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Savoir-vivre im Norden der Niederlande

Groningen : Savoir-vivre im Norden der Niederlande

Die Groninger verstehen es, gut zu leben. Auch ihren Gästen bieten sie in der Universitätsstadt kulinarisch und kulturell so einiges.

Die Studentenstadt Groningen im Norden der Niederlande hat etwas Unwirkliches an sich. Die schmalen Häuser sehen aus wie gemalt, durch die großen Fenster sind am Morgen glücklich wirkende Familien beim gemeinsamen Frühstück zu sehen und auf dem Markt grüßen sich Käufer und Händler so, als seien sie alle miteinander verwandt. Das Gemüse liegt in perfekter Form und glänzend in der Auslage. Als der Zauberer Gandalf aus „Herr der Ringe“ zum ersten Mal das Auenland betreten hat, dessen Bewohner Abenteuer meiden und den Tag bevorzugt ohne Stress, dafür mit vollem Magen verstreichen lassen, muss er sich ähnlich wie Touristen beim Besuch von Groningen gefühlt haben.

Wie die Hobbits aus dem Auenland lieben auch die Groninger gutes Essen. Auf dem Fischmarkt, der von historischen Gebäuden wie beispielsweise der Kornbörse umgeben ist, gibt’s „Kibbeling“ und „Hollandse Nieuwe“. Zwei niederländische Spezialitäten. Beim Kibbeling handelt es sich traditionell um Kabeljau-Filets, die zunächst in mundgerechte Stücke geschnitten und anschließend frittiert werden. Serviert wird der Fisch mit Pommes frites und Remouladensauce oder Knoblauchdip. Der neue Matjes, Hollandse Nieuwe, wird mit Zwiebeln und sauren Gurken gegessen. Der Markt findet dienstags, freitags und samstags bis 17 Uhr statt.

Echte lokale Spezialitäten gibt’s im Restaurant Weeva: hier stehen die berühmte Groninger Senfsuppe mit Sahne und Schinken und die Groninger Blutwurst auf der Karte. Wer lieber einen Groninger Leckerbissen auf die Hand möchte, kann sich an einem der Snack-Automaten bedienen, die an mehreren Plätzen in der Stadt stehen. Neben Kroketten, Kaassouffle und Frikandel befindet sich in den Speisefächern der Automaten der sogenannte Eierbal – ein paniertes Ei, umgeben von einer Schicht Ragout. Ein Erlebnis der besonderen Art ist auch der Besuch des Restaurants Het Concerthuis. Die Gäste können dort mehrere Gerichte zum Teilen bestellen – auch vegane Menüs stehen hier auf der Karte. Bis das Essen zum Tisch gebracht wird, können die Gäste zum Zeitvertreib Tischtennis, Karten und Brettspiele spielen oder kickern.

Im Sommer finden in der Stadt, in der etwa 50 000 Studenten leben, mehrere Festivals statt. Unter anderem das Noorderzon Performing Arts Festival Groningen, das jedes Jahr mehr als 100 000 Besucher in den Noorderplantsoen-Park lockt und das Paradigm, bei dem Musik-Fans aus aller Welt zu elektronischen Beats tanzen. Beide Festivals sind wegen Corona in diesem Sommer abgesagt, sollen aber im nächsten Jahr wieder stattfinden. Etwas ruhiger geht’s im Winter zu. Auf dem Grote Markt wird dann im Rahmen des Winterfests eine Eisbahn aufgebaut und in den Kanälen legen während der „Winterwelvaart“ mehrere Charterschiffe an, die mit ihrer abendlichen Beleuchtung für vorweihnachtliche Stimmung sorgen.

Das Groninger Museum ist zu jeder Jahreszeit sehenswert. Ein Ausflug zu dem Gebäude lohnt sich selbst dann, wenn man gerade knapp bei Kasse oder einfach nicht bereit ist, die 15 Euro für den Eintritt zu zahlen. Denn selbst der Blick von außen auf die avantgardistische Architektur des Gebäudes ist beeindruckend. Wegen der Sammlung und den ständig wechselnden Ausstellungen empfiehlt sich aber auch, hineinzugehen. Ab November ist hier beispielsweise „The Rolling Stones – Unzipped“ zu sehen. Die erste internationale Ausstellung, die der weltberühmten Rockband gewidmet ist. Aber auch die aktuelle Ausstellung „Mondo Mendini“ ist beeindruckend. Sie widmet sich dem italienischen Designer und Architekten Alessandro Mendini, der den Bau des Groninger Museums entworfen hat.

Hier erscheint der Glomex Player

Eindruck macht auch der etwas schiefe Turm der Martinikirche, den die Einwohner liebevoll „der alte Graue“ („de olle grieze“) nennen. Das Wahrzeichen von Groningen ist 500 Jahre alt und 97 Meter hoch. Wer fit genug für den Aufstieg ist, hat von dort oben die ganze Stadt und das Umland im Blick. Seit dem vergangenen Jahr gibt es neue Informationstafeln und einen kleinen Filmsaal, in dem ein kurzer Film über Groningen und den Turm gezeigt wird. Drei Euro kostet ein Ticket.

 Groningen
Groningen Foto: SZ/Steffen, Michael

Ausklingen lassen kann man den Tag am besten in der belgischen Kneipe De Pintelier, die sich in einem der ältesten Viertel der Stadt befindet und deren Bierkarte mehr als hundert Positionen umfasst.