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Reise: Die Vulkanregion Laacher See in Rheinland-Pfalz birgt Geschichte

Zeitreisen : Die Vulkanregion Laacher See

Vulkansee, Römerbergwerk, Benediktinerabtei und eine Eisenbahn, die sich stolz Vulkanexpress nennt: Die Region um den Laacher See bietet vielfältige Attraktionen.

„Vulkanexpress“ steht auf dem Waggon des Zuges. Klingt großspurig. Doch die Schmalspurbahn zwischen Brohl und Oberzissen erreicht maximal 20 Stundenkilometer. Gezogen wird sie von einer Diesellok, auf manchen Fahrten von einer Dampflok, Baujahr 1906. Von wegen Express. Der Touristenzug zuckelt auf der Bahntrasse durchs Brohltal gemütlich dahin.

Vor etwa 13 000 Jahren gab es hier in der östlichen Eifel einen gewaltigen Vulkanausbruch. Mit riesigem Getöse entleerte sich eine unterirdische Magmakammer, die glühende Asche wurde 40 Kilometer in die Luft geschleudert. Nach dem Ausbruch brach die Erde ein – ein riesiges Loch entstand: der Laacher See. Das größte Gewässer in Rheinland-Pfalz mit einer Tiefe von bis 53 Metern ist zugleich der größte natürliche Mittelgebirgssee in Deutschland. Rund herum hat sich eine Ausflugsregion mit einem dichten Netz an Wander- und Radwegen entwickelt. Vor Corona kamen jedes Jahr bis zu eine Million Besucher an den Laacher See.

Der Vulkanexpress ist nur eine Attraktion von vielen in der Vulkanregion. Er wurde 1901 für den Güterverkehr eingerichtet. Erst seit 1977 verkehrt die Privatbahn für Touristen. Doch auch heute noch transportieren die Eisenbahn das Vulkangestein zur Glasherstellung vom Tagebau in Brenk durchs Brohltal zum Rhein.

Um das Jahr 1100 siedelten sich Benediktinermönche am Laacher See an und gründeten ein Kloster, 1156 wurde die Abteikirche geweiht. Schon für die romanische Basilika mit den sechs Türmen verwendeten die Mönche mit Tuff und Basaltlava das Vulkangestein der Region.

Heute kommen Besucher zur Einkehr und für ein stilles Gebet in das Gotteshaus. Die meisten Urlauber in der Region wandern freilich auf dem sieben Kilometer langen Uferrundweg um den See.

  Der Laacher See ist das größte Gewässer in Rheinland-Pfalz.
Der Laacher See ist das größte Gewässer in Rheinland-Pfalz. Foto: dpa-tmn/Bernd F. Meier

Der Vulkansee ist das Revier von Ansgar Hehenkamp. Von den Mönchen hat der Berufsfischer die Fischrechte gepachtet. In Stellnetzen und Reusen zappeln saisonabhängig Felchen, Barsche und Aale. Die liefert Hehenkamp fangfrisch an den Laacher Hofladen und an Sterneköche. Stefan Steinheuer im Ahrtal und „Kaupers Kapellenhof“ bei Mainz zählen zur Kundschaft.

Die Vulkanpark Gesellschaft vermarktet mehr als 20 Sehenswürdigkeiten rund um den See. Dazu zählen ehemalige Grubenfelder bei Mayen, Höhlen im Vulkangestein des Brohltals, Lava-Dome und Lavakeller in Mendig, der höchste Kaltwassergeysir der Welt in Andernach. Und die mächtige Wingertsbergwand zwischen Mendig und See. Der Steilhang aus Bims und Tuffgestein ragt 60 Meter empor. Gut erkennbar sind die Ablagerungen der einzelnen Ausbruchsphasen. Sie erinnern ein wenig an die Schichten einer Schwarzwälder Kirschtorte.

Eine Zeitreise ins Jahr fünf nach Christus bietet das Römerbergwerk Meurin in Kretz. Römische Legionäre förderten dort den hellgelben Tuffstein zu Tage, verfestigte vulkanische Asche. Treppen und Stege leiten in die einstige Unterwelt der Abbaustollen. Keine Angst, Grubenlampen und Schutzhelme werden nicht benötigt. In die Unterwelt von Mendig wiederum führen 150 Treppenstufen oder ein Aufzug.

30 Meter unter der Erde öffnet sich eine einzigartige Untertagelandschaft mit Lava-Dome und Lavakeller. „Beinahe drei Quadratkilometer in der Fläche, damit fast so groß wie der Laacher See“, erklärt Wolfgang Riedel der Besuchergruppe. Der pensionierte Diplom-Ingenieur führt als Gästebetreuer Touristen durch das Labyrinth aus Stollen und Schächten.

Die Hohlräume entstanden ab 1400, als die Menschen der Region den Basalt zu Tage förderten, das schwarze Gold der Eifel. Noch bis in die 1960er Jahre wurde das Gestein für die Verarbeitung zu Mühlsteinen gefördert, meist in mühevoller Handarbeit. Zwischen vier und neun Grad beträgt die Kellertemperatur. Bierbrauer nutzten sie im 19. Jahrhundert für die Gärung und Lagerung des Gerstensaftes. Damals gab es 28 Brauereien in Mendig, eine ist noch heute dort: Sie heißt natürlich Vulkanbrauerei.

Berufsfischer Ansgar Hehenkamp ist schon wieder zu seinen Netzen auf dem Laacher See unterwegs. Vorbei geht es an der Jägerspitze, wo aus der Tiefe blubbernde Blasen aufsteigen – Kohlendioxid. Der Vulkan schlummert nur.

vulkanregion-laacher-see.de

(dpa)