsee – und weist dem Wanderer seinen Platz in einem wildromantischen Landschaftsgemälde zu.

Ebenfalls auf dem Gemeindegebiet von Siehdichum liegt nur eine gute Wanderstunde Richtung Müllrose die Ragower Mühle, eine Rarität im Schlaubetal. Denn die alte Getreidemühle, die später um Säge- wie Ölmühle ergänzt und mit Turbinenantrieb ausgestattet wurde, ist dank der erhaltenen Mühlentechnik die letzte ihrer Art. Das können sich Besucher nach vorheriger Anmeldung in dem kleinen Museum der Familie Börner, die an diesem historischen Ort inzwischen einen Gasthof betreibt, auch ansehen. Gefolgt von einer Erfrischung draußen vor der Tür. Wo es zum munteren Plätschern der Schlaube einen Gratisblick auf die schläfrige Schönheit des Mühlenteichs gibt, auf dem dicke Teppiche aus Seerosenblättern treiben.